Die russisch-iranische Allianz: Interessen, Ziele und Differenzen

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Eine iranische Delegation, die von Präsident Hassan Rouhani geführt wurde, ist am Montag in Moskau für Verhandlungen mit ihren russischen Kollegen angekommen. Russland und Iran sind Verbündete im laufenden Konflikt im Nahen Osten und die laufenden Verhandlungen zwischen der russischen und iranischen Führung können als Höhepunkt ihrer gegenseitigen diplomatischen Aktivitäten im ersten Quartal vom Jahr 2017 charakterisiert werden.

Anfang dieses Jahres hielt die russische Führung Konsultationen und Treffen mit fast allen externen und internen Beteiligten im Nahen Osten ab um ihre Positionen in Syrien zu erörtern. Die Entwicklungen im März haben gezeigt, dass die vielen Seiten keinen nahtlosen Konsens über den Konflikt erreicht haben. Darüber hinaus gingen einige Positionen und Meinungen zunehmend auseinander. Die Türkei und Israel haben ihre Unterstützung für militante Gruppen ausgeweitet und ihre eigene militärische Beteiligung am Konflikt verstärkt. Diese Situation zwingt Moskau und Teheran, ihre Pläne für die Frühjahr-sommers-Kampagne von 2017 anzupassen. Darüber hinaus haben Russland und Iran eine breite politische Agenda zu diskutieren.

Der Hauptgrund für die russisch-iranische Allianz in Syrien ist ein gemeinsames Anliegen über Sicherheitsbedrohungen durch Terror Gruppen und geopolitischen Konkurrenten, die Terror Gruppen und westlich kontrollierte, stellvertretende-Regime einsetzen, um Druck auf ihre vermeintlichen Gegner auszuüben.

Das aktuelle Schlachtfeld im Nahen Osten grenzt an den Iran, liegt etwa 700 km Entfernung zu von den Grenzen der Russischen Föderation und nur 450 km von den Grenzen der ehemaligen UdSSR entfernt. Syrien und der Irak sind traditionelle Ziele der Manipulation durch mächtigere und einflussreiche Akteure des internationalen globalistischen Establishments.

Einige Experten glauben, dass diese, einst bekannte externen Akteure, in mehreren Schritten die Kontrolle über die Region erlangen wollen und mehrere Herangehensweisen umgesetzt haben um ein “kontrolliertes Chaos” auszulösen. Dabei erschienen, aufgrund dieser Experimente, die in der Region inszeniert worden waren, oder als Folge einer groben Pflichtverletzung neue Arten von quasi-staatlichen terroristischen Strukturen, wie IS. Unabhängig davon führte diese wachsende Bedrohung durch hoch organisierten und ideologisch motivierten sunnitischen Terrorismus zur Entstehung der iranisch-russischen Militärallianz. Allerdings könnten Moskau und Teheran unterschiedliche Ansätze auf operativer Ebene haben. Sie haben unterschiedliche Einstellungen gegenüber der Beibehaltung der Macht von Präsident Baschar al-Assad. Iran steht für die Aufrechterhaltung des aktuellen Status quo, während Russland es nicht ausschließt, eine Koalitionsregierung zu schaffen, die die Interessen der verschiedenen syrischen ethnischen und religiösen Gruppen vertritt. Moskau und Teheran haben bei der Zusammenarbeit mit anderen regionalen Akteuren, darunter Türkei, Israel, Saudi-Arabien und Katar, unterschiedliche Verhandlungsmöglichkeiten. Diese Situation wird durch eine Reihe von ethnischen, religiösen und historischen Faktoren bestimmt. Es besteht ein bemerkenswerter Unterschied in der Höhe des Drucks, der Moskau und Teheran von den globalen Akteuren gegenüberstehen könnten. Russland ist aufgrund seiner Rolle in der Weltpolitik, seines reichlichen geographischen Territoriums, demokratischen politischen Systems, der multiethnischen und multireligiösen Struktur seiner Bevölkerung und seiner Beteiligung an anderen wichtigen Konflikten anfälliger für verschiedene Arten von Druck als der Iran.

Dennoch sind diese Differenzen verhandelbar und beeinflussen den allgemeinen Charakter der militärischen und politischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Mächten nicht.

Wenn wir die iranischen und russischen Interessen in der Region verstehen wollen, sollten wir es mit einer Prognose versuchen, die die Absichten und Ziele die jede Seite im Jahr 2017 hat charakterisiert.

