Die Festung Mossul

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Laut dem Präsidenten (de facto) Masud Barzani der Autonomen Region Kurdistan, braucht die Anti-ISIS-Koalition bis zu drei Monate um die Stadt Mossul unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die militärische Situation in und um die Stadt Mossul entfaltet sich komplett anders als die der anderen großen Rebellenfestung – Aleppo (Lesen Sie hier mehr: Die Festung Aleppo).

Mossul ist nach Bagdad die zweitgrößte Stadt des Irak. In der Stadt Leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen 1,5 Millionen Menschen. Es ist eine Stadt, wo sunnitische Araber, schiitische Araber, Kurden, Jesiden, Armenier, Assyrer, Turkmenen und sogar einige Anhänger des Christentums seit langer Zeit zusammenleben. Mossul ist des Weiteren die informelle, politische und die ökonomische Hauptstadt des sunnitischen Irak. Eine ethnisch facettenreiche Stadt und hat den höchsten Prozentsatz an Christen aller irakischen Städte.

Abb.1 Ethnographische Karte von Mosul City. Quelle der Karte: @ peshmerga_46 / Twitter

Abb. 1 Ethnographische Karte von Mosul City. Kartenquelle: @ peshmerga_46 / Twitter

Wirtschaftlich ist Mossul ein großes Zentrum der Erdölgewinnung. Vor den russischen Operationen mit dem Ziel der gezielten Zerstörung der Ölkarawanen, welche die “Nordroute” (Irak-Syrien-Türkei) folgten, erwirtschaftete der Islamische Staat (IS, ISIS) bis zu 50 Millionen Dollar pro Monat aus diesem Handel. Mossul ist ausserdem ein Verkehrsknotenpunkt. Drei große Autobahnen passieren Mossul: die Bagdad (№1) – Mossul – syrische Grenze – Aleppo (M4), die Bagdad (№2) – Mossul – türkische Grenze und die Mossul – Kirkuk (№80). Die Stadt ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Ein Zweig der sogenannten Bagdadbahn führt durch die Stadt. Die Stadt liegt am Tigris, dem größten Fluss im Nahen Osten. An diesem Fluss liegt das größte Wasserkraftwerk des Irak (60 Kilometer von der Stadt entfernt).

Faktoren, die beim Untergang von Mosul eine Rolle gespielt haben

Der sunnitische Faktor

In den Jahrzehnten von Saddam Husseins Irak, war die Stadt und ihre Vorstädte der Wohnsitz pensionierter irakischer Soldaten. Hauptsächlich waren dies sunnitische Araber. Im Irak wurde die Stadt auch “die Stadt der eine Millionen Soldaten” genannt. Schätzungen zufolge lebten mehr als 7.000 ehemalige Offiziere der Armee Saddams und mehr als 100.000 aus dem Dienst entlassene Soldaten in der Stadt, als diese vom Islamischen Staat überrannt und besetzt wurde. Nach der US-Invasion im Jahr 2003 entschied sich das amerikanische Kommando gegen weiträumige Kämpfe gegen die sich der Invasion und Besatzung wiedersetzenden Kräfte zu führen, sondern sie aus Bagdad und seinen Vorstädten zu drängen. Von dem Moment der Beendigung der Operation Vigilant Resolve und Phantom Fury an, begannen sich die Unterstützer al-Qaidas und bewaffneter Gruppen sunnitischer Araber in Mossul zu versammeln. Im Jahr 2011 ernannte der Premierminister Nuri al-Maliki (schiitischer Araber) den Generalleutnant Mahdi Gharawi zum Polizeichef Mossuls. Generalleutnant Mahdi Gharawi ist schiitischer Muslim. Sunnitische Araber betrachteten ihn als Verbrecher, der die amerikanische Invasion des Landes als Vorwand benutzte, um Geld von lokalen Unternehmen und Bürgern zu quetschen. Viele Morde an unschuldigen Bürgern wurden auf seine korrupten und scharfen Maßnahmen zurückgeführt. Laut dem Gouverneur der Provinz und vielen Bewohnern verdarb Mahdi Gharawi am Vorabend des Falls der Stadt in die Hände des Islamischen Staat die historisch guten Beziehungen zwischen sunnitischen und schiitischen Einwohnern der Stadt und der Nationalregierung. Er war ein Faktor, welcher den Aufstieg der Widerstandsgruppen im Untergrund zum IS gefördert hat.

