Erdoğan Und Die Eroberung Afrikas

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Von Piero Messina

Erdoğan beabsichtigt, mit seiner weichen Macht Afrika zu erobern. Für dieses Ziel essentiell ist der 3. Türkei-Afrika-Partnerschaftsgipfel, der am kommenden 17. und 18. Dezember in Istanbul zelebriert werden soll. Damit beginnt die letzte Etappe einer Strategie der Türkei zur Eroberung Afrikas, die vor mehr als 20 Jahren begann.

Das türkische Interesse für Afrika reicht bis ins Jahr 1998 zurück und begann mit dem strategischen Dokument „Politik der Öffnung für Afrika“. Erdoğan ist seit 2002 an der Macht und verfolgt diese Agenda seitdem zielgerichtet. Die türkische Präsenz in Afrika folgt dabei einem langfristigen Plan. Aber Kolonialismus dürfe man es nicht nennen. „Unsere Beziehungen zu afrikanischen Ländern basieren nicht auf Kolonialismus und wir wollen gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern des ganzen Kontinents erfolgreich sein“, lautet das Narrativ des türkischen Präsidenten, wenn er von Afrika spricht. Das zumindest ist der von ihm vorgegebene „Ankara-Konsens“.

In Kürze steht nun der internationale Gipfel bevor, ein Treffen, das langfristig, methodisch und geduldig vorbereitet wurde. Erdoğan ist derjenige nichtafrikanische Politiker, der die meisten Staatsoberhäupter auf diesem wunderbaren Kontinent getroffen hat. In den letzten 15 Jahren hat der Sultan von Istanbul 15 Reisen nach Afrika unternommen und dabei mehr als 30 der 54 afrikanischen Nationen besucht.

Seine Besuche wurden von öffentlichen und privaten Investitionen und Spenden begleitet und propagierten das Konzept der angeblichen Brüderlichkeit zwischen der Türkei und den afrikanischen Völkern, einer Brüderlichkeit jedoch, die eher in das Format der Muslim-Bruderschaft abgleitet.

Mitte Oktober flog Recep Tayyip Erdoğan ins Herz Afrikas (zu Besuchen in Nigeria, Angola und Togo), um die letzten Details für den Dezember-Gipfel festzulegen und die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Kontinent zu stärken.

Seit 2005 schon investiert Erdoğan Zeit und Ressourcen in Afrika und hat auch bereits konkrete Ergebnisse vorzuweisen: Das Volumen des türkisch-afrikanischen Handels ist von 5,4 Milliarden Dollar im Jahr 2003 auf 25,3 Milliarden Dollar im Jahr 2020 gestiegen. Turkish Airlines fliegt heute 39 afrikanische Staaten an. Die türkische Kooperationsagentur verfügt in Afrika schon über mehr als 30 Koordinierungszentren. Auch das diplomatische Netzwerk wächst. 2009 hatte die Türkei 12 Botschaften in Afrika, heute sind es 43. Auch türkische Firmen sind sehr aktiv und haben bereits eine Moschee in Ghana, eine Sporthalle in Ruanda und ein Schwimmzentrum im Senegal gebaut und arbeiten im Sudan an einem Flughafen. Dabei profitiert die Türkei ebenfalls: Beispielsweise ist Algerien zu einem der wichtigsten Flüssiggaslieferanten der Türkei geworden und bietet Ankara die Chance, seine Energieabhängigkeit von Russland und dem Iran zu reduzieren.

Besonderen Wert legt Erdoğan auf Solidaritätsinitiativen. Die türkische NGO Maarif (Bildung) hat mittlerweile mehr als 17.000 Studenten in 25 afrikanischen Ländern. Sie sollen die herrschende Klasse der Zukunft bilden, die natürlich pro-türkisch werden soll.

Aber das türkische Gesicht in Afrika ist nicht nur eines von Unterstützung und Solidarität. Die Beziehungen zum afrikanischen Kontinent eröffnen auch der türkischen Militärindustrie neue Wege und neue Geschäftsmöglichkeiten. Wenn er afrikanische Länder besucht, reist Erdoğan fast immer in Begleitung der Manager des Direktorats für die Verteidigungsindustrie (Savunma Sanayii Başkanlığı), einer Agentur, die die türkische Rüstungsindustrie vertritt. In Libyen hat man das Ergebnis dessen bereits gesehen. Aber auch andere afrikanische Regierungen wollen mit neuen Hightech-Waffen aufrüsten. Die aus Libyen bekannten türkischen Drohnen sind auch in Äthiopien, Marokko und Tunesien begehrt (auch wenn im Land des Jasmins die antitürkische Wende des tunesischen Präsidenten Qais Suʿayyid die Beziehungen abgekühlt zu haben scheint).

In Europa scheint Erdoğans Strategie zur Eroberung Afrikas bisher nicht bemerkt worden zu sein, und das, obwohl die Hand – und gelegentlich auch die Truppen – des Sultans in Libyen und Ostafrika deutlich wahrgenommen werden können. In Somalia beispielsweise haben die Türken ihren wichtigsten Militärstützpunkt außerhalb der Landesgrenzen, während sie für Äthiopien nach den Chinesen zum zweitgrößten Handelspartner geworden sind.

Auf geopolitischer Ebene stellt Afrika den südwestlichen Zielpunkt der türkischen geopolitischen Interessen dar. Mit dem Aufpflanzen der Flagge auf dem afrikanischen Kontinent überquert Erdoğan das Mittelmeer und schafft die Voraussetzungen für eine breite, gesicherte Einflusssphäre, ein Dorn im Auge für alle Akteure, die Interessen im Mittelmeerraum verfolgen. So garantiert die somalische Basis die türkischen Vermögenswerte entlang des Horns von Afrika, dem südlichen Tor zur Sahel-Zone, während die Präsenz in Libyen die Kontrolle über die umstrittene Straße von Sizilien garantiert (die inzwischen für die Kontrolle des Mittelmeers wichtiger als Gibraltar ist, auch wegen der Verlegung von Unterseekabeln, und die deshalb von wichtigen NATO-Infrastrukturen in Sizilien aus überwacht wird). Erdoğan hat auch die volle Kontrolle über den Bosporus, das östliche Tor zum Mittelmeer, das ebenso aber auch Russlands Schlüssel zu Afrika darstellt.

Erdoğans langfristiger Plan ist eine Mischung aus diplomatischen Initiativen (mit Vertretungen in 90 Prozent der Länder des Kontinents), militärischen Stützpunkten (wie dem TURKSOM-Lager und weiteren „inoffiziellen“ Basen) und kulturellen, humanitären sowie kommerziellen Aktivitäten.

Aber man nenne es doch bitte nicht Kolonialismus!

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