In diplomatischer Hinsicht wird Russland wahrscheinlich weiterhin versuchen, seine Politik der Lösung des syrischen Konflikts jener der Vereinigten Staaten anzupassen. Insbesondere wird Moskau Chancen durch ihre strategische Zusammenarbeit mit den Kurden nutzen. Russland wird weiterhin mit Ankara zusammenarbeiten, um die Zulieferung von Waffen und Munition aus der Türkei an verschiedene militante Gruppen in der syrischen Provinz Idlib zu mindern oder ganz zu unterbinden. Ein wichtiges Thema ist die Notwendigkeit, militante pro-türkische  Gruppen von mit Al-Qaida verbundenen Organisationen zu separieren. In Bezug auf die kurdische Frage wird Russland zu allen Bemühungen beitragen, die das Vertrauen und Selbstvertrauen zwischen der Regierung in Damaskus und der kurdischen Führung schaffen und stärken. Das Ziel ist es, eine gemeinsame Vision über die politische Ordnung in Syrien in der Nachkriegszeit zu bekommen, die die Interessen der Kurden beinhaltet. Dies muss dazu führen, dass eine de-facto-Allianz zwischen pro-Regierungs- und kurdischen Einheiten aufgebaut wird. Russland wird auch daran arbeiten, seine Rolle als Vermittler in anderen Nahost-Konflikten zu erweitern, wie etwa im Irak, in Palästina und im Jemen. Dies führt zu einem zunehmenden Einfluss auf Israel und verhindert, dass Israel einseitige militärische Aktionen gegen Damaskus führt oder sie zumindest einschränkt.

In militärischer Hinsicht hat Russland im Jahr 2017 folgende Ziele:

  • Für eine entscheidende Niederlage von IS zu sorgen.
  • Die eigene militärische Infrastruktur an den Einrichtungen in Tartus und dem Militärflugplatz Khmeimim zu entwickeln.
  • Den syrischen Streitkräften unter die Arme zu greifen und sie unterstützen.
  • Die Expansion der USA in Syrien zu begrenzen, indem die Zone der militärischen Operationen der syrischen Regierungseinheiten in den Provinzen Ar-Raqqa und Deir Ezzor erweitert wird.
  • Die Expansion des türkischen Militärs zu begrenzen und die Beziehungen mit den Kurden weiter zu entwickeln.

Im Gegenzug wird Teheran seine diplomatischen Bemühungen, um die pro-iranischen Streitkräfte in Syrien, einschließlich des Assad-Regimes, als Schlüsselkomponente des Shia-Halbmondes zu stärken fortsetzen. Der Iran wird sich auch auf die Stabilisierung des Irak konzentrieren, die von der Shia-Regierung geleitet und überwiegend von Schia-Streitkräften verteidigt wird. Teheran wird alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um den Aktionen der Golfmonarchien entgegenzuwirken, und damit durch die Unterstützung der Houthis auch jene der Vereinigten Staaten und Israel im Jemen.

Im Rahmen der arabisch-israelischen Konfrontation wird sich der Iran weiter darum bemühen, sich als wichtigste Frontlinien-Macht im Interesse der Palästinenser zu präsentieren. Teheran wird militärische und diplomatische Anstrengungen zur Stärkung des Einflusses der Hisbollah in der Region leisten und die Hisbollah dabei unterstützen um in der Region internationale und rechtliche Anerkennung als legitime politische und militärische Macht zu bekommen.

Die wirtschaftliche Isolation ist ein großes Hindernis für Teheran. Die Trump-Regierung hat die Zusammenarbeit mit Israel intensiviert und sieht den Iran als eine der Hauptbedrohungen für die US/israelischen Interessen in der Region. Diese aktuelle politische Situation lässt die Chancen, dass die Sanktionen gegen den Iran in naher Zukunft ganz aufgehoben werden sehr gering aussehen. Unterdessen führen die Beziehungen zwischen dem Iran und der EU eine weitere Agenda fort und hier könnte Teheran einen wirtschaftlichen Durchbruch erwarten.

Was die militärischen Ziele des Irans im Jahr 2017 in der Region betrifft, diese sehen so aus:

  • Für eine entscheidende Niederlage von IS zu sorgen.
  • Für den Zusammenbruch der radikalen sunnitischen Oppositionsgruppen in den für das Regime in Damaskus entscheidend überlebenswichtigen Regionen, vor allem in der ländlichen Umgebung von Damaskus, in den Provinzen Homs und Daraa zu sorgen. Zumindest wird der Iran danach streben, diese Gruppen in die Provinz Idlib zu verlegen.
  • Den syrischen Streitkräften unter die Arme zu greifen und sie unterstützen mit besonderem Augenmerk auf die Stärkung der Schiiten und der pro-iranischen Militärformationen unter den syrischen Streitkräften.
  • Entwicklung der Infrastruktur von Hisbollah in Syrien.
  • Entwicklung der Einrichtungen des iranischen Revolutionsgardekorps in Syrien.

Somit können wir unschwer erkennen, dass Russland und der Iran gemeinsame militärische Ziele haben, und zumindest gibt es keine unverträglichen Unterschiede. Was die politische und diplomatische Agenda im Allgemeinen betrifft, so ist die Situation relativ gleich; Allerdings könnte es eine Abweichung geben. Diese Differenzen könnten durch unterschiedliche Sichtweisen bezüglich der Situation in der Region entstehen. Iran ist ein regionaler Akteur mit einer eigenen historischen Agenda, während Russland ein überregionaler Akteur mit einigen Verbindungen zur Region ist. Wirtschafts- und Energiefaktoren könnten auch eine Rolle spielen. Aus diesem Grund muss die Allianz in engem Kontakt zueinander stehen und sollten Herausforderungen entstehen schnell auf diese reagieren. Beide Seiten müssen ihre eigenen lebenswichtigen Interessen in gutem Glauben klären, Meinungen austauschen und einen pragmatischen, gemeinsamen Ansatz im Bereich der regionalen Sicherheit entwickeln.

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