Der kurdische Faktor

Mit der Niederlage der irakischen Armee im Jahr 2003 übernahmen kurdische paramilitärische Truppen die Kontrolle über die Städte Mossul und Kirkuk, welche auch unterschiedlich stark von Kurden bewohnt werden. Sie begannen eine groß angelegte Operation und vertrieben die arabischen Siedler. Die Kurden hatten keine Autonomie unter der Herrschaft Saddam Husseins. Dies war eine stetige Quelle für Unruhen und Proteste zwischen den Kurden und der irakischen Verwaltung. Im Jahr 2008 begann Nouri al-Maliki Maßnahmen zu ergreifen, um die Kontrolle über Mossul sicherzustellen. Er kam zur Erkenntnis, dass die Kurden zur Regierung in Bagdad illoyal seien, und setzte alle kurdischen Offiziere der beiden in Mossul stationierten Divisionen der Armee ab und ernannte für diese Posten seine eigenen Leute.

Kurdische Kräfte der Peschmerga auf einem militärischen Fahrzeug südöstlich von Mossul, Irak, 14. August 2016. (Reuters)

Kurdische Kräfte der Peschmerga auf einem militärischen Fahrzeug südöstlich von Mossul, Irak, 14. August 2016. (Reuters)

Es ist auch zu erwähnen, das der Konflikt um die Gewinne aus dem Ölgeschäft bei der Übergabe der Stadt an die Terroristen des Islamsichen Staat eine Rolle spielte. Zwischen 2013 und 2014 nahmen die Widersprüche zwischen Bagdad und Erbil (der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan) über Fragen, die sich mit der Verteilung der Vergütung aus dem Betrieb von Ölfeldern und Partnerschaften mit ausländischen Ölkonzernen befassen stark zu. Nach Angaben der amerikanischen Zeitung Wall Street Journal wurden für das Jahr 2013 die Öllagerbestände der Autonomen Region Kurdistan auf 45 Milliarden Dollar und die für den ganzen Irak auf 120 Milliarden Dollar geschätzt. Nach der Verfassung des Irak gehören alle Lagerbestände an Energierohstoffen dem Staat und die Autonome Region Kurdistan erhält nur 17 %. Dennoch erklärte die Verwaltung der autonomen Region wiederholt, dass diese weniger erhalte. Die Autonome Region Kurdistan bietet ausländischen Unternehmen günstigere Kooperationsbedingungen auf der Grundlage von Produktionsvereinbarungen und wurde somit im Vergleich zu anderem Öl abbauenden Regionen des Irak ein attraktiver Partner. Die irakische Regierung unterzeichnete nur Dienstleistungsverträge. Nach diesen Verträgen arbeiten die ausländischen Unternehmen als Auftragnehmer, erhalten Geld für die Erforschung und den Betrieb von Feldern und auch die garantierten Lieferungen von der vertraglich festgelegten Ölmenge zu marktgerechten Preisen. Im Januar 2014 bewegten die Versuche des Premierministers Nouri al-Maliki die eigenverantwortlichen Ölgeschäfte der Autonomen Region Kurdistan zu zügeln Irakisch-Kurdistan dazu, ein Abkommen mit der Türkei – ohne die Zustimmung der irakischen Regierung – über den direkten Export von Erdöl über den Mittelmeerhafen (Ceyhan) abzuschließen. Die Regierung von Irakisch-Kurdistan verkaufte das Öl zu einem Preis von 50 % des Marktpreises. Die Verwaltung des Islamischen Staat wiederum verkaufte Öl aus den besetzten Irakischen und kurdischen Gebieten zu einem Preis von 30 % des Marktpreises. Weder die irakische noch die kurdische Regierung konnten solch einen Raub dulden.

Des Weiteren ist es wichtig zu beachten, dass im Jahr 2014, als die Kämpfe mit den Terroristen des Islamsichen Staat über die Kontrolle von Mossul und anderen wichtigen Städten im vollen Gange waren, Masud Barzani Nouri al-Maliki vorschlug, dass die Kurden und die Zentralregierung bei der Verteidigung von Mossul zusammenarbeiten sollten. Der Ministerpräsident lehnte ab. Höchstwahrscheinlich hatte Nouri al-Maliki Angst, dass die kurdischen Divisionen nach der Lösung des Problems mit den Terroristen des Islamischen Staat die von ihnen besetzten Gebiete nicht verlassen würden.

