Gepanzerte Bestien: Die Aufrüstung von Kampfpanzern durch die Syrische Armee

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Seit Beginn des Syrien-Kriegs und bis zum September 2015, als Rußland offiziell dem Konflikt beigetreten ist, hatte die Syrische Armee und ihre Verbündeten in vielen Bereichen mit dem Erhalt ihrer militärischen Ausrüstung zu kämpfen. Das Fehlen von Ersatzteilen, die Zerstörung der Infrastruktur sowie die durch den von den Vereinigten Staaten (VS) verhängten, umfangreiche Wirtschaftssanktionen gehörten zu den Hauptgründen für diese Situation. Der Iran hat bedeutend dazu beigetragen den Druck unter dem Syrien stand zu lindern, jedoch mangelte es ihm an den notwendigen Ressourcen, um ein System einzuführen und aufzubauen, daß der Syrisch Arabischen Armee (SAA) erlaubt hätte ihre erschöpften Kapazitäten zu erneuern.

Diese Faktoren haben, gemeinsam mit der bedeutenden Rolle des Häuserkampfs in dem Konflikt haben die SAA gezwungen mit allen verfügbaren Mitteln einen Weg zum Erhalt eines akzeptablen Niveaus der Kampfkraft ihrer Panzerflotte auf zu finden. Dies hat zum Bau verschiedener Variatonen selbstgebauter Kampfpanzer geführt. Viele dieser Modelle waren von Einheit zu Einheit unterschiedlich. Nichtsdestotrotz haben sich einige von ihnen durch zentralisierte und beständige Weiterentwicklung durch das syrische Militär bewehrt.

Diese Variationen von Kampfpanzern lassen sich in drei Gruppen von Fähigkeiten unterteilen: passive Maßnahmen, aktive Schutzmaßnahmen und durch Elektronik erreichte Verbesserungen.

Die verschiedenartigen Panzerungen waren zumeist das Ergebnis aus Experimenten durch die Republikanische Garde und die 4. Panzerdivision.

Im August 2014 hat die 4. Panzerdivision damit begonnen in ihrer Produktionsstätte in Adra Panzer vom Typ T-72M1 sowie militärische Räumfahrzeuge und sogar Flugabwehr-Sebstfahrlaffetten vom Typ Shilka aufzurüsten. Die dort aufgerüsteten Panzer erhielten die Bezeichnung T-72 Adra, sind jedoch eher unter dem Namen T-72 Mahmia (abgeschirmt) bekannt.

Der ursprüngliche T-72 Mahmia hatte Käfige die aussahen wie eine mit dem Panzer verschraubte und verschweißte Abstandspanzerung mit Stützbalken. Unterhalb den mit dem Käfig versehenen Geschützturms wurden an Rumpf und Seitenschüzzen Ketten mit Stahlkugeln befestigt. In einigen Fällen wurde der vordere Teil der hinzugefügten Panzerung mit einem unbekanntem Material aufgefüllt.

Diese Panzerung dient dazu das Eindringen feindlicher Raketen und Sprengstoffe in Rumpf oder Geschützturm des Panzers zu verhindern. Die Idee ist, daß eine Panzerfaust, die auf die Käfige trifft, in einigem Abstand von der Panzerung explodiert und daher den Panzer selbst nicht beschädigt. Allerdings hält diese Art von Schutz dem Beschuß durch Panzerabwehrlenkwaffen nicht stand.

Ein weiteres Modell des T-72 Mahmia erschien im Jahr 2016. Hier wurden dickere Träger verwendet um den Panzerkäfig auf dem Fahrzeug zu halten, die Ketten- und Kugelpanzerung wurde entfernt, ein größerer, mit Abstandspanzerung versehener Stoßfänger angebracht und der Panzerkäfig erhöht und eine weitere, offenbar dickere Abstandspanzerung wurde der Seitenpanzerung beigefügt.

Modelle die vollständig von Käfigen umgeben waren, haben sich jedoch nicht bewährt.

Ein weiteres Modell war der T-72 Shafrah (Rasierer), der von der 105. Panzergrenadierdivision der Republikanischen Garde entwickelt worden ist. Er sollte auch Panzerabwehrlenkwaffen (ATMGs) standhalten. Der Geschützturm des Panzers wurde mit zahlreichen Trägern versehen, auf die rechtwinklige Platten geschweißt wurden. Einige Panzer haben ähnlich gestaltete Seitenschürzen

Der T-72 Shafrah ist mit einer Verbundpanzerung versehen, die der des irakischen T-55 Enigma ähneln. Diese Panzerung soll vor einigen Panzerabwehrlenkwaffen, besonders der älteren Generation, schützen.

Der erste T-72 Shafrah wurde nachweislich am 27. Februar in der Schlacht um die Ost-Ghouta eingesetzt, wobei der Geschützturm durch eine ATMG beschädigt und der Fahrer hierbei verwundet worden ist, jedoch wurde der Panzer selbst nicht zerstört. Fest steht, daß insgesamt sieben T-72 Shafrads produziert wurden, die sich alle im Kampf bewährt haben.

