Deutscher Botschafter bei der NATO “vergißt” bei seiner Rede zur Wiedervereinigung die Sowjetunion und Gorbatschow zu erwähnen

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German Ambassador To NATO Gives Reunification Speech, "Forgets" Soviet Union And Gorbachev

Am 2. Oktober hielt der ständige Vertreter Deutschlands bei der NATO in Brüssel, Hans-Dieter Lucas, eine Rede zum Gedenken an die (vermeintliche / Anm. d. Übers.) Wiedervereinigung Deutschlands vom 3. Oktober 1990.

In seiner Rede hob der Botschafter die, seiner persönlichen Meinung nach, drei wichtigsten Punkte hervor:

Erstens gratulierte er “den mutigen Menschen in der DDR, in Polen und in der Tschecheslowakei, in Würde und Achtung vor den Menschenrechten und nicht vor der Überlegenheit ihrer Nationen, das kommunistische Regime zu Fall gebracht zu haben und für die Freiheit aufgestanden zu sein.”

Er lobpries die Demonstranten in Berlin, Leipzig, Prag, Danzig und vielen weiteren Städten, die sich ein größeres Europa “auf der Grundlage von Freiheit und Demokratie” wünschten.

Daraufhin erinnerte er daran, daß die Vision von Frieden und Freiheit im Jahr 2019 weiter entfernt ist, als sie es im Jahr 1990 war.

Der andauernde Konflikt in und um die Ukraine oder das Ende des INF-Vertrags zeigen, wie weit die Krise der europäischen Sicherheitsarchitektur forangeschritten ist. Eine weitere grundlegende Veränderung bereitet mir ebenfalls Sorgen, nämlich die Tatsache, dass die auf Regeln basierende liberale Ordnung unter enormen Druck geraten ist. Wieder einmal ist es populär geworden, zu versuchen Länder in Festungen zu verwandeln. Multilaterale Zusammenarbeit und Partnerschaft werden immer häufiger abgelehnt.”

Dann diskreditierte er indirekt Trumps Worte in seiner zwei Wochen vorher gehaltenen Rede vor der Gerneralversammlung der Vereinten Nationen (VN):  daß nicht Globalisten, sonder vielmehr Patrioten die Zukunft sein.

Laut Lucas, ist das Gegenteil der Fall.

“Denn die Geschichte lehrt uns, daß Nationalismus oder nationale Alleingänge keine Option für eine nachhaltige und friedliche Zukunft bieten. In einer Welt, die weitaus stärker als in der Zeit des Kalten Krieges von immenser strategischer Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit geprägt ist, brauchen wir mehr und nicht weniger globale Zusammenarbeit.”

Der zweite Punkt, den er versuchte zu betonen war, daß die Diplomatie, trotz ihres Übergangs in zumeist flammende Twitter-Kriege, immer noch so wichtig ist wie in der Vergangenheit.

The second point he tried to make is that diplomacy is still as important as ever, despite its devolution into a Twitter flame war in most occasions.

“Diese Jahre waren eine Zeit großer Umbrüche, und vieles hätte schief gehen können. Tatsächlich neigen viele Dinge dazu, schief zu laufen, wenn Regime fallen. Anders war es in jenen Jahren, dank des Mutes von Führern wie der ungarischen Regierung, die im September 1989 die Grenze für DDR-Flüchtlinge öffnete, und des verantwortungsvollen Verhaltens und der Weisheit damaliger Politiker und Diplomaten. Ihnen ist es auch zu verdanken, daß die Teilung Deutschlands innerhalb weniger als eines Jahres nach dem 9. November 1989 und mit Zustimmung all unserer Nachbarn friedlich überwunden worden ist. Das war ein wahres Meisterwerk der Diplomatie. Mut und Diplomatie auf der Grundlage von Vertrauen und gegenseitigem Respekt können auch scheinbar unlösbare Probleme lösen. Die Suche nach Kooperation und das Streben nach politischen Lösungen gehören auch zu den Grundprinzipien unserers Bündnisses.”

Der dritte Punkt war, daß die Welt derzeit bedauerlicherweise sehr gefährlich geworden ist.

“Tatsächlich kann man bei den vielen Krisen in unseren Nachbarländern zu dem Schluß kommen, daß die Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Geschichte der deutschen Einheit zeigt, daß es sich lohnt auch in stürmischen Gewässern den Kurs zu halten. Folgen wir also nicht den Schwarzmalern oder denen, die angeblich im Namen des Volkes einfache Lösungen predigen.”

In seiner Zusammefassung dankte er den Partnerländern der NATO und Europas, trotz der von Nazi-Deutschland begangenen Verbrechen, Deutschland wiederaufgenommen zu haben und erinnerte daran, daß sich der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in diesem Jahr zum 80. Mal jährt.

“Dieser Jahrestag erinnert uns Deutsche daran, daß es nach dem Zweiten Weltkrieg und den schrecklichen Verbrechen, die Nazi-Deutschland an unseren europäischen Nachbarn und unseren Partnern jenseits des Atlantiks begangen hat, keineswegs selbstverständlich war, Deutschland wieder als Mitglied der internationalen Gemeinschaft und als freies und souveränes Land aufzunehmen.”

In seiner kurzen Rede lobte er alles, was die NATO und die europäischen Staaten getan haben, aber er vegaß, wie es auch üblich ist, wenn diese von Washington geführte Organisation über die Geschichte der letzten Monate spricht, einen wichtigen Teil der Geschichte zu erwähnen : die Rolle der UdSSR und ihrer Führer.

Die Sowjetunion blieb von Lucas völlig unerwähnt. Michail Gorbatschow, der ihr Führer war, als die UDSSR einer Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt hat, blieb ebenfalls gänzlich unerwähnt.

Die Geschichte von vor 30 Jahren wird komplett umgedeutet, um den Anschein zu erwecken, als ob alle Opfer und diplomatischen Erfolge nur den europäischen Ländern zu verdanken sind, und daß die Sowjetunion auf der anderen Seite des Kalten Krieges keinen Kompromiss eingegangen ist oder sich kaum an dem Prozess der Stabilisierung der Welt beteiligt hat.

 

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Quelle: https://southfront.org/german-ambassador-to-nato-gives-reunification-speech-forgets-soviet-union-and-gorbachev/

Übersetzung©: Andreas Ungerer

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  • Armin Pieroth

    Das ist doch das Übliche: geschmacklos, instinktlos und ziemlich dumm. Bestimmte Gruppen haben immer noch Angst vor einem neuen Rapallo. Aber genau sowas würde die Lage in Europa weitgehend entspannen. Deutsche Politik tut das Gegenteil.

    Durch die Lage bedingt, befinden sich Russland und Deutschland in einer Art Zangsehe. Statt sich zu streiten, sollten sie das Beste daraus machen. Russland will das; in Berlin setzt man zu sehr auf die USA. Das ist ja an sich nicht falsch, aber zu einseitig. Man verliert jede Flexibilität.