Der Zustand der irakischen Streitkräfte am Vorabend des Falls von Mossul

Eine Station an der Front von Mossul am Vorabend des Sturms war die 6. Brigade der 3. Division der Streitkräfte des Irak. Laut offiziellen Listen sollten sich 2.500 Personen in dieser Einheit befinden, aber in Wirklichkeit befanden sich nur 500 Soldaten in den Reihen. Es wurde weiterhin festgestellt, dass viele Kommandeure von ihren Untergebenen Geldbeträge erhalten haben, im Austausch dafür, dass sie nach Hause gehen durften. So waren von 25.000 Soldaten, welche mit dem Schutz der Stadt beauftragt waren, bestenfalls noch 10.000 Soldaten – viele ohne Waffen und Munition. Alle schweren Waffen waren in einem Heeresbetrieb in Anbar beteiligt. Laut Mahdi Gharawi mussten der Stabschef der Streitkräfte des Irak und Oberbefehlshaber der Bodentruppen zusätzliche Kräfte zur Verteidigung der Stadt zur Verfügung stellen, doch diese Truppen waren weit vom Einsatzgebiet entfernt stationiert. Auf unterschiedlichste Weise desertierten massiv Soldaten und 2000 Terroristen des Islamischen Staat schafften es innerhalb von sechs Tagen (04. – 10. Juni) die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Es ist offensichtlich, dass eine solche Anzahl an Terroristen des Islamischen Staat es nur mit der Unterstützung sunnitischer Untergrund Widerstandsgruppen und Unterstützern al-Qaidas es schaffen konnte, Mossul zu erobern. Laut Augenzeugen gab es eine große Anzahl von Einwohnern, welche die Kämpfer auf den Straßen der Stadt begrüßen. Konflikte aus ethnischen und religiösen Gründen, Korruption und Intrigen in den höchsten Militär- und Regierungsämtern des Landes führten dazu, dass die Stadt fiel.

Soldaten der Golden Brigade der irakischen Armee fahren durch Bartella auf der Rückseite eines gepanzerten Humvee. Matt Cetti-Roberts Foto

Soldaten der Golden Brigade der irakischen Armee fahren durch Bartella auf der Rückseite eines gepanzerten Humvee. Matt Cetti-Roberts Foto

Am 16. Oktober wurde erklärt, dass Versuche unternommen werden, die Stadt zu stürmen. Es ist anzumerken, dass Mossul für ISIS die letzte Hochburg im Irak und eine wichtige Einnahmequelle aus Ölverkäufen ist. Für die Regierungen des Irak und der Autonomen Region Kurdistan ist die Kontrolle über diese Region in erster Linie von finanziellem Interesse. Für ihre westlichen Kollegen stellt diese Operation eine wichtige PR-Kampagne und eine Quelle politischer Dividende dar.

Die Situation um Mossul

Der Führer einer bewaffneten schiitischen Gruppe, Hadi Al-Amery, erklärte, dass Mossul aufgrund der Dauer und der Intensivität der Kämpfe ein zweites Aleppo werden könnte. Diese Aussage wird durch die folgenden Argumente widerlegt:

Die Struktur der der Koalitionskräfte

  • Irakische Sicherheitskräfte (54.000 Soldaten)
  • Peschmerga (bis zu 40.000 Soldaten)
  • Loyal zur Regierung stehende sunnitische Milizen (bis 9.000 Personen)
  • Schiitische Milizen, turkmenische Einheiten, Jesiden und Christen die als Teil der Popular Mobilization Units (PMU), auch bekannt unter Popular Mobilization Forces (PMF), operieren (bis zu 5.000 Personen)
  • Ungefähr 5000 amerikanische Soldaten
  • Mehr als 130 Artilleriewaffensysteme, mehrere Hundert gepanzerte Fahrzeuge sowie etwa 90 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und unbemannte Kampfdrohnen.

