“Morgendämmerung in Idlib”: Die Offensive der syrischen Armee in Nordwest-Syrien

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“Dawn Of Idlib”: Syrian Army's Offensive In Northwestern Syria

 

Der August dieses Jahres war von wichtigen Veränderungen an der Front geprägt.

Der Monat begann mit einer Erklärung des Anführers von Hayat Tahrir al-Sham, Abu Mohammad al-Julani, daß seine Gruppe, die stärkste Gruppe in Idlib und ehemals offizieller Zweig der al-Qaida in dem Land, die vereinbarte demilitarisierte Zone ablehnt und die Region “aufgrund der Wünsche der Feinde oder Freunde” nicht einen einzigen Kämpfer oder eine einzige Waffe aus der Region abziehen werde. Al-Julani erklärte, daß es die Pflicht der Terrorgruppe sei das von ihm als “befreite Gebiete” bezeichnete Territorium zu verteidigen.

Der Rückzug radikaler Militanter und schwerer Ausrüstung aus der im Rahmen der Astana-Gespräche vereinbarten 20 km tiefen entmilitarisierten Zone war die Kernforderung des Abkommens vom September 2018, dessen Ziel die Deeskalation and der Kontaktlinie zwischen der Syrisch Arabischen Armee (SAA) und der so genannten Opposition im Nordwesten Syriens war. Nichtsdestotrotz wurde dieses Abkommen weder von Hayat Tahrir al-Sham selbst noch von anderen mit Al-Qaida verbundenen Gruppen sogar von den durch die Türkei unterstützten Formationen jemals eingehalten. Sie haben das Abkommen sowie die Einrichtung türkischer Militärposten unter Einhaltung des angeblichen Waffenstillstands als eine Art diplomatischen Schutz betrachtet, der es ihnen ermöglicht hat, ddie SAA anzugreifen, es der SAA jedoch verbot hierauf zu reagieren. Dies hat das Demilitarisierungsabkommen zu einer Quelle ständiger Spannungen und gegenseitiger Anschuldigungen verkommen lassen.

Außerdem nutzte Hayat Tahrir al-Sham den erreichten Waffenstillstand mit der SAA zur weiteren Festigung ihrer Kontrolle über den Großraum Idlib. Laut dem russischen Präsidenten, Wladimir Putin, hatten die Terroristen vor der Einrichtung der demilitarisierten Zone in Idlib 50% dieses  Territoriums kontrolliert, während sie danach und bis vor kurzem 90% des Gebietes von Idlib von den Terroristen kontrolliert worden sind.

Es gab drei Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen:

  • Die erste und von den Milizen und ihren ausländischen Unterstützern am meisten präferierte bestand darin, daß die SAA darauf verzichtete auf die Verletzungen der Waffenruhe zu reagieren und weiterhin stillschweigend Opfer in Kauf nahm;
  • Die zweite in der Umsetzung des Abkommens, wonach radikale Militante und schwere Waffen aus der entmilitarisierten Zone zurückgezogen werden und den Waffenstillstand einhielten, womit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Deeskalation der Situation im Nordwesten Syriens getan worden worden wäre;
  • Und die dritte in der Fortsetzung der Operationen der SAA gegen radikale Milizen, der Beendigung der Bedrohung und der zwangsweisen Durchsetzung der Demilitarisierung.

Diese Möglichkeiten haben die weitere Entwicklung in der Region vorherbestimmt. In dem Zeitraum von April bis Juli haben die SAA und ihre Verbündeten eine Reihe begrenzter Fortschritte im Nordwesten von Hama und dem Süden von Idlib gemacht und hierbei Kafr Nabudah sowie etliche nahegelegene Dörfer befreit. Während desselben Zeitraums hat die durch Rußland und den Iran unterstützte Regierung in Damaskus etliche Waffenruhen vorgeschlagen, die den Milizen und ihren Unterstützern zahlreiche Möglichkeiten geboten haben, die Bestimmungen und Konditionen der Vereinbarung zu erfüllen. Allerdings scheinen Hayat Tahrir al-Sham und andere militante Gruppen diese Angebote als Zeichen der Schwäche interpretiert zu haben, was ihr Fehler war.

