Die Säuberung in Saudi-Arabien: Der Nahe Osten am Rande eines neuen Krieges

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Saudi-Arabien durchlebt eine große innenpolitische Krise, wie sie selten beobachtet wurde.

Eine Rakete wird auf die saudische Hauptstadt abgefeuert. Eine Rakete, die angeblich im Iran gebaut und in den Jemen geschmuggelt wurde, nur um diese auf Saudi-Arabien abzufeuern.

Nach ersten Berichten starben zwei saudische Prinzen innerhalb von 24 Stunden: einer durch einen “zufälligen” Hubschrauberabsturz, der andere während eines Feuergefechts, das ausbrach, nachdem Sicherheitskräfte versuchten ihn festzunehmen. Am 07. November teilte der Sprecher des Ministeriums für Information mit, dass “Prinz Abdulaziz am Leben und wohlbehalten” sei. Jedoch war der Prinz für die Medien nicht für einen unabhängigen Kommentar erreichbar.

Andere hochrangige Mitglieder des Establishments und der königlichen Familie – beides in Saudi-Arabien ein und dieselbe Person – werden unter dem Vorwurf der Korruption verhaftet und ihre Bankkonten eingefroren.

Der libanesische Premierminister Saad Hariri tritt unerwartet zurück, nachdem er von seinen saudischen Unterstützern nach Riad gerufen wurde.

Unterdessen beschuldigte Saudi-Arabien den Iran, eine “direkte militärische Aggression” zu verüben und beschuldigte den Libanon “Riad den Krieg erklärt zu haben”, indem er der Hisbollah “Aggressionen” gegen das Königreich erlaubte.

All dies geschah innerhalb von nur wenigen Tagen.

Angesichts der immer größer werdenden sicherheitspolitischen Herausforderungen und Problemen auf regionaler Ebene scheint die Krise in Saudi-Arabien nicht abzuklingen.

Ein weiterer Faktor für die anhaltende Krise ist eine große Spaltung in der saudischen Königsfamilie: der Machtkampf, der dazu führte, dass der ehemalige Kronprinz abgesetzt und durch einen neuen ersetzt wurde, ein Schritt, der das Land erschütterte. Als Nachwirkung davon kann die aktuelle und vom gegenwärtigen Kronprinzen Mohammad bin Salman durchgesetzte “Anti-Korruptions-Verfolgung” gesehen werden.

Außerhalb des Landes scheiterten mehrere wichtige außenpolitische Projekte: Die Effektivität der Intervention im Jemen kann daran gemessen werden, dass eine Rakete auf Riad abgefeuert wurde. Bashar al-Assad ist weiterhin in Syrien an der Macht. Die Versuche Katar zu unterwerfen scheiterten, da sich Katar mit Russland, der Türkei und dem Iran mehr und mehr anfreundete.

Der Iran gewinnt in der Region immer mehr an Einfluss, während die Saudis ihn zu verlieren scheinen. Daher versuchen sie, diese Verluste an anderer Stelle durch die Teilhabe an Stellvertreterkriegen auszugleichen.

Die Saudis versuchen auch ihre diplomatischen Muskeln zu stärken. König Salman besuchte sogar Moskau, wo die beiden Seiten gegenseitige Versprechungen trafen, ohne Garantien dafür, dass diese jemals erfüllt werden würden. Dies ging allerdings nach hinten los, da einige dies als Zeichen von Schwäche oder als Versuch betrachteten Frieden durch Zugeständnisse zu erzielen.

Fügt man dieser Reihe von Misserfolgen die wirtschaftlichen Kämpfe hinzu, so erkennt man, warum die Position des Königs und seines Kronprinzen von Minute zu Minute als minder stabil erscheint. Die Situation schien anscheinend so schlimm, dass, um alles liquide zu halten, die Verfolgung als der einzig mögliche Weg erschien, um den König und seinen Nachfolger an der Macht zu halten. Die “Anti-Korruptions-Kampagne” ist nur ein Vorwand: Die Korruption in Saudi-Arabien war immer hoch, wobei bisher niemand ein Auge darauf warf.

Das sind temporäre Maßnahmen.

Die Verfolgung kann nur schwerlich äußere und innere Angelegenheiten lösen und nicht zu einer Lösung der Probleme führen. Gerade jetzt braucht die Führung des Königreichs dringend einen Feind, um die Bevölkerung zu vereinen und ihre Aufmerksamkeit von den chaotischen Ereignissen abzulenken, die sich im Land entfalten.

Eine Kriegsrhetorik gegen den Iran, den Libanon und die Hisbollah ist ein deutliches Zeichen dafür. Während der Iran militärisch und diplomatisch eine potente Regionalmacht ist, ist die Hisbollah ein nicht staatlicher Akteur. Folglich kann Riad die Gruppe als Feind für seine riskanten außenpolitischen Unternehmungen wählen. Saudi-Arabien und Israel sind offensichtlich Verbündete in ihrem Willen die Hisbollah zu zerstören. Am 5. November startete Tel Aviv die bisher größte Luftübung in der Geschichte Israels. Ein durchgesickertes Staatstelegramm bestätigte, dass die Saudis und die Israelis ihre Bemühungen gegen den Iran und die Hisbollah koordinieren und die ohnehin angespannte Situation im Nahen Osten verschärfen.

Die Region könnte auf eine weitere umfangreiche militärische Auseinandersetzung zusteuern.

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