Eine solche Patchwork-Koalition führt unweigerlich zu zusätzlichen Problemen während der Operation. An erster Stelle bezüglich der Zusammenarbeit und Koordination der Truppen. Ungefähr 9000 Terroristen des Islamsichen Staat, die voller Entschlossenheit sind, die Kontrolle über die Stadt nicht herzugeben, ausgerüstet mit Dutzenden VBIEDs (Vehicle Borne Improvised Explosive Device – Mit Sprengstoff gefülltes Fahrzeug wird zum Zielpunkt gefahren und zur Explosion gebracht) und chemischen Waffen stehen ihnen gegenüber. In Ausstattung, Mannstärke und Professionalität ist die Koalition in absoluten Vorteil. In Aleppo steht die syrische Regierungsarmee mit Unterstützung des Iranischen Revolutionsgarde und Freiwilligengruppen gegen eine bewaffnete Opposition, die ungefähr stark ist.

Humanitäre Situation

In Aleppo richtete die Arabische Republik Syrien (SYR) sechs humanitäre Korridore ein, um die Ausreise der Zivilbevölkerung sowie der bewaffneten Opposition zu erleichtern. Mitarbeiter humanitärer Organisationen waren bereit jeden zu Helfen, der Hilfe benötigt. Über Aleppo wurden Flugblätter abgeworfen, welche die Routen der humanitären Korridore zeigte. In Mossul wurden keine humanitären Korridore organisiert. Es wurden Flugblätter abgeworfen, auf denen dazu aufgerufen wurde, bewaffneten Widerstand gegen die Terroristen des Islamsichen Staat zu organisieren – Waffen wurden jedoch aus irgendeinem Grund nicht abgeworfen. Auf Initiative der Vereinten Nationen wurden fünf Lager für 120.000 Menschen organisiert. Das ist natürlich nicht genug für die geschätzten 1,5 Millionen Menschen, die in der Stadt wohnen. Der US-Präsident Barack Obama hatte erklärt, dass die humanitäre Hilfe erst nach der Befreiung der Stadt bereitgestellt wird. Inzwischen kann die Situation in der Stadt als katastrophal beschrieben werden. Es existiert kein organisierter Transport von Lebensmitteln und Kraftstoff, Stromversorgung fehlt und medizinische Versorgung ist nicht zur Verfügung gestellt.

Abb.2 Einwohner von Mossul stehen Schlange für Nahrungsmittel

Abb. 2 Einwohner von Mossul stehen Schlange für Nahrungsmittel

Abb.3 Kinder von Mossul spielen auf Ruinen

Abb. 3 Kinder von Mossul spielen auf Ruinen

Getötet Zivilisten, welche unbeerdigt sind, schaffen die Gefahr eines Ausbruchs von Infektionskrankheiten. Der IS hat Vorräte an Chlor, Senfgas und Ammoniak. Ein Anschlag mi Massenvernichtungswaffen innerhalb der Stadt würde massive Opfer unter den Zivilisten verursachen, welche keine Gasmasken oder schützende ABC-Kleidung besitzen. Amerikanische Spezialisten schätzen, dass während des Baus der Talsperre des Wasserkraftwerks von Mossul technische Fehler gemacht wurden und sein technischer Zustand bedenklich ist. Zurzeit steht das Kraftwerk formal im Verantwortungsbereich der kurdischen bewaffneten Gruppen, aber niemand kann garantieren, dass die Terroristen des Islamischen Staat keinen Versuch unternehmen werden, einen Terroranschlag gegen den Damm durchzuführen. Wenn es zu einem Unfall oder Terroranschlag bei/auf dem Damm kommen sollte, würde eine Flutwelle von 65 Fuß auf Mossul zurasen und auf Bagdad eine von 15 Fuß. Weitere Bemerkungen zu den katastrophalen Folgen einer solchen Katastrophe sind unnötig.