Am 7. August haben die Regierungsstreitkräfte ihre Operationen wiederaufgenommen und die Dörfer Al-Zakah und Arbain im Norden von Homs befreit. Am 8. August hat die SAA al-Sakhr, al-Jaysat und Tell Sakhar befreit. Die Kontrolle der strategisch wichtigen Anhöhe Tell Sakhar ermöglichte es den Regierungskräften den Druck auf die Milizen in der Stadt Hobit zu erhöhen und Hamamiat zu sichern. Am 11. August hatte die SAA sowohl Hobit als auch Sukayk, Tall Sukayk und Mughar Al-Hamam. befreit

Trotz zahlreicher Verstärkung von türkischer Seite unterstützter unterstützter und bei der Koalition als Nationale Befreiungsfront bekannter Gruppen, begann die Verteidigung der Milizen zusammenzubrechen. Am 19. August hatten die SAA, die Tiger-Kräfte und die Nationalen Verteidigungskräfte die Khan Sheikhoun, die Hochburg der Milizen, von Nordwesten kommend auf dem Flügel umgangen und Tal Nar sowie nahegelegene Dörfer befreit. Hierbei hatten die Milizen sogar  MANPADs eingesetzt, um die Offensive der SAA abzuwehren. Am 15. August hatten diese einen syrischen Kampfjet vom Typ Su-22 abgeschossen, was jedoch nicht ausreichend war.

Während der Zeit zwischen dem 15. und dem 18. August hat die SAA in den Gebieten von Sukayk und Tal Nar etliche Gegenoffensiven, einschließlich Selbstmordattentätern, abgewehrt und die Tore von Khan Sheikhoun erreicht.

Am 19. August hat die Türkei mindestens fünf Versuche unternommen, um Milizen aus Nord-Hama zu evakuieren. Ankara hatte einen großen Militärkonvoi mit mindestens 28 Stück militärischen Geräts, einschließlich 7 Kampfpanzern, in Richtung Khan Sheikhoun entsandt. Mitglieder der von der Türkei unterstützten bewaffneten Gruppen haben den Konvoi begleitet. Jedoch ist der Konvoi am Erreichen seines Ziels gehindert worden.

Die SAA hat, während die syrische Luftwaffe etliche Angriffe entlang der Strecke des türkischen Konvois flog, wobei mindestens ein Feldkommandeur der Milizen getötet und ein mit einem Maschinengewehr bewaffnetes Fahrzeug zerstört worden ist, die nach Kahan Sheikhoun führende Schnellstraße gesperrt.

Am 21. August haben Regierungskräfte Khan Sheikhoun befreit und die Stellungen der Milizen in Nord-Hama vollständig eingekesselt. Am 23. August haben die SAA und ihre Verbündeten den neu geschaffenen Kessel, einschließlich al-Lataninah, Murak und Kafr Zita vollständig befreit. Zu dieser Zeit waren die meisten der Milizen bereits aus der Region in Richtung ihrer Stellungen nördlich von Khan Sheikhoun geflohen. Die Syrische Armee hatte den Norden von Hama vollständig befreit.

Beide Seiten geben weit übertriebene Opferzahlen ihrer Gegner an. Beispielsweise behaupten den Milizen nahestehende Quellen, daß über 1.200 Regierungssoldaten in der Region getötet worden seien. Diese Zahl entbehrt aller sichtbaren Beweise. Im Gegenzug habt SAA-freundliche Quellen behauptet, da´über 1.000 Milizen eliminiert worden seien, was ebenfalls unrealistisch ist. Allerdings zeigen Fotos und Videos aus der Region, daß etwa 2 Dutzend Stück an militärischem Gerät der Milizen zerstört worden ist.

