Rußlands Militäreinsatz in Syrien von 2015 bis 2018

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Dies ist eine detaillierte Zusammenfassung der militärischen und politischen Entwicklungen in Syrien seit dem Beginn der russischen Militäroperation bis heute. (2015–2018)

 

 

EINFÜHRUNG

Rußlands Militäreinsatz in Syrien nähert sich dem Ende des dritten Jahres. Seit 2015 hat Moskau hat Moskau seine Luftwaffe, Militärberater und diplomatischen Quellen eingesetzt um zahlreiche Terrorgruppen auszuschalten, die legitime Regierung Syriens zu unterstützen sowie den friedlichen Dialog in dem Land zu fördern und hiermit ein Netzwerk für diplomatische Verhandlungen auf internationaler Ebene zur Lösung des Konflikts geschaffen.

Rußlands Fähigkeiten zur Bereitstellung von sowohl militärischen Mitteln an die syrischen Regierungsstreitkräfte als auch von humanitärer Hilfe für die örtliche Bevölkerung, haben eine wichtige Rolle bei der Etablierung russischer Kräfte als einflußreiche und angesehene Macht innerhalb Syriens gespielt, welche die Rolle eines Mediators unter verschiedenen Fraktionen am Boden des vom Krieg geplagten Landes spielen kann. Dagegen sind alle anderen in den Konflikt involvierten, ausländischen Mächte gezwungen sich auf eine begrenzte Anzahl von Stellvertreterkräften zu verlassen, die in der Vergangenheit oft sowohl eine brutale Haltung als auch Rivalität gegenüber ihren Gegenspielern und Konkurrenten bewiesen haben.

Andererseits setzt diese Situation Moskau auf verschiedenen Ebenen jedoch auch Grenzen, weil sie ihre öffentlichen und formalen Positionen abwägen muß, um die angestrebte politische Lösung auf den Weg zubringen ohne gleichzeitig die Durchsetzung Rußlands eigener nationaler Sicherheitsinteressen und politischer Ziele zu vernachlässigen.

 

DER AUSGANGSPUNKT

Um ein Bild vom russischen Vorgehen in Syrien sowie im Nahen Osten im Allgemeinen zu erhalten, sollte man sich an die Situation am Vorabend der direkten russischen Intervention in den Konflikt erinnern. In diesem Moment war sowohl der syrische Zweig der Al-Qaida – Jahbath al-Nusra (derzeit als Hayat Tahrir al-Sham bekannt) – sowie andere radikale bewaffnete Gruppen, die von den Mainstream Medien oft als moderate Opposition bezeichnet werden, als auch der ISIS an verschiedenen Fronten in eine zunehmend erfolgreiche Offensive gegen die syrische Regierung involviert. Jabhat al-Nusra und ihre Verbündeten standen vor den Toren von Damaskus und hatten die Kontrolle über weite Teile Nord- Wes- und Süd-Syriens sowie über eine Vielzahl von Gebieten innerhalb der von der syrischen Regierung gehaltenen Regionen erlangt, einschließlich der Hälfte der Stadt Aleppeo, die oft als zweite Hauptstadt Syriens beschrieben wird. Zu dieser Zeit hat sich das selbsternannte Kalifat des ISIS rapide über die östlichen und nördlichen Landesteile ausgebreitet. Die Terrorgruppe hatte die Kontrolle über einen Großteil der syrischen Erdölvorkommen sowie über die strategisch wichtigen Städte, Deir ez-Zor und Raqqah erlangt und kontrollierte einen beachtlichen Teil der Grenze zur Türkei.

Die Vereinigten Staaten (VS), Israel, die Türkei, Saudi-Arabien, Katar und andere Länder der so genannten Zivilisierten Welt haben, in der Absicht die Regierung von Assad zu stürzen, Jabhat al-Nusra und ihre Verbündeten entweder direkt oder indirekt mit Nachschub und Unterstützung versorgt. Die VS-amerikanisch geführte Koalition gegen den ISIS hat nur geringe Erfolge bei der Bekämpfung der Terrorgruppe und deren Infrastruktur erzielt. Das so genannte Kalifat hatte sein Territorium und seine Macht seit der formellen Gründung der Koalition am 13. Juni 2014 deutlich ausgedehnt. Das Erdölgeschäft des ISIS, mit illegal aus der Region exportiertem Öl, war im Aufstieg begriffen, und hatte bereits die Grenzen des internationalen Marktes erreicht.

Die Mainstream Medien und Think Tanks haben öffentliche Vorhersagen darüber gemacht, daß die Regierung in Damaskus bis zum Ende des Jahres 2015 fallen würde oder, bestenfalls noch in der Lage sein würde ihre Kontrolle über die Küstenregionen zu erhalten. Dieselben Desinformanten des westlichen Establishments hatten davor gewarnt, daß ein solcher Küsten-Kleinstaat sich schon bald nach der Zerschlagung Syriens in einen iranischen Pseudostaat verwandeln würde. Der Iran hat ein ansehnliches Maß an Ressourcen und Truppen in den Konflikt investiert und selbst die Hisbollah davon überzeugt ihm an der Seite Damaskus´ beizutreten. Nichtsdestotrotz haben dies Bestrebungen nicht ausgereicht, um das Machtgleichgewicht zu Gunsten der Regierung Assads zu verschieben.

All diese Vorhersagen schienen zum Scheitern am 30.September 2015 verurteilt, als Kampfflugzeuge und Militärhubschrauber der russischen Luftwaffe begannen die Milizen überall im Land zu bombardieren und die Richtung des Konflikts damit unwiderruflich verändert haben. Russische Sondereinheiten trafen ein, um Luftangriffe zu koordinieren, Aufklärungsflüge durchzuführen und, hinter der Bühne, unzählige verdeckter Operationen tief hinter den feindlichen Linien auszuführen. Hinter der Bühne begannen russische Militärberater mit der Planung und Ausführung von Angriffsoperationen sowie mit einem langen und komplizierten Prozeß, um die syrische Armee und regierungsnahe Milizen in die Lage zu versetzten die Terroristen zu besiegen und das Land zu befreien.

Außerdem hat Rußland damals damit begonnen seinen Luftwaffenstützpunkt Khmeimim und den Marinehafen in Tartus zu erweitern und zu befestigen. Später haben auch die russische Militärpolizei, Pioniereinheiten und die Marine eine zunehmende Rolle gespielt. Während des Konflikts haben mit Rußland verknüpfte private Söldnerunternehmen das Spielfeld betreten, um die Sicherheit von Anlagen der Energieinfrastruktur in den befreiten Regionen zu gewährleisten und als Angriffstruppen in verschiedenen entscheidenden Schlachten zu dienen.

Die Regionalmacht mit ihrer “heruntergekommenen Wirtschaft” [sic Obama] schien als Schutzmacht fähig zu sein 1.482 nautische Meilen entfernt von ihrer auf der Krim in Sewastopol stationierten Schwarzmeerflotte Unterstützung sowie  hochprofessionelle militärische Beratung zu stellen und umfangreiche Terrorbekämpfungsmissionen in einer globalen Schlüsselregion aus ihrem Marinestützpunkt im syrischen Tartus heraus zu organisieren.

Einer der Hauptgründe hinter der russischen Entscheidung für den Beginn ihrer Operation in Syrien war die sehr verständliche Besorgnis über die wachsende Sicherheitsbedrohung durch Terrorgruppen nahe Rußlands südlichen Grenzen und die Möglichkeit, daß verschiedene Mächte die Terrorgruppen in der ausgedehnten gegenwärtigen geopolitischen Pattsituation benutzen könnten. Rußland hatte bereits seit 1994 in den Kaukasusregionen Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien mit dieser Tatsache zu kämpfen. Obwohl die Situation seit dem Jahr 2009 weitgehend unter Kontrolle ist, dauert der Kampf russischer Sicherheitskräfte in diesen Regionen an.

Das syrisch-irakische Kriegsgebiet ist ungefähr 450 km von der Grenze der ehemaligen UDSSR entfernt. Rußland ist seit Jahrzehnten ein Ziel für den Terrorismus radikal islamischer Gruppen. Angesichts des raschen Wachstums des ISIS im Jahr 2014 würden einige Akteure im Westen die Expansion dieser Organisation oder anderer quasi-staatlicher terroristischen Strukturen im russischen Staatsgebiet des Süd-Kaukasus oder der Grenze zu Zentralasien begrüßen. Daher hatte Moskau, gemeinsam mit den Regierungen des Irans , Syriens sowie dem Irak und sogar mit einigen Führern der Hisbollah, die alle über das Wachstum gut organisierter und ideologisch motivierter sunnitischer Terroristen in der Region besorgt gewesen sind, eine gemeinsame Grundlage. Diese Faktoren haben zu der Gründung der Allianz aus Rußland, Syrien, dem Iran und der Hisbollah sowie zur Errichtung eines Hauptquartiers in Bagdad zum gegenseitigen Austausch von Geheimdienstinformationen und der gemeinsamen Koordinierung von Terrorabwehrmaßnahmen zwischen diesen Nationen. Das Bündnis und das Bagdader Hauptquartier wurden faktisch unmittelbar nach dem Beginn der russischen Militäroperation in Syrien gegründet.