Taktische Vorgehensweisen der gegnerischen Seiten

Merkmale der Durchführung von Kampfhandlungen des Islamsichen Staat

Unter den Kämpfern des Islamsichen Staat gibt es ehemalige Offiziere der Armee Saddams, welche in Mossul geboren sind und die Stadt und ihre Kommunikationen perfekt kennen. Diese Tatsache macht eine Erstürmung der Stadt zu einer fast undurchführbaren Aufgabe. Unter dem angeworbenen Personal des IS befindet sich eine beträchtliche Zahl an Kämpfern, welche über erhebliche Erfahrung im Häuserkampf aus Afghanistan, Tschetschenien, Libyen und Syrien verfügen. Diese Leute wissen alles über Kriegsführung in einer städtischen Umgebung. Die westlichen Medien skizzieren die Terroristen des Islamischen Staat als wild, grausam und dumm. Solche Leichtfertigkeit in der Feindbewertung führte bereits zu Opfern. In weniger als einem Monat des Kampfes in den Vororten Mossuls, in Gebieten, in denen die Bewohner treu zur Regierungskoalition stehen, wurden bereits 3000 Menschen getötet oder verwundet sowie 22 Panzer und mehr als 120 leichte Panzerfahrzeuge zerstört. Die Terroristen des Islamsichen Staat und ihre Führung sind keine zurückgebliebenen Hirten und Bauern, die erst gestern Waffen in die Hände bekommen haben. Sie sind Menschen, für die der Krieg ein Beruf wurde. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Terroristen des Islamsichen Staat im Vergleich zu ihren gegnerischen Truppen diejenigen sind, welche motivierter sind. Zunächst einmal gibt es eine religiöse Komponente. Zweitens ist es für die ehemaligen Offiziere, welche zum Islamsichen Staat gekommen sind, eine Gelegenheit, Rache an den USA für den Krieg, der den Irak seit 2003 in Stücke zerrissen hat, zu bekommen. Die Stadt ist seit langer Zeit unter der Kontrolle des IS und wird bezüglich defensiv Positionen entsprechend vorbereitet sein. Das irakische Militär hat in der Vergangenheit wiederholt versucht die Stadt zu stürmen und die Kommandanten des IS haben höchstwahrscheinlich Maßnahmen zur Stärkung der am stärksten gefährdeten Verteidigungsstellungen durchgeführt. In den Vorstädten von Mossul eroberten die internationalen Koalitionskräfte die selbst gebauten Mörser, die Gasflaschen abschießen. Es hilft den Terroristen, unterirdische Tunnel zu bauen, um sich unentdeckt zwischen den Gebäuden und sogar zwischen den verschiedenen Vororten Mossuls zu bewegen. Die taktischen Methoden des Kämpfers des IS sind gekennzeichnet durch schnelles Manövrieren auf einer Stelle, mit der Verwendung von vorbereiteten Wegen, Hinterhalten und Fallen. Granatwerfer (RPG-7, RPG-18, RPG-22) werden in großen Mengen eingesetzt, während Mörser im Stadtkampf rar sind. In den Gebieten, wo der Feind am wahrscheinlichsten erscheint, sind Minenfallen und Landminen bereits vorbereitet. Auf Autobahnen nutzt der IS massiv VBIEDs und Langstreckenartillerie. Die Art dieser Angriffe entmutigt den Gegner und verringert die Geschwindigkeit seiner Offensive. Sie haben auch 15 bis 18 Jahre alte Jugendliche zum Militärdienst zwangsverpflichtet und setzten diese als shahids Märtyrer ein, sie haben wenig Kriegserfahrung. Als Tarnung und zum Schutz des Luftraumes bezüglich Luftangriffen, als auch mit dem Ziel die Überwindung der Verteidigung zu komplizieren werden Löcher und Gräben mit Ölprodukten in Brand gesetzt. Zum Beginn der letzten Mossul-Operation führte der IS einen Gegenangriff in der Nähe der Stadt Kirkuk in der Hoffnung durch, die Koalition würde Ressourcen von Mossul abziehen und ausbluten. Ähnliche Angriffe wurden im Jahr 2015 und 2016 durchgeführt, um die Aufmerksamkeit von der Stadt wegzulenken. Der IS verwendet Artillerie mit hoher Reichweite und attackiert damit die Gebiete in denen die kurdische Peschmerga operiert mit Senfgas oder Chlor gefüllten Granaten. Am 20. Oktober arrangierten die Terroristen des Islamsichen Staat einen Sabotageakt an einer Schwefelanlage in Al-Mishraq. Diese Aktion führte zur Massenvergiftung von Zivilisten. ISIS benutzt auch Zivilisten als menschliche Schilde, um Luftangriffe zu verhindern.