Khan Sheikhoun erlangte weltweite Bekanntheit, als die VS-Führung einen inszenierten Chemiewaffenangriff in der von den Milizen gehaltenen Stadt für massive Raketenangriffe auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Shayrat benutzt hat.

Seitdem wurde die Stadt zu einem sichtbaren Symbol für den Erfolg der vom Westen unterstützten Propagandaorganisationen, allen voran die in Syrien operierenden Weißhelme, die den Regime Change in Syrien propagieren. Daher ist ihre Befreiung zu einem wichtigen Symbol für den Sieg des syrisch-iranisch-russischen Bündnisses geworden.

Aus militärischer Sicht, hat die SAA einen wichtigen Abschnitt des Schnellstraße M5 gesichert und eine Pufferzone an der Verwaltungsgrenze zwischen Hama und Idlib erweitert.

Zuvor hatten Milizen ihre Positionen in Nord-Hama aktiv dazu benutzt, um von der Regierung kontrolliertes Territorium unter Beschuß zu nehmen. Die Ortschaften Mhrdah, Suqylibiyah, Qamhanah und Salhab gehörten zu den am regelmäßigsten von den Milizen beschossenen Zielen, was allein in wenigen der vergangenen Monaten zu Dutzenden zivilen Opfern geführt hat.

Abgesehen hiervon hat Hayat Tahrir al-Sham einen großen Teil seiner militärischen Infrastruktur in Bereich von Süd-Idlib verloren. Die direkt an der Schnellstraße M5 gelegene Stadt Khan Sheikhoun war ein wichtiger logistischer Knotenpunkt, der radikalen bewaffneten Gruppen der ihnen die Möglichkeit bot, ihre Kämpfer an der Front mit Nachschub zu versorgen, während Lataminah, Murak, and Kafr Zita wichtige Schlüsselstellungen gewesen sind. Weitläufig untertunnelt und angefüllt mit Waffendepots, waren diese Ortschaften die wichtigsten Befestigungen der Milizen in dieser Region. Die Kommandozentrale von Jaysh al-Izza, dem Hauptverbündeten von Hayat Tahrir al-Sham in Nord-Hama, befand sich ebenfalls dort. Durch den Verlust all der von ihr gehaltenen Regionen, ist diese Gruppe nun zu einer Art Nomadenstamm innerhalb der von bewaffneten Gruppen besetzten Zone in Idlib geworden.

Die geschätzte Größe der in den von der SAA jüngst befreiten Gebiete Bevölkerung lag vor dem Krieg bei etwa 140.000 Menschen. Selbst wenn man die Vertreibungen während des Krieges einbezieht, haben die Radikalen in Idlib einen bedeutenden Teil ihres potentiell erzwungenen Mobilisierungspotentials sowie der Ziele für durch bewaffnete Gruppen eingesetzte, bezahlte Spitzel verloren.

Im Gegenzug haben die SAA und ihre Verbündeten bewiesen, daß sie in der Lage sind den in Idlib verschanzten Milizen einen militärischen Schlag zu versetzen, und daß der Hauptgrund für ihre Geduld in den Vergangenen Monaten in den zahlreichen Versuchen für eine Beilegung des Konflikts und die Deeskalation mit diplomatischen Mitteln lag. Der diesem Szenario entgegenstehende Hauptfaktor bleibt derselbe: Die Unfähigkeit der durch die Türkei unterstützten, so genannten moderaten Opposition, sich von den Terroristen zu trennen. Diese Gruppen sind zu tief dort integriert. Wenn sich in dieser Hinsicht keine Änderung ergibt, wird eine weitere Runde der Feindseligkeiten so gut wie unvermeidbar sein.

Quelle: https://southfront.org/dawn-of-idlib-government-forces-offensive-in-northwestern-syria/

Übersetzung©: Andreas Ungerer

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