 

ZIELE, TRUPPENVERBÄNDE UND EINRICHTUNGEN

Die russische Operation umfaßte die folgenden Ziele:

Militärisch:

  • Die Bekämpfung des ISIS und anderer radikaler Milizen, wie Jabhat al-Nusra.
  • Die Vernichtung erfahrener Mitgliedern dieser Terrorgruppen, welche aus dem Süd-Kaukasus und zentralasiatischen Republiken nach Syrien gekommen waren. Es wurde beschlossen, daß diese Elemente, falls sie nach Hause zurückkehrten, eine Bedrohung für die nationale Sicherheit Rußlands darstellen würden.
  • Die Verhinderung eines Libyen ähnlichen Szenarios in Syrien. Somit war es unerläßlich die von den Terroristen errichtete Infrastruktur zu zerstören, die es den Terrorgruppen ermöglicht hätte das Land als Nachschubplattform für weltweite Terroranschläge zu nutzen.
  • Die Stärkung der Regierung Assads und ihrer militärischen Streitkräfte. Dies hätte nicht allein mit der Wiederversorgung mit Waffen und Munition erreicht werden können, sondern bedurfte einer grundlegenden Ausbildung in Taktiken der modernen Kriegsführung, angefangen bei auf der Ebene kleiner Kampfeinheiten bis zum Aufbau fortgeschrittener Operationen mit der Stationierung einer Vielzahl unterschiedlicher Waffengattungen für deren gemeinsame Kampfeinsätze.

Politisch:

  • Die Verteidigung und Förderung russischer Positionen im Nahen Osten sowie im östlichen Mittelmeerraum.
  • Die Unterstützung des Machterhalts der syrischen Zentralregierung und deren Bestreben die Souveränität sowie Recht und Ordnung des Landes wiederherzustellen.
  • Die Schaffung von Bedingungen am Boden, unter denen die weniger radikale Elemente der Opposition keine andere Wahl haben würden, als durch Eintritt in den politischen Prozeß an diesem teilzunehmen.

 

Wirtschaftlich:

  • Die Verteidigung und Förderung von Interessen russischer Unternehmen in der Region.
  • Die Verteidigung und Förderung der wirtschaftlichen Interessen des russischen Staates, einschließlich einer direkten und indirekten Kontrolle des Transports von Energieressourcen in der Region.

Offensichtlich mußte Moskau seine eigene militärische Infrastruktur auf seinen Stützpunkten sowohl in Tartus als auch inKhmeimim erweitern und die Sicherheit der eingesetzten Truppen gewährleisten. Außerdem haben russische Kampfhubschrauber die Luftstützpunkten in Shayrat, Homs, Tiyas und Damaskus als vorgelagerte Flugplätze genutzt. Als positive Folge der direkten Beteiligung an dem Konflikt, hatte die Russische Föderation die Gelegenheit ihre moderneren Waffensysteme unter echten Kampfbedingungen zu testen und ihre Soldaten Kampferfahrung sammeln zu lassen. Trotz alledem hat Rußland während der gesamten Operation nur ein relativ kleines Truppenkontingent zum Erreichen der vorgenannten Ziele eingesetzt. Diese kampferprobte und auf modernen Schlachtfeldern ausgebildete Truppe sollte zu einem Kernkader voll unschätzbarer Erfahrung und Führungseigenschaften werden.

 

DIE LUFTSTREITKRÄFTE

Zu Beginn der Operation hat die russische Luftwaffe mindestens 50 Flugzeuge, einschließlich taktischer Bomber vom Typ Su-24M,  Erdkampfflugzeuge vom Typ Su-25M, Jagdbomber des Typs Su-34 und Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 sowie Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 eingesetzt. Diese Luftflotte ist, abhängig von der Situation am Boden und den von der russischen Führung verfolgten Aufgaben und Zielen, mehrmals umstrukturiert worden. An verschiedenen Etappen des Konflikts hat sie auch Mehrzweck-Luftüberlegenheitsjäger vom Typ Su-35S, Mehrzweckkampfflugzeuge vom Typ Su-27M, Luftüberlegenheitsjäger vom Typ MiG-29SMT und Kampfhubschrauber der Typen Ka-52 sowie Mi-28N eingesetzt. Die strategischen Bomber der Typen Tu-160, Tu-95MS und Tu22M3 wurden von Flugplätzen in Süd-Rußland aus eingesetzt.

Im Februar 2018 haben zwei Tarnkappenjäger der 5. Generation vom Typ Su-57 Kampftauglichkeitstests in Syrien absolviert. Laut russischem Verteidigungsministerium hat zumindest eine der Su-57 einen moderne luftgestützten Marschflugkörper auf Stellungen der bewaffneter Gruppen abgeschossen. Diese Entscheidung wurde kurz zuvor zur Bestätigung der ersten Serienproduktion von zwölf dieser hochmodernen Kampfflugzeuge getroffen.

Eine von Grund auf modernisiertes, mit einen EW-System vom Typ Vitsbek-25 sowie Bordelektronik und Waffenkontrollsystemen mit einem digitalen Störsender des Typs L-370-3S ausgerüstete  Su-25SM3 ist ebenfalls auf dem Luftwaffenstützpunkt Khmeimim gesichtet worden.

Das System L-370-3S kann sowohl die Wellen des  gegnerischen Radars nutzen um deren Scheitelkreis zu lokalisieren und ihren Frequenztyp zu bestimmen als auch das Signal auf verschiedenen Frequenzebenen unterdrücken. Es besitzt Schutzvorrichtungen gegen eine Vielzahl von Raketen.

Das Frühwarn-, Luftaufklärungs- und Luftüberwachungsflugzeug, A-50 stellte, ebenso wie der Radar-Aufklärer Il-20M1 und das Spionageflugzeug zur elektronischen Luftraumüberwachung, Tu-214R, eine weitere Komponente des russischen “Aufklärungs-Komplexes” dar, der sowohl den syrischen Luftraum kontrolliert als auch Truppen- und Nachschubbewegungen am Boden aufgespürt und militärische Kommandozentralen, Waffendepots und andere wichtigen Infrastruktur durch Bewegungen am Boden sowie durch die Erfassung und Zuordnung ihrer elektronischen Signaturen lokalisiert hat. Rußland hat während der letzten beiden Jahrzehnte eine Reihe moderner Flugzeuge für die elektronische Kriegsführung, die Überwachung sowie für die Einsatzleitung und Kontrolle entwickelt.

Auf  taktischer Ebene haben russische Soldaten quer durchs Land eine große Anzahl [etwa 100] verschiedener unbemannter Luftfahrzeuge (UAFs / Drohnen) zur Gefechtsfeld- sowie zur Überwachung des Waffenstillstands eingesetzt: die Orlan 10, die Forpost, die Orion, Eleron-3 und die Pchela-1T.

Vom Beginn der Operation an haben Einheiten der Marineinfanterie, der Panzergrenadiere, der Sondereinheiten sowie der Militärpolizei für die streng gebietsbezogene Sicherheit der Infrastruktur in Khmeimim und Tartus gesorgt. Besonders Soldaten der 810 Marineinfanteriedivision wurden mit dieser Aufgabe betraut. Auch wurden Kampfpanzer vom Typ T-90 eingesetzt, um die Sicherheitslage dieser Streitkräfte mit sehr konkreten Mitteln zu unterstützen.

 

DIE LUFTABWEHR

Nachdem Abschuß einer russischen Su-24 am 24. November 2015 durch ein türkisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 hat das  russische Militär die Luftabwehrfähigkeiten seiner in Syrien eingesetzten Verbände deutlich erhöht. Dieser Vorfall hat Rußland dazu gezwungen dort moderne Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 zum Schutz seiner Militäreinrichtungen und Streitkräfte zu stationieren.

  • Das Luftabwehrsystem gegen ballistische Raketen, S-300W4.
  • Das Boden-Luft-Raketenabwehrsytem, Tor M2.
  • Das mobile Mittelstrecken-Boden-Luft-Raketenabwehrsystem, Buk M2E.
  • Das hoch mobile Raketenabwehrsystem mittlerer Reichweite, Osa.
  • Das mobile kombinierte Kurz- und Mittelstrecken-Boden-Luft-Raketen und -Artillerie-Luftabwehrsystem, Panzir-S1.

Die Krasukha-4 und andere elektronische Waffensysteme sind ebenfalls wichtige Komponenten der russischen Luftabwehr. Laut verschiedenen Experten sind diese Systeme während zweier von den VS angeführten Streitkräften durchgeführten Raketenangriffen in den Jahren 2017 und 2018 stationiert worden und sind wahrscheinlich ein entscheidender Faktor für den zweifelhaften Erfolg dieser Angriffe der VS gewesen.

Außer den von Rußland bereitgestellten Luftabwehrsystemen, sind auch russische Marineeinheiten im östlichen Mittelmeer stationiert worden, deren Fähigkeiten auf deren Zusammenstellung beruhen. Als Beispiel hierfür können die beiden Lenkwaffenkreuzer der Slawa-Klasse, Moskwa und Warjag dienen, die dort als Teil einer solchen Aufgabengruppe der Marine stationiert worden und mit dem Boden-Luft-Langstreckenraketensystem, S-300F Fort, gerüstet sind.

 

DIE SEESTREITKRÄFTE

Die dort stationierten Marineeinheiten haben auch die Schiffsabwehrfähigkeiten der russischen Streitkräfte in Syrien erhöht, da sie ihnen Schutz vor feindlichen Kriegsschiffen bieten. Im November 2016 hat das russische Militär offiziell erklärt, Raketensysteme vom Typ K-300P zum Küstenschutz nach Syrien zu entsenden. Dieses Schiffsabwehrraketensystem ist für den Einsatz gegen Schiffe, einschließlich Flugzeugträgerverbänden, Konvois und Kampflandungsschiffen,  entworfen worden.