Es sind auch einige aktive Schutzsysteme entwickelt worden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist Sarab (Phantom), das vom Syrischen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (SSRC) entwickelt worden ist. Hierbei handelt es sich um ein alle ATMGs mit SACLOS (halbautomatischer Steuerung über Sichtverbindung) ablenkende Einrichtung. Sie verwendet, je nach Modell, entweder klassische Infrarotscheinwerfer oder LEDs, hat eine durchgehende Betriebsbereitschaft von 6 Stunden und kann einfach sowohl an allen Fahrzeugen als auch an stationären Kontrollpunkten und Verteidigungsstellungen angebracht werden.

Das Sarab-2 hat neuere Scheinwerfer benutzt und wurde mit neuen leistungsstärkeren Akkus bestückt, was seine Betriebszeit auf 10 Stunden erhöht, bevor diese erneut aufgeladen werden müssen. Dieses System hat auch langlebigeren externen Behälter für zusätzlichen Schutz erhalten. Es ist im Jahr 2016 bei der Schlacht um Aleppo in großem Umfang eingesetzt worden. In vielen Fällen Schützen mit BGM-71 TOWs, und ATGMS kaum Treffer an mit Sarab-2 bestückten Kampffahrzeugen oder Kampfpanzern erzielt.

Nach Betrachtung der Funktionsweise des Sarab-1 hat sich das SSRC bei der Entwicklung von Sarab-2 eher auf die Entwicklung eines vollumfänglichen Kompensations- oder passiven Abwehrsystems konzentriert, als auf die eines ausschließlichen Störsenders. Das Sarab-3 hat einen Umfang von 360°, anstatt nur 180° abgedeckt.

Neben diesen Panzern, sind auch solche vom Typ T55 mit nordkoreanischen Feuerkontrollsystemen aufgerüstet worden. Die Modernisierung hat einen Entfernungsmesser als Teil eines Sensorsystems beinhaltet, welches ein Barometer, ein Hygrometer und ein Thermometer umfaßt. Auch wurden dem neuartigen Ballistik-Computer, dessen Berechnungen auf den Daten basieren, die er von den Meßinstrumenten und dem Entfernungsmesser erhält, ein digitaler Bildschirm hinzugefügt, der die Umgebungsdaten und die Entfernung zum Ziel anzeigt.

Mehrere der mit den nordkoreanischen Systemen ausgerüsteten T-55 wurden auch mit einem schweren Maschinengewehr vom Typ KPV des Kalibers 14.5 mm und Nebelwerfern bestückt, und manche von ihnen besaßen auch Wärmebildkameras.

Einige der Haupt-Kampfpanzer sind mit Nachtzielgeräten vom Typ TPN-3-49 ausgerüstet worden, die sich jedoch beim Häuserkampf als unzuverlässig und für diesen Zweck als unbrauchbar erwiesen haben. Das Hauptanliegen bestand darin, die Infrarotlampen vor feindlichem Beschuß zu schützen, was sich jedoch als ebenso kaum durchführbar erwiesen hat, wie diese mehrfach wiederholt an den Panzern zu befestigen. Aus diesem Grund wurde das TPN-3-49 durch die Wärmebildkamera Viper-72 ersetzt, deren äußeres Design dem des NPT-3-49 ähnelt, jedoch besser geschützt ist und viele Komponenten des TPN-3-49 enthält.

Die Viper-72 hat für große Objekte eine Reichweite von 4 Kilometern. In der Realität beträgt die Zielreichweite jedoch maximal etwa 1,5-2,0 Kilometer. Der Richt- und Ladeschütze zielt mit einem elektronischen Sucher, an dem jedoch auch ein LCD-Bildschirm befestigt werden kann. Dies hat sich deutlich als erfolgreicher als die Nachtzieleinrichtung erwiesen, da das Geschützfeuer der gegnerischer Waffen besser durch die Wärmebildkameras besser sichtbar sichtbar sind.

Im Allgemeinen hat die Einführung dieser modifizierten Panzer der SAA erlaubt ihr Verluste an Ausrüstung und den Panzerbesatzungen partiell zu reduzieren. Anzumerken ist, daß viele dieser Neuerungen nicht das Ergebnis der Aufrüstung ihres eigenen Geräts durch die Panzerbesatzungen waren, sondern vielmehr einem Modernisierungsprogramm entstammen und auf den Ergebnissen von Praxistests beruhen (wobei deren Fehler durchaus häufig tödliche Konsequenzen hatten).

Beim derzeitigen Stand des Konflikts sind sie weitgehend  unbrauchbar und veraltet, vor allem wegen der russischen Militärunterstützung bei der Versorgung und dem Erhalt der Ausrüstung. Während über die meisten Bemühungen der Russen auf diesem Gebiet wenig berichtet wird, hat die technischen Unterstützung und Versorgung, die Rußland in Syrien seit dem Jar 2015 geleistet hat, eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit der SAA gespielt. Nichtsdestotrotz haben deren eigenen Modernisierungsbemühungen im Eigenbau ihre eigene Rolle im Verlauf dieses Konflikts gespielt.

Quelle: https://southfront.org/syrian-war-report-march-21-2019-isis-influence-is-still-strong-in-us-occupied-part-of-syria/

Übersetzung©: Andreas Ungerer

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