Merkmale der Durchführung von Kampfhandlungen der Koalition

Das allgemeine Konzept der Operation sieht wie folgt aus: Einheiten der Peschmerga führen einen Angriff aus dem Norden und aus dem Osten aus. Die ISF, mit der Hilfe schiitischer Milizen greift von Süden an. Die bewaffneten Gruppen der Kurden sind damit beauftragt, die Stadt zu blockieren. Die ISF nimmt Mossul unter Kontrolle. Bei einem separaten Vorstoß der Amerikaner und ihren irakischen Verbündeten isolieren diese den Weg zur Grenze, um Verstärkungen des Islamsichen Staat von Syrien in den Irak zu verhindern. Nur einen Monat nach dem Start der Operation entsendete das Kommando der Koalition schiitische Milizen und Einheiten der Hisbollah [Sie agieren als Teil der PMU/PMF], um die Autobahn westlich der Stadt zu blockieren. Dies ist eine erstaunliche Tatsache. Die USA verwenden in diesem Konflikt aktiv eine international anerkannte (auch von den USA selbst, was am ironischsten ist) terroristische Organisation gegen andere Terroristen.

Abb.4 IFV auf dem Weg nach Mossul

Abb. 4 IFV auf dem Weg nach Mossul

Abb. 5 Fortschritt der Koalitionstruppen bis zum 15. November 2016. Quelle der Karte: understandingwar.org

Abb. 5 Fortschritt der Koalitionstruppen bis zum 15. November 2016. Quelle der Karte: understandingwar.org

Ein paar Worte über die beteiligten US-Streitkräfte. Es sind ungefähr 5.000 amerikanische Soldaten um Mossul stationiert. Offizielle Quellen gaben an, das es in der Kampfzone ungefähr 200 Soldaten gibt. Im Allgemeinen bestehen diese aus Personal der USSOCOM (US Special Operations Command, USSOCOM/SOCOM – Kommando für Spezialoperationen der Vereinigten Staaten) und Fliegerleitoffiziere. Wie die restlichen 4.800 Soldaten eingesetzt sind, muss noch bestimmt werden. Soweit Informationen zur Verfügung stehen, werden 1.700 Soldaten der 2. Brigade der 101. Luftlandedivision auf dem Militärflugplatz Qayyarah Airfield West, circa 60 Kilometer von Mossul entfernt stationiert. Einheiten der 18. Feldartilleriebrigade werden am gleichen Ort eingesetzt, um den amerikanischen Fallschirmjägern Feuerunterstützung zu bieten. In diesem Gebiet wirkt auch das USMC-Bataillon (Task Force Spartan). Einheiten der 82. Luftlandung ersetzen ihre Kollegen aus der 101. Division. Sie absolvierten einen zweimonatigen Kurs für militärische Operation in bewohntem Gebiet und in chemischer Kriegsführung. Einen genauen Zeitpunkt für den Wechsel der Luftlandeeinheiten wurde nicht bekannt gegeben. Dies bedeutet, dass das Pentagon die Fallschirmjäger der 101. Luftlandedivision in Reserve halten kann.

Es scheint, dass das Vorwahlprojekt der Demokratischen Partei der USA unter dem Titel “Quick Capture of Mosul” scheinbar zusammen mit Hillary Clintons Präsidentschaftskampagne versagt hat. Nun hat sich die Taktik der US-Administration verändert. Das kann bedeuten, dass Donald Trump in den Sumpf eines Krieges gerissen wird. Das heißt, hochrangige Beamte des Pentagons glauben nicht mehr daran, dass das irakische Militär in der Lage ist, Mossul einzunehmen und arbeiten daran einen Plan mit größerer Beteiligung der US-Streitkräfte vorzubereiten. Die Truppen der USA erlitten bereits Verluste: In den ersten drei Wochen der Offensive wurden 16 getötet und 27 verwundet. Die meisten der Opfer waren auf Artilleriefeuer, die Detonation von Minen/Sprengfallen und friendly fire von Flugzeugen der Koalition zurückzuführen.