Die an dem Konflikt beteiligten russischen Seestreitkräfte hatten von November 2016 bis Januar 2017 ihre stärkst Schlagkraft, als der nuklear angetriebene Schlachtkreuzer der Kirow-Klasse, Pjotr Weliki, der schwere Flugdeckkreuzer, Admiral Kuzenow, und zwei Zerstörer zur U-Boot-Abwehr der Udaloy-Klasse gemeinsam mit einer Reihe kleinerer Versorgungsschiffe eingesetzt worden sind. Diese Gruppe hat die Fähigkeiten der russischen Streitkräfte zur Luft-, Schiffs- und U-Boot-Abwehr bedeutend erhöht. Die auf der Admiral Kuzenow stationierten Kampfflugzeuge vom Typ Mig-29KR/KUBR und Su-33 haben auch an Luftangriffen gegen bewaffnete Gruppen in dem Land teilgenommen, wobei sie, laut dem russischen Verteidigungsministerium, 420 Kampfeinsätze geflogen und 1.252 Ziele getroffen haben. Andererseits hat das Marinefliegergeschwader der Admiral Kuzenow aufgrund technischer Mängel nach Instandsetzungsarbeiten auf dem Schiff eine Mig-29K sowie eine Su-33 bei deren Einsatz in Syrien verloren. Das verdeutlicht die Probleme und Grenzen der russischen Marinefliegerei auf ihrem derzeitigen Entwicklungsstand. Wichtig zu erwähnen ist, daß das wertvollste Gut, die Piloten, bei diesen Unfällen durch achtsame Rettungsmannschaften der Marineeinheiten gerettet worden sind.

Sowohl Kriegsschiffe der Schwarzmeerflott als auch der Kaspischen Flotte haben sich an dem Feldzug beteiligt und Ziele des ISIS sowie von Jabhad al-Nusra, hauptsächlich Waffenlager, Kommandozentralen und andere wichtige, befestigte Ziele mit Marschflugkörpern des Typs Kalibr beschossen. Obwohl die westlichen Mainstream Medien versucht haben die Bedeutung dieser sowohl von Schiffen als auch von U-Booten, unter Wasser abgeschossenen Marschflugkörpern herunterzuspielen, haben diese Angriffe den Erfolg der russischen Rüstungsindustrie bei der Produktion von High-Tech-Waffen sowie den Sachverstand des russischen Militärs bei deren Einsatz unter Beweis gestellt.

 

DIE BODENTRUPPEN

Laut der offiziellen Version der russischen Führung, hat sich ihre Arbeit am Boden auf folgende Aufgaben beschränkt:

  • Die Koordination von Luftangriffen sowie die Aufklärung und andere nicht näher beschriebene Missionen hinter den feindlichen Linien durch Sondereinheiten.
  • Die Ausbildung von Truppen der syrischen Streitkräfte durch eine weitere Gruppe von Soldaten sowie die Erfüllung ihrer Rolle als auf dem Schlachtfeld in syrische Einheiten eingebettete Militärberater.
  • Der Teilnahme von Soldaten des Russischen Zentrums für die Aussöhnung der gegnerischen Parteien in Syrien bei Leitung des Aussöhnungsprozesses sowie die Teilnahme an Verhandlungen mit Gemeinden und den Anführern militanter Gruppen vor Ort und der Durchführung von humanitären Hilfsoperationen.
  • Das Herstellen von Sicherheit und Unterstützung bei der Wiederherstellung von Recht und Ordnung in den befreiten Gebieten durch Einheiten der Militärpolizei, wobei einige der Militärpolizisten auch mit dem Schutz russischer Militäreinrichtungen und der humanitären Hilfe für die örtliche Bevölkerung beauftragt sind.
  • Die Teilnahme von Kampfpionieren bei der Minenräumung in Schlüsselgebieten der befreiten Regionen im ganzen Land.

Neben diesen Aufgaben gab es mindestens zwei weitere Komponenten des russischen Militäreinsatzes in Syrien. Die erste war die Bereitstellung von konventioneller Artillerie und Raketenwerfern. Mehrfach sind offensichtlich aus Rußland stammende und mit 152mm-Haubitzen vom Typ 2A65 Mstab-B sowie Raketenwerfer vom Typ TOS-1A Solntsepjok (Sonnenhitze) bewaffnete Einheiten gesichtet worden, die an Frontstellungen von Schlüsselsektoren am Erfolg von Angriffs- sowie Verteidigungsoperationen beteiligt waren. So filmte bspw. CNN im Februar 2016 eine Militäreinheit mit einer einer Haubitze vom Typ Mstab-B bewaffnete Militäreinheit in der Nähe von Palmyra. Die Einheit wurde von einer einer bewaffneten Gruppe begleitet, unter der sich einige Kampfpanzer vom Typ T-90 sowie Schützenpanzerwagen vom Typ BTR-82A befunden haben, und deren Besatzungen aus Russen zu bestehen schien.

Die zweite Komponente und ein offenes Geheimnis besteht in der Teilnahme russischer und mit Rußland verbündeter privater Söldnerunternehmen (PMCs) an dem Konflikt. Laut verfügbaren Daten, dienten diese PMCs in einer Reihe entscheidender Schlachten gegen den ISIS, wie in Deir ez-Zor und in Palmyra, als Sturmtruppen, unterstützen die Artillerie und sind am Schutz der Infrastruktur der befreiten Gas- und Ölförderanlagen in Zentral-Syrien beteiligt. Es existieren keine offiziellen Daten über die Anzahl der derzeit in Syrien stationierten, mit Rußland verknüpften PMCs. Laur einigen Experten beträgt ihre Gesamtzahl etwa 2.000 Mann.

 

DER SYRIEN-EXPRESS

In Verbindung mit der direkten militärischen Intervention hat Rußland auch seine Militärhilfe für die Regierung in Damaskus und ihre verbündeten Streitkräfte drastisch erhöht. Um dieses Ziel zu erreichen hat Rußland ein seegestütztes Logistiknetzwerk aufgebaut, daß als der “Syrien-Expreß” bekannt geworden ist. Die Syrisch Arabische Armee (SAA) und ausgewählte regierungsfreundliche Gruppen sind mit militärischer Ausrüstung, einschließlich bewaffneten Fahrzeugen und Kampfpanzern, Artilleriegeschützen, Mehrfachraketenwerfern, Panzerabwehrlenkraketen und weiteren benötigten Waffen und Munition ausgerüstet worden. Es ist allgemein bekannt, daß Moskau sogar eine begrenzte Anzahl an Kampfpanzern vom Typ T-90, Raketenwerfersysteme vom Typ TOS-1 Solntsepjok und Mehrfachraketenwerfersysteme des Typs Uragan geliefert hat. Auch hat das syrische Militär Luftabwehrsysteme vom Typ Pantsir-S1 und Material zum Erhalt ihrer Luftwaffen- und Luftabwehrsysteme erhalten hat.

In die Lieferung von Militärgerät an Syriern auf dem Seeweg (Tartus-Sevastopol- Novorossiysk) sind mindestens 17 verschiedene Schiffe involviert. Interessanterweise hat sich das russische Militär während kritischer Phasen des Konflikts ziviler Handelsschiffe bedient. Analysten haben betont, daß dies einen Hinweis auf Rußlands signifikanten Mangel an Seefrachtkapazizät und eine sehr begrenzte Anzahl an Landungsbooten und -schiffen sei, die für Lieferungen nach Syrien zur Verfügung stehen. Die russische Marine hat in den vergangenen Jahren allmähliche damit begonnen diesen Mangel durch den Bau größerer Amphibienschiffe mit größerer Verdrängung zu beheben

 

MILITÄRISCHE ENTWICKLUNGEN

In Zeit vom 30.September 2015 bis zum 9. Juni 2018 hat die syrische Regierung mit russischer und iranischer Unterstützung an zahlreichen Schlachten gegen den ISIS, Jabhat al-Nusra sowie deren Verbündeten teilgenommen. Sie alle lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

  1. Operationen zur Stabilisierung der Situation und der Verhinderung des Sturzes der Regierung in Damaskus.
  2. Operationen zur Niederschlagung der einflußreichsten Terrorgruppen – ISIS und Jabhat al-Nusra – in Zenral-, Ost- und Nord-Syrien.
  3. Operationen zur Befreiung zahlreicher von bewaffneten Gruppen besetzter Kessel innerhalb des von der Regierung gehaltenen Gebietes

Ende September 2015 waren die verschiedenen militärischen Aufgaben auf die gesamten syrischen Streitkräfte verteilt, ihre Kommunikation war überfordert und die Operationen waren schlecht geplant und koordiniert. Zur selben Zeit flossen Waffen, Ausrüstung, Munition und Rekruten aus der Türkei nach Syrien hinein. Die Russen hatten die Aufgab die SAA bei der Bewältigung all dieser Aufgaben zu unterstützen.

Der allgemeine Verlauf des Konflikts läßt sich in vier Abschnitte unterteilen.

 

Nord-Latakia, Homs, Palmyra

Zu Beginn der ersten Phase des Einsatzes wurden die Provinzen Latakia, Homs, Hama, Deir Ezzor sowie das Umland von Damaskus zum Hauptgegenstand der operativen Unterstützung, welche die SAA, die Nationalen Verteidigungskräfte (NDF) und weitere regierungsnahe Gruppen erhalten haben vom russischen Militär erhalten haben. In Deir ez-Zor hat die Hauptaufgabe der russischen Luftstreitkräfte und der syrischen Luftwaffe darin bestanden den Truppenstandort der vom ISIS belagerten Provinzhauptstadt mit Versorgungsgütern und Feuerunterstützung zu versorgen, um den Fall der Stadt zu verhindern. Diese Aufgabe war bis zum Jahr 2017, in dem die Belagerung gebrochen wurde, bestehen.

In der Provinz Latakia, haben die russischen Streitkräfte einen Vormarsch der SAA entlang der Autobahn M4 vorangetrieben, was die Regierungsstreitkräfte in die Lage versetzt hat in dem Zeitraum von Oktober 2015 bis zum August 2016 die Kontrolle über die Provinz zurückzuerlangen. Die SAA, die NDF und andere regierungsfreundliche Gruppen haben den von Milizen gehaltenen Teil der syrisch-türkischen Grenze signifikant eingeschränkt, was in der Eroberung der strategisch wichtigen Stadt, Kinsabba,  gipfelte. Die Front in Nord-Latakia ist stabilisiert, und die Bedrohung durch eine von Jabhad al-Nusra geführte Offensive auf die syrische Küste neutralisiert worden. Während dieses Vorstoßes ist die russische Su24 von der türkischen Luftwaffe abgeschossen worden. Ankara hatte kein Verlangen nach einer Wiederherstellung der Kontrolle über die Landesgrenze durch die syrischen Regierung, da die politische Elite der Türkei reichlich hiervon profitiert hat, und zwar sowohl an illegalem Grenzhandel als auch von der Ermöglichung des freien Flusses von Verstärkung und Nachschub für die in Syrien operierenden bewaffneten Gruppen.

In der Provinz Aleppo ist von Oktober 2015 bis zum Dezember 2016 eine weitere Offensive gestartet worden, als Regierungstruppen den von Jabhad al-Nusra angeführten Block im Norden und Südwesten der Provinzhauptstadt und den ISIS  östlich davon angegriffen haben. Die Regierungstruppen haben die zwei Jahre lang bestehende Belagerung des Luftwaffenstützpunkts Kuweires aufgehoben, eine Pufferzone westlich der Autobahn nach Khanasir, der Hauptversorgungsroute in den von der Regierung gehaltenen Teil Aleppos, errichtet und die Hauptversorgungslinien von der türkischen Stadt Kilis zu dem von Milizen gehaltenen Teil von Aleppo durchtrennt. Auch dieser Vorstoß ist für die weitere Zukunft der Stadt Aleppo festgelegt worden.

Von Oktober 2015 bis Dezember 2015 fanden in Hama kleinere militärische Gefechte statt. In dieser Region hat das syrisch-iranische Bündnis, im Vergleich mit Latakia und Aleppo, nur begrenzte Ziele erreicht. Regierungsfreundliche Kräfte sind entlang der Autobahn M5 und westlich davon vorgerückt, wobei sie die von Milizen gehaltenen Städte und Dörfer, einschließlich Kafr Zita und Lataminah umgangen haben. Anschließende Gegenangriffe resultierten in kleineren Geländegewinnen und so wurde die Frontlinie mehr oder weniger stabilisiert.

Inmitten der Erfolge im Westen und Norden Syriens haben die Regierungstruppen eine Reihe von Angriffen auf Stellungen der ISIS in der Provinz Homs durchgeführt und am 27. März 2016 die Stadt Palmyra befreit. Wenige Tage später, am 3. April, wurde auch eine weitere wichtige Stadt, al-Qaryatayn, befreit. Die Kräfte des ISIS in Zentral-Syrien waren gezwungen sich in die Wüste zurückzuziehen. Im Verlauf des darauf folgenden Junis haben die SAA, die Wüstenfalken-Brigade und andere regierungsfreundliche Gruppen den Versuch unternommen die vom ISIS gehaltene Stadt Tabqa zu erreichen und einzunehmen, auf die sie von Ithriyah aus vorgedrungen sind. Allerdings haben sie hierbei ihre Logistikkette überdehnt und waren gezwungen sich zurückzuziehen, nachdem die durch eine Reihe von Gegenangriffen des ISIS Verluste erlitten hatten.

Einer der Schlüsselfaktoren hinter den Erfolgen der SAA und ihrer Verbündeten waren massive Luftangriffe der russische Luftwaffe. Russische Flugzeuge haben den Regierungstruppen nicht nur enge Luftunterstützung gegeben, sondern, durch den Beschuß von deren Konvois, Zusammenkünften, Waffendepots, Kommandozentralen und anderen Einrichtungen tief hinter dem tatsächlichen Frontverlauf in den Provinzen Idlib, Aleppo, Deir ez-Zor und Raqqah, auch bedeutende Anstrengungen bei der Zerstörung der Infrastruktur von Jabath al-Nusra und ISIS unternommen. Die Erdöl-Infrastruktur und Erdöl-Konvois gehörten zu den wichtigste Zielen ihrer Luftangriffe. Somit hat das russische Militär eine der Hauptfinanzierungsquellen der Terrorgruppen unterminiert.

 

Die Stadt Aleppo, West-Ghouta, Nord-Hama, und der Rückzug aus Palmyra

Ihre zweite Phase erreichte die von Rußland geleitete Operation gegen bewaffnete Gruppen im Juni 2016 nach dem Scheitern von amerikanisch-russischen Waffenstillstandsverhandlungen in dem vom Krieg geplagten Land. Nach den Vertragsbedingungen waren Jabhat al-Nusra und andere mit Al-Qaida verbundene Gruppen sowie der ISIS von dem Waffenstillstand ausgeschlossen. Allerdings sind so genannte moderate Oppositionsgruppen nicht in der Lage gewesen sich selbst von ihren terroristischen Partnern zu unterscheiden. Diese Gruppen haben oft dieselben Einrichtungen und Frontstellungen mit Einheiten von Jabhat al-Nusra geteilt. Somit ist ein Waffenstillstand unmöglich geworden. Besonders kompliziert war die Situation dem von Jabhat al-Nusra kontrollierten Teil von Aleppo.

Nach dem Scheitern des angedachten Waffenstillstands, fand dauerte der Feldzug der SAA zur Rückeroberung Aleppos vom 25. Juni 2016 bis zum 22. Dezember 2016 und endete mit der Befreiung der gesamten Stadt durch die Regierung. Während der sommerlichen Phase dieser Schlacht sind die SAA und ihre Verbündeten auf  die Region der Mallah Farmen vorgerückt und haben die Castello Road gesperrt und damit die einzige Nachschublinie für den von Milizen gehalten, östlichen Teil von Aleppo. Dann haben Regierungstruppen einen militärischen Versuch die Belagerung zu durchbrechen zurückgeschlagen. Besonders heftige Kämpfe haben sich im Oktober und November in der Region al-Rashidin ereignet. Am Ende der gegen die eingekesselten Milizen geführten Materialschlacht fehlte es diesen schließlich an Waffen und Nachschub, um das Vorrücken der SAA zu verhindern, die ihre Vorteile bei der militärischen Ausrüstung, der militärischen Stärke und der Feuerkraft genutzt haben. Auch sind humanitäre Korridore geschaffen worden, um der Zivilbevölkerung den Rückzug aus der umkämpften Region zu ermöglichen.

Am 13. Dezember wurde ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den gegnerischen Parteien vereinbart und am 22. Dezember übergaben alle der verbliebenen Milizen und ihre Angehörigen ihre schweren Waffen und zogen sich über einen offenen Korridor in den von Milizen gehaltenen Teil der Provinz Idlib zurück. Die Vereinbarung hatte sichergestellt, daß weitere Opfer unter Zivilisten, die im Häuserkampf unausweichlich sind, verhindert werden würden. So wurde die, auch als industrielle Hauptstadt Syriens bekannte, zweitgrößte Stadt des Landes schließlich befreit.

Außer den regulären Truppen der SAA und der NDF waren an der Operation sämtlich Eliteeinheiten des syrischen Militärs und iranischer Unterstützungskräfte, einschließlich der 4. Panzerdivision, der Republikanischen Garde, der syrischen Marine, der Tiger-Kräfte, der Desert Hawks, der Syrischen Sozialistischen Nationalpartei, der Liwa al-Quds, der libanesischen Hisbollah und der Hafakat Hezbollah al-Nujaba beteiligt. Russische Spezialeinheiten sowie Einheiten der Iranischen Revolutionsgarde haben sich ebenfalls daran beteiligt. Berichten zufolge waren über 25.000 Soldaten auf Seiten der syrischen Regierung an der Operation beteiligt, denen 15.ooo Mitglieder verschiedener bewaffneter Gruppierungen in- und außerhalb der Stadt gegenüberstanden.

Keine der Parteien hat je offizielle Informationen bezügliche ihrer erlittenen Opfer herausgegeben. Laut Schätzungen verschiedener Quellen, sind hierbei bis zu 1.500 Regierungssoldaten und im Gegenzug 2.000 der bewaffneten Kämpfer getötet worden. Die Anzahl der verwundeten Milizen bleibt unbekannt. Außerdem hat sich, neben dem hohen Verlust an gepanzerten Fahrzeugen, das Arsenal an ungelenkten Raketen und Panzerabwehrlenkraketen von Jabhat al-Nusra und ihre Verbündeten hierbei stark verringert. Eines der Hauptziele der Operation bestand in der Errichtung offener humanitärer Korridore. Laut dem russischen Verteidigungsministerium sind während der Operation 150.000 Zivilisten aus dem Kampfgebiet evakuiert worden.

Interessanterweise wurden während der Schlacht um Aleppo ein von dem nuklear angetriebenen Schlachtkreuzer der Kirow-Klasse, Pjotr Weliki, und dem schweren Flugdeckkreuzer, Admiral Kuzenow, angeführter Marineverband nahe der syrischen Küste stationiert. Nach Meinung einiger Experten hat die Ergänzung der mit der Operation befaßten russischen Arbeitsgruppe um diese schlagkräftigen Schiffe, besonders hinsichtlich ihrer Luftabwehrfähigkeiten, entscheidend dazu beigetragen Washington von jedem Gedanken an eine Intervention abzuhalten, um eine direkte Konfrontation zwischen der von den VS geführten Koalition und der syrischen Regierung zu vermeiden, als sich der Konflikt an seinem entscheidenden Wendepunkt befand.

Es gab zwei weitere entscheidende Faktoren, welche die Situation in Aleppo beeinflußt haben.