Abb. 6 Artilleriefeuer der Koalition gegen ISIS

Abb. 6 Artilleriefeuer der Koalition gegen ISIS

Die Koalition verfügt über einen überwältigenden Vorteil an Kräften und Mitteln der technischen Aufklärung, der Luft- und Artillerieunterstützung und ganz zu schweigen von der Materiallogistik auf den Teilen des Schlachtfeldes. Nach Aussage des offiziellen Vertreters des US-Außenministeriums John Kirby, gibt es in Mossul keine Zivilisten, es gibt nur Terroristen. Dies bedeutet, dass die Koalition die Stadt für Angriffe von Luft- und Landbasen für einen schnellen Sieg freigibt, ungeachtet ziviler Opfer. Es ist durchaus möglich, das die Vereinten Nationen genügend Lager für alle überlebenden organisieren kann. Es ist auffällig, das die Offensive in Richtung der östlichen und südöstlichen Teile der Stadt geführt wird. Diese Gebiete werden überwiegend von Kurden und der gemischt arabischen Bevölkerung bewohnt. Die bedeutet, dass der Widerstand der Terroristen des Islamsichen Staat in diesem Gebieten am schwächsten sein sollte. Es ist logisch, dass das amerikanische Militärpersonal, das am meisten vorbereitet und fähig ist, wahrscheinlich im Kampf um die westlichen Teile der Stadt beteiligt sein werden.

Abb. 7 Fortschritt der Koalitionstruppen bis zum 16. November 2016. Quelle der Karte: @LCarabinier/Twitter

Abb. 7 Fortschritt der Koalitionstruppen bis zum 16. November 2016. Quelle der Karte: @LCarabinier/Twitter

Unter Berücksichtigung aller oben genannten Erwägungen ist anzumerken, dass die Situation um Mosul absolut einzigartig ist. Auf den ersten Blick scheint die Koalition nicht allzu viel Mühe zu haben, die Stadt zu blockieren und sie unter Kontrolle zu bringen. Sie verfügen über ausreichend Personal, Waffen, Aufklärungsdaten und Unterstützung aus der Luft. Eine wichtige Tatsache gilt es zu erwähnen. Die Autobahn nach Syrien wurde über den Zeitraum von fast einem Monat nicht kontrolliert – die Stadt war nicht komplett umstellt. Dies würde die Theorie untermauern, wonach die Einsatzführung speziell den Terroristen des Islamsichen Staat, welche die Stadt verlassen wollten, einen Korridor zur Flucht ließ. Die Verstärkung der syrischen Gruppen des IS durch die aus Mossul eintreffenden Kämpfer würde darüber hinaus die bereits schwierige Situation der syrischen Regierung erschweren. Es gibt Informationen, dass sich diese Kräfte nach Syrien verlagern könnten, um an Kämpfen in den Gebieten um Palmyra und Deir ez-Zor teilzunehmen. Die Führer Kurdistans erklärten, dass die Peschmerga einzig an Kampfhandlungen teilnehmen werden, welche zur Umkreisung und Blockierung der Stadt führen. Türkische Beamte erklärten, dass die türkischen Streitkräfte an der Operation zur Befreiung Mossuls teilnehmen werden. Diese Ankündigung verursachte eine scharfe negative Reaktion sowohl von der irakischen Regierung las auch von kurdischen Führern. Die Tatsache, dass die ISF und die Einheiten Irakisch-Kurdistans bei Operationen gemeinsam kooperieren ist sehr interessant. Hohe Beamte Bagdads sind gegen kurdische Kräfte in Mossul – sie haben Angst, dass diese die Stadt zur Autonomen Region Kurdistan annektieren, wie es bereits bei dem ölreichen Kirkuk der Fall war. Die Führer des Irak und der Autonome Region Kurdistan hätten niemals vereinbart, sich zusammen an dieser Operation zu beteiligen, wenn dies nicht unter hochgradiger Beteiligung des US-Außenministeriums vermittelt worden wäre. Dies deutet höchstwahrscheinlich auf vorverhandelte Regelungen zur Trennung der Einflusssphären im Land hin.Niemand spricht in den Massenmedien darüber, was diese Vereinbarungen mit sich bringen könnten. Wir werden dies nach der Einnahme der Stadt sehen. Denn alle diese Meinungsverschiedenheiten, Verhandlungen, die schreckliche humanitäre Lage und die Verzögerungen bei den Anstrengungen die Stadt zu befreien, tun nichts um die Lage der zahllosen Zivilisten zu Verbessen, die sowohl von den Terroristen als auch von der Koalition abgeschlachtet werden.

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