  • die von Jabhat al-Nusra geführte Offensive gegen Stellungen der Regierung in Hama
  • die vom ISIS geführte Offensive gegen historische Stadt Palmyra

Diese beiden Angriffe haben während der Schlüsselphase der Schlacht um Aleppo stattgefunden. Somit haben der ISIS und Jabhat al-Nusra  ihre Bemühungen, die SAA und ihre Verbündeten an verschiedenen Fronten anzugreifen, quasi miteinander verbunden, um entscheidenden syrische Militärkräfte von der Operation zur Befreiung der strategisch wichtigen Stadt abzuziehen. Der Vorstoß von Jabhat al-Nusra dauerte vom 29. August bis zum 6. November. Dieser Angriff ist sowohl von Jund al-Aqsa (spätere Al-Aqsa Brigade / Anm. d. Übers.), die sich im Jahr 2017 mit dem ISIS vereinigt haben, als auch von anderen so genannten moderaten Oppositionellengruppen aktiv unterstützt worden. Mit Überraschungseffekten und Selbstmordattentätern haben die Milizen die Verteidigungsstellungen der NDFs durchbrochen und eine Reihe von Dörfern erobert. Im September, Oktober und dem frühen November haben die Feuergefechte angedauert. Ab dem 6. November waren die SAA, die NFD und ihre Verbündeten in der Lage die Absichten der bewaffneten Gruppen umzukehren und die Situation an der Front zu stabilisieren.

Der ISIS hatte seinen Angriff auf Palmyra am 8. Dezember begonnen und ide Stadt am 10. Dezember erobert. Die Terrorgruppe hatte die historische Stadt inmitten Feuergefechten mit der SAA und den NDF eingenommen. Am 12. Dezember hat der ISIS mit einem umfangreichen Vorstoß zur Eroberung des Luftwaffenstützpunkts Tiyas, westlich von Palmyra, begonnen, der jedoch erfolglos blieb. Ebenso erfolglos waren ihre Bemühungen, die Straße zwischen diesem Stützpunkt und der Stadt Homs zu blockieren. Am 22. Dezember hatte sich die Front wieder stabilisiert.

Laut verfügbaren Daten, hatte der ISIS bis zu 5.000 Kämpfer für den Vorstoß im Dezember mobilisiert. Die Stellungen der Regierung sind von etwa 3.000 Soldaten verteidigt worden, einschließlich von Einheiten der SAA, der Liva Fatemiyoun und später auch der Tiger-Kräfte. Diese haben Unterstützung von der syrischen und russischen Luftwaffe erhalten. Laut regierungsfreundlichen Quellen, wurden bei den Zusammenstößen über 600 Mitglieder des ISIS getötet.

Während der Monate Oktober und November, vor dem entscheidenden Sieg in Aleppo, hat die SAA eine erfolgreiche Operation im Umland von Damaskus durchgeführt, bei der Sie den von Milizen gehaltenen Sektor  der West-Ghouta befreit hat. Regierungsstreitkräfte hatten die Verteidigungsstellungen der Milizen durchbrochen und sie gedrängt eine Schlichtungsvereinbarung zu akzeptieren. Eine bedeutende Anzahl der Milizen und ihrer Familien haben daraufhin die Region in Richtung des von bewaffneten Gruppen gehaltenen Territoriums in Idlib verlassen. Viele Kombattanten und und deren Familien haben sich jedoch dazu entschieden in der Region zu bleiben und, unter der Aufsicht von Sicherheitskräften, ihren Rechtsstatus mit der Regierung in  Syrien zu klären

Das syrisch-iranisch-russische Bündnis hatte mit der Befreiung  von Aleppo und der West-Ghouta bei Damaskus bedeutende Siege errungen jedoch die Stadt Palmyra verloren. Dieser Umstand stellte einen großen PR-Verlust dar, der von den Mainstream Medien aktiv dazu benutzt worden ist die vielen Erfolge des Feldzugs durch die Hervorhebung des Rückschlags in Palmyra zu überschatten.

 

Die Rückeroberung Palmyras, Wadi Baradas, Ost-Aleppos, West-Qalamouns, der Stadt Deir ez-Zor und der Wüste in Ost-Syrien

Die dritte Phase der russischen Militäroperation in Syrien begann unmittelbar nach der Befreiung Aleppos. Über 25.000 der zuvor in Aleppo eingesetzten regierungsnahe Kämpfer standen nun für weitere Operationen im ganzen Land zur Verfügung. Der Fall von Palmyra hatte das syrisch-iranisch-russische Bündnis dazu gezwungen, seine strategische Planung im Licht diese Rückschlags zu ändern. Man einigte sich auf die folgenden ausgemachten Ziele und Prioritäten:

  1. die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung in der befreiten Stadt Aleppo.
  2. die Rückeroberung Palmyras vom ISIS.
  3. die flächendeckende Eliminierung des ISIS in den östlichen Regionen dr Provinzen Aleppo und Homs und, falls sich dies als möglich erweisen sollte, die Aufhebung der Belagerung der Stadt Deir ez-Zor durch den ISIS.
  4. den Umgang mit zahlreichen immer noch existierenden von Milizen besetzten Nestern innerhalb der von der Regierung gehaltenen Regionen, entweder mit militärischen Mitteln oder mittels Durchreise- und Umsiedlungsabkommen.

Am 13. Januar 2017 begann eine Militäroperation zur Rückeroberung Palmyras aus Richtung des seinerzeit noch vom ISIS belagerten Luftwaffenstützpunkts Tiyas. Einheiten der SAA, der Tiger-Kräfte, der Hisbollah, der Republikanischen Garde und des 5. Angriffs-Corps haben entlang der Autobahn zwischen Tiyas und Palmyra einen Monat lang mit Zusammenstößen gegen den ISIS gekämpft und sind am 2. März erneut in die historische Stadt eingedrungen. Am 4. März war Palmyra vollständig abgesichert.

Der Vorstoß war von sehr aktiver russischer Beteiligung gekennzeichnet, einschließlich der Verwendung von Präzisionslenkwaffen durch die russischen Luftstreitkräfte und der bedeutenden Teilnahme russischer Spezialeinheiten. Laut dem russischen Verteidigungsministerium, hat der ISIS, neben 19 Kampfpanzern, 37 gepanzerten Kampffahrzeugen, 98 schwer bewaffneten Pick Ups und 100 weiteren Fahrzeugen, über 1000 Kämpfer verloren, die bei den anschließenden Kämpfen getötet oder verwundet worden sind. Die hohen vom ISIS während der Schlachten um Palmyra und seinem gescheiterten Vormarsch auf den Luftwaffenstützpunkt Tiyas erlittenen Verluste schufen die Bedingungen für weitere Operationen gegen die Terrorgruppe in der Wüste von Homs und Deir ez-Zor sowie im Osten der Provinz Aleppo.

Von Januar bis Juni haben Regierungsstreitkräfte die Terroristen des ISIS gezwungen sich auf breiter Front aus Ost-Aleppo zurückzuziehen, was zur Befreiung des Luftwaffenstützpunkts Jira sowie Dair Hafirs, Maskanahs und einer Reihe anderer Ortschaften geführt hat. Um Mitte Juni ist die SAA in die südliche Peripherie der Provinz Raqqah vorgedrungen, was bei den Mainstream Medien großes Entsetzen ausgelöst und zu wachsenden Spannungen mit der von den VS geführten Koalition und ihren Stellvertretern geführt hat. Am 18. Juni hat eine F/A-8 Super Hornet von der USS George H.W. Bush südlich der Stadt Tabqah, die damals von den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) – einer von Washington unterstützten, kurdisch dominierten Koalition bewaffneter Gruppen  – besetzt gewesen ist, eine Su-22M4 der syrischen Luftwaffe abgeschossen. Die Su-22M4 hatte die anti-Terroroperation der SAA gegen den ISIS in der Region unterstützt. Die VS haben behauptet, daß das Kampfflugzeug eine unmittelbare Bedrohung für die SDF dargestellt hat und zur Selbstverteidigung abgeschossen worden sei. Ungeachtet der Bemühungen des ISIS sowie der VS-amerikanisch geführten Koalition und ihrer Stellvertreter am Boden, hat die SAA mit der Sicherung der Straße von Ithriya nach Resafa die Kontrolle über die Hauptverbindung nach Resafa gewonnen und hiermit jedem weiteren Vorstoß der SDF nach Zentral-Syrien den Weg versperrt.

Von Mai bis September haben die Regierungsstreitkräfte, diesmal in Zentral- und Ost-Syrien, eine weitere Offensive gegen den ISIS geführt. Hierbei haben sie die gesamten Wüstengebiete nördlich und südlich der Autobahn von Homs nach Palmyra befreit und die Grenze zu Jordanien sowohl nordöstlich als auch nordwestlich der Gegend um At-Tanf erreicht. Im Verlauf der Operation sind, wie durch ein Wunder, von den VS unterstützte Elemente deren als Freie Syrische Armee bezeichneten Stellvertreter in der Region aufgetaucht und haben versucht sich dem Vorstoß der SAA in Ost-Syrien zu widersetzen. Diese Versuche haben sich als nicht erfolgreich erwiesen.

Während dieses Vormarschs hat das syrische Militär die ersten Luftangriffe der Operation seit dem Beginn des Krieges geflogen. Am 11. August waren Einheiten der Tiger-Kräfte, unter Leitung von General Sheil al-Hassan, hinter an einer Verwaltungsgrenze zwischen den Provinzen Homs und Raqqah gelegenen Verteidigungsstellungen des ISIS gelandet. Diese Operation hat unmittelbar zur Eroberung zweier Dörfer geführt und den allgemeinen Vormarsch der SAA in der Region begünstigt. Bei anschließenden Gefechten sind bis zu 30 ISIS-Mitgliedern getötet worden.

Trotz all dieser Fortschritte blieb die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Erscheinens einer von den VS unterstützten Militärgarnison auf der Autobahn zwischen Bagdad und Damaskus in der Nähe von At-Tanf ungeklärt. Washington hatte mit dortigen Luftangriffen auf regierungsnahe Truppen (z.B. am 18. Mai) seine Bereitschaft gezeigt die Sperrung der Autobahn für die syrische Armee mit Gewalt durchzusetzen. Die von den VS angeführte Koalition hatte einen 50km breiten Bereich um AT Tanf zu seinem Verantwortungsbereich erklärt, in dem Militärkräfte der VS zur Bekämpfung des ISIS in der Region stationiert wären. Jedoch wurde bald klar, daß der ISIS innerhalb dieser Schutzzone frei operieren konnte, Die VS hatten  quasi einen ausschließlichen Bereich geschaffen, in dem ISIS-Milizen Zuflucht finden, sich umorganisieren und willkürlich angreifen konnte, während er sich unter dem Schutz einer durch die VS erzwungenen Flugverbotszone befand.

Am 23. Juli sind Regierungsstreitkräfte mit dem Ziel der Eroberung Sukhnas auf Stellungen des ISIS entlang der Autobahn Palmyra-Sukhna-Deir ez-Zor vorgerückt. Sie haben die Stadt Ende Juli erreicht und am 5. August die volle Kontrolle über sie übernommen. Am 27. August haben die SAA und ihre Verbündeten eine Offensive gestartet um die Belagerung der Stadt Deir ez-Zor durch den ISIS zu durchbrechen. Am 5. September ist die Belagerung des westlichen Teils der Stadt aufgehoben worden. Am 9. September haben Regierungstruppen die Einkesselung des Flughafens von Deir ez-Zor durchbrochen. Sämtliche Gegenangriffe des ISIS wurden zurückgeschlagen.

Laut regierungsnahen Quellen, waren an dem mehrgleisigen Vorrücken gegen den ISIS, das zur Befreiung von Zentral-Syrien und der Aufhebung der Belagerung Deir ez-Zors geführt hat, über 50.000 regierungsnahe Kämpfer verschiedener Gruppen beteiligt. Etwa 3.000 ISIS-Mitlglieder sollen hierbei getötet oder verwundet worden sein. Die SAA und ihre Verbündeten haben etwa 1.000 Soldaten verloren, wie oppositionsnahe Quellen berichteten. Die Stadt Deir ez-Zor ist am 17. November, nach etwa einem Monat des Häuserkampfes vollständig vom ISIS befreit worden.

Außerdem begann eine Operation zur Rückeroberung des östlichen Ufers des Euphrats. Am 12. Oktober hat  die SAA die Stadt al-Mayadin und am 19. November die Stadt al-Bukamal befreit. Der ISIS war in der Region erfolgreich besiegt worden, und das selbsternannte Kalifat kollabiert.

Zur selben Zeit der oben beschriebenen Entwicklungen hat die SAA außerdem Militäroperationen in West-Syrien unternommen.

  • In der Zeit vom 23. Dezember 2016 bis zum 29 Januar 2017 haben Regierungstruppen die Kontrolle über die gesamte Region von Wadi Barada in der Provinz Rif Dimashq erlangt. Ein Teil der Region ist auf Grund eines Schlichtungsabkommens zwischen der Regierung und mehr oder weniger moderaten Mitgliedern örtlicher bewaffneter Gruppen befreit worden. Die Befreiung diese Gebiets hat die SAA in die Lage versetzt die Wasserversorgung von Damaskus zu sichern.
  • Vom 21 Juli bis zum 15 August 2017 haben die SAA, die Hisbaollah und die Libanesische Armee  eine koordinierte Operation gegen Hayat Tahrir al-Sham (der ehemaligen Jahbat al-Nusra) und den ISIS in der Region, West-Qalamon,  nahe der libanesischen Grenze ausgeführt. Die gesamte Grenze zwischen den beiden Ländern wurde hierbei von Terroristen befreit.
  • Vom 7. Oktober 2017 bis zum 13. Februar 2018 haben die SAA und ihre Verbündeten einen Großteil des Landes in Norost-Hama und Ost-Idlib zurückerobert, wobei über 1.000 Mitglieder des ISIS, Hayat Tahrir al-Shams und anderer bewaffneter Gruppen getötet worden sind. Der Vorstoß der Regierung in West Idlib hat gezeigt, daß selbst in dieser militantesten der Enklaven, die seit dem Beginn des Krieges von einer Mischung aus oppositionellen und terroristischen Gruppen kontrolliert worden ist, die Milizen zunehmend unfähig wurden einen Kampf auf Augenhöhe gegen die SAA zu gewinnen.

 

Ost-Ghouta, die Region Jarmuk, Ost-Qalamoun und der Kesssel von Rastan

Im Frühjahr des Jahres 2018 erreichte die russische Militäroperation in Syrien ihre vierte Stufe. In dieser Phase mußt sich das syrische Militär mit den verbliebenen Nestern der Milizen innerhalb der großteils von der Regierung gehaltenen Regionen beschäftigen und den Erhalt von Sicherheit und Ordnung in den kurz davor befreiten Gebieten gewährleisten, besonders in der Stadt Deir ez-Zor und im Euphrat-Tal.

In der Zeit vom 18. Februar bis zum 14. April fand in der nahe Damaskus gelegenen Region, Ost-Ghouta, eine Militäroperation mit dem Codenamen “Damaskus Steel” gegen Hayat Tahrir al-Sham, Jaish al-Islam, Ahrar al-Sham und Faylaq al-Rahman statt. An der Operation waren 25.000 Soldaten der SAA, der Tiger-Kräfte, der Republikanischen Garde, Liwa al-Quds, der NDF der4. Panzerdivision, des 5. Angriffs-Corps und anderer regierungsnahen Gruppen beteiligt. Diese von russischen Sondereinheiten unterstützte Streitmacht war mit 15.000-18.000 Mitgliedern örtlicher Milizen konfrontiert. Die Regierungstruppen haben den von bewaffneten Gruppen gehaltenen Kessel in zwei Teile geteilt und anschließend diese beiden neu geschaffenen Nester eines nach dem anderen gereinigt. Wie in vielen vorangegangenen Fällen, haben lokale Aussöhnungsvereinbarungen eine wichtige Rolle für den Erfolg der Operation gespielt.

Die Operation ist weder von dem angeblich am 7. April in der Stadt Douma verübten Chemiewaffenanschlag noch von dem durch die VS, das VK und Frankreich Am 14. April durchgeführten Raketenangriff auf Regierungseinrichtungen beeinträchtigt worden. Der von den VS geleitete Raketenangriff hat keinen wirklichen Druck auf die syrische Regierung noch auf ihre an der Operation zur Rückeroberung der bei Damaskus gelegenen Ost-Ghouta beteiligten Verbündeten ausgeübt. Die von den VS und ihren Verbündeten vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgetragenen Vorwürfe gegen die syrische Regierung, nach denen diese einen Giftgasanschlag auf Douma verübt haben soll, erwiesen sich als unschlüssig, wenn nicht als unwahrscheinlich.

Während der Zusammenstöße sind etwa 550 Milizen getötet worden und etwa 1.200 Mitglieder bewaffneter Gruppen haben sich der SAA ergeben. Laut den Milizen nahen Quellen haben die Regierungsstreitkräfte bis zu 600 Kämpfer verloren. Die Mainstream Medien sowie den Milizen nahe Kanäle haben behauptet, daß “Tausende” Zivilisten während der Operation gestorben sind, jedoch ist diese Zahl nie überprüft worden.

Zwischen dem 19. April und dem 21. Mai hat in der Umgebung des Flüchtlingslagers Jarmuk im Süden von Damaskus eine Operation von regierungsfreundlichen, palästinensische Milizen, wie Liwa al-Quds und der Volksfront zur Befreiung Palästinas, gegen den ISIS stattgefunden, bei der das Generalkommando eine eine entscheidende Rolle gespielt hat. Das syrische Militär hat, zur Absicherung der östlich von Jarmuk gelegenen Region, Mitglieder von nicht zum ISIS gehörenden bewaffneten Gruppen gezwungen ein Aussöhnungsabkommen zu akzeptieren und einen groß angelegten, mehrgleisigen Vorstoß auf Stellungen des ISIS unternommen. Den ISIS-Mitgliedern in der Region mangelte es an militärischer Ausrüstung und Vorräten sowie an befestigten Stellungen. Ende Mai war die gesamte Region im Süden von Damaskus abgesichert. Laut staatlichen Medien in Rußland, Syrien und dem Iran waren alle Mitglieder des ISIS beseitigt worden. Nichtsdestotrotz haben Quellen vor Ort berichtet, daß zumindest einige Mitglieder des ISIS und ihre Familien – etwa 1.600 Personen – die Erlaubnis erhalten haben sich über einen offenen Korridor aus der Region zurückzuziehen, nachdem sie alle sich in ihrem Besitz befindlichen schweren Waffen ausgehändigt hatten.

Es sind noch zwei weitere Siege in Ost-Qalamoun und in der Region Rastan von der syrisch-iranisch-russischen Allianz errungen worden:

  • Am 2. Mai haben Milizen in Rastan eine Schlichtungsvereinbarung akzeptiert und haben die Region am 16. Mai, nach der Übergabe ihrer Waffen, verlassen. Etwa 11.000 Mitglieder bewaffneter Gruppen haben Rastan und umliegende Dörfer so mit ihren Familien über einen offenen Korridor verlassen und sich in den von Milizen besetzten Gebieten von Idlib und Aleppo angesiedelt.
  • Am 17. April haben bewaffnete Gruppen in Ost-Oalamoun eine Schlichtungsvereinbarung akzeptiert. Nachdem sie ihre Waffen vereinbarungsgemäß abgegeben hatten, haben sie die Gelegenheit erhalten die Region entweder zu verlassen oder ihren Rechtsstatus zu klären. Am 25. April hatte das syrische Militär die volle Kontrolle über die Region zurückerlangt. Wichtig anzumerken ist, daß die Milizen in Ost-Oalamoun eine hohe Anzahl an schwerer militärischer Ausrüstung, einschließlich Kampfpanzern, Panzerabwehrlenkraketen, Raketenwerfern und anderer Waffen, übergeben haben. Mit einem solch großen Waffenarsenal wären sie in der Lage gewesen sich einem Vorstoß der SAA über einen beachtlichen Zeitraum zu widersetzen. Bei der Abwägung ihrer Chancen haben sie, in Kenntnis der vielen von der SAA im Verlauf des letzten Jahres errungenen Siege, beschlossen zu kapitulieren.

Im Juni 2018 hatten die SAA und ihre Verbündeten einen großen Teil befreit, einschließlich der Städte Aleppo und Deir ez-Zor sowie dem gesamten Umland von Damaskus, und die vielen Nester der Opposition , die sich noch in den von der Regierung gehaltenen Teilen des Landes befunden hatten, ausgerottet. Das selbsternannte Kalifat des ISIS in Syrien ist mit einer Reihe gut geplanter und entschieden ausgeführter Feldzüge auseinandergenommen worden.

Am 18. Juni haben die SAA und ihre Verbündeten mit einer Militäroperation begonnen, um Süd-Syrien sowohl vom ISIS als auch von Hayat Tahrir al-Sham zu säubern und die Kontrolle über die syrisch-jordanische Grenze zurückzuerlangen. Zuvor hatte Damaskus, unterstützt von russischen Beratern, zahlreiche Versuche unternommen, um in der Region ein Aussöhnungsabkommen in Kraft zu setzen, daß es den Mitgliedern von relativ moderaten Oppositionsgruppen erlaubt hätte zu kapitulieren und ihren Rechtsstatus zu klären. All diese Versuche sind von Hayat Tahrir al-Sham und ihren Unterstützern sabotiert worden. Daher kam eine militärische Lösung zum Einsatz. Innerhalb des nächsten Monats hat die SAA das gesamte Umland von Daraa befreit und die Voraussetzungen für die Bekämpfung des ISIS östlich der Golanhöhen geschaffen.

Vom 21. Juli bis zum 31. Juli hat die SAA auch die vom ISIS gehaltene Insel östlich der Golanhöhen gesäubert. Allerdings bleibt die Sicherheitslage in der Region nach wie vor kompliziert und es werden weitere Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sein, um Terroranschläge dort zu verhindern.

Wenn die Sicherheitsfrage in Süd-Syrien schließlich gelöst ist, werden die SAA und ihre Verbündeten ihren Blick der Provinz Idlib zuwenden. Die Türkei, die kürzlich sowohl ihren Einfluß als auch ihre Präsenz dort erhöht hat, besitzt nicht das Recht für den Versuch Hayat Tahrir al-Sham oder eine der mit ihnen verbundenen militanten Gruppen angesichts einer syrischen Militärintervention zu schützen. Die Regierung Erdogan wird einen Weg finden müssen, sich entweder zu sammeln und sich von der international anerkannten Terrorgruppe zu trennen oder, unter Beachtung der bei den Astana-Gesprächen von Syrien, der Türkei, Rußland und dem Iran getroffenen Vereinbarungen,  irgendwie zu versuchen die Beziehung zu ihr aufrechtzuerhalten. Die Antwort auf diese Frage wird erst deutlicher, wenn die SAA irgendwann in naher Zukunft mit Militäroperationen gegen bewaffnete Gruppen in Idlib beginnt.

 

Ergebnisse der Militäroperation

Das russische Verteidigungsmysterium hat Ende 2017 einen umfangreichen Bericht über die Resultate seiner Militäroperation in Syrien bereitgestellt. Der Bericht erklärt, daß bis zum 7. November in Syrien 2017 54.000 Mitglieder bewaffneter Gruppen getötet und 394 Kampfpanzer sowie über 12.000 Waffen, Fahrzeuge und andere Ausrüstung der Milizen zerstört worden sind. Eine geschätzte Anzahl von 4.200 getöteter Milizen stammten aus Rußland oder an Rußland angrenzende Länder. Während desselben Zeitraums haben die russischen Luftstreitkräfte über 30.000 Flüge unternommen und 92.000 Luftangriffe geflogen. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von etwa 100 Kampfeinsätzen und 250 Luftangriffen. Kampfhubschrauber haben schätzungsweise 7.000 Kampfeinsätze geflogen.

Bei den 420 von der Admiral Kuzenzow aus geflogenen Kampfeinsätzen, worunter sich 117 Nachteinsätze befanden, wurden 1.252 Ziele getroffen. Die russische Marine hat 10 Raketenangriffe auf militärische Ziele durchgeführt, bei denen mindestens 70 Marschflugkörper vom Typ Kalibr eingesetzt worden sind. Der erste Einsatz von Kalibr-Marschflugkörpern fand nur eine Woche nach dem Beginn der Militäroperation in dem vom Krieg geplagten Land statt.

Russische Pioniere haben über 100.000 Minen und Sprengfallen geräumt und setzen ihre Arbeit im ganzen Land fort. Sie haben den Minenräum-Roboter Uran-6, das Bodenradarsystem OKO-2 und weitere moderne Ausrüstung im Einsatz. Bisher sind etwa 1.000 von ihren russischen Kollegen ausgebildet worden, und das Ausbildungsprogramm wird fortgesetzt.

Rußland hat sowohl im Allgemeinen als auch auf operativer Ebene bei der Logistik- und Instandhaltungsunterstützung der SAA eine wichtige Rolle gespielt. Laut dem Verteidigungsministerium, haben russische Spezialisten das syrische Militär beim Erhalt und der Wiederherstellung militärischer Ausrüstung aktive unterstützt. Während die meisten dieser Aktivitäten unveröffentlicht bleiben, ist bekannt, daß Russen im Jahr 2015 eine Fabrik zur Reparatur von Panzern in Homs wiederaufgebaut haben. Diese Anlage wird derzeit von der syrischen Regierung betrieben.

Außerdem haben russische Spezialisten und Offiziere zur Stärkung der syrischen Luftabwehrfähigkeiten beigetragen, indem sie sowohl Unterstützung beim Erhalt der Lufabwehrsysteme und des Radars sowie beim Training syrischer Offiziere geleistet haben. Im April 2018 hat die staatliche russische Nachrichtenagentur Novosti unter Berufung auf eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium berichtet, daß Rußland während der letzten Jahre mindestens 40 Kurz- bis Langstreckenluftabwehrsysteme vom Typ Pantsir-S1 an Syrien geliefert hat.

In dem Zeitraum von September 2015 bis August 2017 haben russische Spezialisten über 3.000 Instandhaltungsaufgaben und über 25.000 Aufträge zur Instandhaltung russischer Waffen und Ausrüstung in Syrien übernommen. Außerdem hat das russische Militär dort über 600 verschiedener Waffen und Ausrüstungsgegenstände, einschließlich der Luftüberlegenheitskampffluzeuge des Typs MiG29MT, der Kampfflugzeuge der 5. Generation, Su-57 und Panzerunterstützungsfahrzeuge vom Typ MMPT-72 Terminator, getestet.

Im Februar 2018 sind in Syrien zwei Kampfflugzeuge des Typs Su-57 im Einsatz getestet worden. Laut dem russischen Verteidigungsministerium hat einer dieser Jets moderne Marschflugkörper auf  Stellungen der Milizen abgefeuert.

Am 22 Dezember 2017 hat der russische Verteidigungsminister erklärt, daß insgesamt 48.000 russische Soldaten an dem Feldzug in Syrien teilgenommen haben. Er fügte hinzu, daß 14.000 von ihnen staatliche Auszeichnungen erhalten haben.

 

Opfer und Materialverluste des russischen Militärs

Vom Beginn der Operation am 30. September bis zum 20. Juni 2018 hat das russische Militär 93 Soldaten in und außerhalb von Kampfhandlungen verloren. 39 von ihnen starben bei einem Flugzeugabsturz am 6. März 2018 als ein Transportflugzeug vom Typ Antonov AN-26 wegen eines angeblichen technischen Defekts nahe des Laufwaffenstützpunkts Khmeimim abgestürzt ist. Auf dem Schlachtfeld sollen 43 russische Soldaten und Spezialisten ihr Leben verloren haben.

Die Gesamtzahl der verlorenen Luftfahrzeuge des russischen Militärs beträgt, ausschließlich unbemannter Luftfahrzeuge, laut offiziellen Quellen 14. Diese Zahl beinhalten:

 

Außerdem sollte angemerkt werden, daß 92 Menschen bei einem Absturz einer Tupolev Tu-154 des russischen Verteidigungsministerium, auf dem Weg von Sochi nach Khmeimim, den Tod gefunden haben. Die Maschine war am 25. Dezember 2016 ins Schwarze Meer gestürzt. Die Passagierliste umfaßte 64 Mitglieder des Alexandrow Ensembles, 8 Besatzungsmitglieder, 7 Soldaten, 9 Journalisten, den Direktor der Abteilung für Kultur des russischen Verteidigungsministeriums und drei Zivilisten.

Beim Vergleich der russischen Verluste mit denen der US Air Force und der US Navy bei Operationen in Syrien, dem Irak und Afghanistan ist offensichtlich, daß Rußland im selben Zeitraum höhere Verluste an Flugzeugen erlitten hat. Einer der Gründe hierfür ist, daß die Drohnentechnologie der VS  fortschrittlicher ist, und Rußland und daß Rußland keine Drohnen in Kampfeinsätzen nutzt. Der Hauptgrund liegt in den diesbezüglich unterschiedlichen Herangehensweisen der Russischen Luftstreitkräfte und der US Air Force. Die VS bombardieren Ziele am Boden entweder aus großer Höhe mit Lenkwaffen oder durch unbemannte, bewaffnete Drohne. Obwohl auch russische Kampfflugzeuge viele Luftangriffe aus großer Höhe mit Lenkwaffen durchgeführt haben, sind, im Gegensatz hierzu, die Mehrzahl der Luftangriffe der russischen Luftwaffe aus niedriger Höhe erfolgt. Rußlands traditioneller Einsatz einer nahen Luftunterstützung, bei der Kampfpiloten in enger Funkverbindung mit Luftraumbeobachtern stehen, die in an der Front oder sogar  hinter den feindlichen Linien operierende Einheiten eingebettet sind, während sie aus niedriger Höhe angreifen, erhöhte zwar die Wahrscheinlichkeit des Verlustes von Luftfahrzeugen, führte jedoch auch zu besserer Treffergenauigkeit. Der intensive Einsatz von Kampfhubschraubern hat sich bei der nahen Luftunterstützung bei der russischen Luftwaffe als hocheffizient erwiesen und bietet den verbündeten Kampfeinheiten, sowohl auf offenem Gelände als auch beim Häuserkampf, eine akkurate und tödliche Unterstützung aus der Luft.

Es existieren keine genauen Zahlen über die Verluste russischer oder mit Rußland verbundener privater Söldnerunternehmen. Wenn man jedoch all den von den Medien und Überwachungsgruppen verbreiteten Spekulationen Glauben schenkt, kann deren Anzahl nicht unter 1.000-1.500 Toten und Verwundeten liegen. Das Problem hierbei ist, daß nur etwa 30 nachvollziehbare und verläßliche Berichte über zumindest die Namen, das Datum oder den Ort des Todes von an solchen Einsätzen beteiligten Personen existieren. Laut den meisten Militäranalysten, beträgt die tatsächliche Anzahl der Opfer unter russischen Söldnern eher zwei- oder dreihundert.

 

Chemiwewaffen- und Raketenangriffe

Außerdem ist es wichtig den angeblichen Einsatz von chemischen Waffen in dem Konflikt und deren Beantwortung durch des von den VS angeführten Blocks zu erwähnen, der diese Behauptungen als Vorwand für offene Militäraktionen genutzt hat. Während der letzten drei Jahre gab zwei weit beachtete Fälle von angeblichen Chemiewaffeneinsätzen:

  • Khan Scheikun
  • Douma

Am 4. April 2017 soll in Khan Sheikhun in der Provinz Idlib ein Giftgasanschlag verübt worden sein. Der Vorfall hatte sich in der von Milizen besetzten Region, weit hinter der Front, inmitten einer sich rapide und erfolgreich entwickelnden Operation der SAA gegen Hayat Tahrir al-Sham im Norden von Hama ereignet. Laut den Milizen nahen Quellen, vor allem aus der vom Westen unterstützten und mit den Milizen verknüpften, als Weißhelme bekannten Organisation wurden hierbei mindestens 74 Menschen getötet und über 550 verletzt. Die Weißhelme und andere haben behauptet, daß chemische Waffen von einen Kampfflugzeug der syrischen Luftwaffe abgeworfen worden sind. Die VS, das VK, Frankreich, Israel und eine Reihe anderer Länder haben umgehend die syrische Regierung beschuldigt für den Anschlag verantwortlich zu sein. Die syrische Regierung, sowie Rußland und der Iran bezeichneten den Anschlag als inszenierte Provokation und riefen die internationale Gemeinschaft auf eine unabhängige und transparente Untersuchung des Vorfalls durchzuführen.

Am 7. April feuerte der Lenkwaffenzerstörer USS Porter, im Vorfeld jeglicher Untersuchungen, 59 Tomahawk-Marschflugkörper auf den Luftwaffenstützpunkt, Shayrat, der syrischen Luftwaffe ab in der Provinz Homs ab. Laut dem Zentralkommando der VS,  “waren die Raketen auf Kampfflugzeuge, befestigte Flugzeughangars, Luftabwehrsysteme und Radareinrichtungen gerichtet.” Der VS-amerikanische Verteidigungsminister, James Mattis, sagte, daß der Angriff “zur Zerstörung oder Beschädigung von Treibstoff- und Munitionsdepots, Luftabwehreinrichtungen sowie 20% der Kampfflugzeuge Syriens geführt hat. Die syrische Regierung hat die Fähigkeit verloren Flugzeuge auf dem Flugplatz Shayrat zu betanken oder zu bewaffnen und an dieser Stelle liegen ihre Start und Landebahnen brach.”

Syrische Kampfflugzeuge haben ihre Operationen von dem Stützpunkt aus einige Stunden nach dem VS-Angriff wiederaufgenommen. Das russische Verteidigungsministerium hatte die “Schlagkraft” der Angriffe als “extrem niedrig” bezeichnet und hinzugefügt, daß nur 23 der Raketen ihre beabsichtigten Ziele erreicht haben. Laut vorhandenem Bildmaterial sind hierbei 10 syrische Kampfflugzeuge zerstört worden: drei Su-22, vier Su-22M3 und drei Mig-23ML. Laut mehreren Quellen, könnte die Anzahl der getroffenen Flugzeuge bis zu 15 betragen haben, jedoch wurde von Quellen auf dem Luftwaffenstützpunkt erklärt, daß die meisten der zerstörten Flugzeuge schon vorher beschädigt oder ausgemustert worden waren.

Laut dem Pentagon-Sprecher, Captain Jeff Davis, “die russischen Streitkräfte seine über eingerichtete Kontakte zur Konfliktvermeidung vorab von dem Angriff unterrichtet worden.” Es besteht kein Zweifel darüber, daß Moskau die Syrer, welche die meisten ihrer Flugzeuge zuvor von dem Stützpunkt Shayrat abgzogen hatten, im Voraus über dem Angriff informiert hat. Dies könnte erklären, warum der Angriff keinen wirklichen Schaden angerichtet hat. Weder der Luftwaffenstützpunkt in Khan Sheikhun noch der in Shayrat ist von internationalen Beobachtern je besichtigt worden.

Ein Jahr nach dem Raketenangriff auf Shayrat soll am 7. April 2018 ein Chemiewaffenanschlag in der  im östlichen Umland von Damaskus, der Ost-Ghouta, gelegenen Stadt Douma verübt worden sein. Der Vorfall soll sich in der von bewaffneten Gruppen gehaltenen Region, hinter der Frontlinie, inmitten einer rapide erfolgreich verlaufenden Operation der SAA gegen Hayat Tahrir al-Sham, Jaish al-Islam, Ahrar al-Sham und Faylaq al-Rahman ereignet haben. Am 7. April hatte die SAA den Großteil der Region schon befreit und Jaish al-Islam, die Douma kontrolliert hatten, bereits gezwungen eine Kapitulationsvereinbarung zu akzeptieren.

Auch hier wurden die Weißhelme zur Hauptnachrichtenquelle über vermeintliche Opfer. Laut Milizen-nahen Quellen sollen bei dem angeblichen Angriff zwischen 48 und 85 Menschen getötet und über 500 verletzt worden sein. Sie behaupteten, daß ein Helikopter der syrischen Luftwaffe Chemiewaffen abgeworfen habe. Die VS, das VK, Frankreich, Israel und ihre üblichen Verbündeten haben umgehend die syrische Regierung beschuldigt für den Anschlag verantwortlich zu sein. Ein weiteres Mal haben Syrien, Rußland und der Iran den Angriff als inszenierte Provokation bezeichnet und die internationale Gemeinschaft aufgefordert unabhängige und transparente Ermittlungen über den Vorfall durchzuführen.

Am 14. April  haben die VS, das VK und Frankreich, vor allen Untersuchungen, koordinierte Raketenangriffe auf Regierungsziele in Syrien unternommen. Der VS-Verteidigungsminister, James Mattis, erklärte, daß dieser Angriff ein “entschlossenes Vorgehen gegen Produktionsstätten von Chemiewaffen in Syrien” war. Laut dem Pentagon, haben die VS, das VK und Frankreich 105 Raketen auf angebliche “Chemiewaffenfabriken” der Regierung Assad abgefeuert:

  • 66 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk
  • 20 luftgestützte Marschflugkörper vom Typ Shadow/SCALP EG
  • 19 luftgestützte Marschflugkörper vom Typ AGM-158 JASSM

Das Pentagon hat behauptet, daß alle Raketen ihre Ziele erreicht haben:

  • 76 Raketen haben das “Forschungs- und Entwicklungszentrum Barzah” getroffen
  • 22 Raketen haben das “Chemiewaffendepot Him Shinshar” getroffen
  • 7 Raketen haben den “Chemiewaffenbunker Him Shinshar” getroffen

Hier nun die Daten des russischen Verteidigungsministeriums:

  • 22 VS-amerikanische, französische Raketen haben ihre Ziele erreicht
  • 46 Raketen sind von syrischen Luftabwehrsystemen abgefangen worden, welche zum Schutz der syrischen Hauptstadt Damaskus sowie den nahegelegenen Flughäfen, Duvali, Dumayr, Blai und Mazzeh stationiert worden sind
  • 20 Raketen sind in drei Verantwortungsbereichen der syrischen Luftabwehr in Homs abgefangen worden
  • Einige Raketen verfehlten ihre Ziele auf Grund technischer Mängel

Auch haben die Russen die Wracks von abgefangenen Raketen entdeckt und mindestens einen nicht explodierten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk präsentiert. Das Ministerium fügte hinzu, daß zwei nicht explodierte Raketen (eine Tomahawk und eine luftgestütze Hochpräzisionsrakete) geborgen und von Syrien nach Rußland geliefert worden sein. Auch hat Rußland selbst zu dem angeblichen Chemiewaffenangriff ermittelt und erklärt, daß die Ergebnisse gezeigt haben, daß es sich bei dem Angriff um eine inszenierte Provokation gehandelt hat. Russische Experten haben auch dort lebende Menschen, Ärzte und vermeintliche Opfer des Angriffs ermittelt und befragt, von denen die Weißhelme ein Video das angeblich nach dem Anschlag entstanden sein soll.

Am 27. April haben sowohl russische und syrische Beamte als auch Zeugen des angeblichen Chemiewaffenangriffs an einer Pressekonferenz in Den Haag teilgenommen. Die Veranstaltung trug die Überschrift: “Präsentation von Stellvertretern des russischen Verteidigungsministeriums und direkt Betroffenen des von den ´Weißhelmen´ am 7. April 2018 im Krankenhaus von Douma aufgenommenen und gefälschten Videos.” Die während der Pressekonferenz präsentierten Daten haben die vom Westen unterstützte Version der Ereignisse entlarvt. Rußland hat 17 Zeugen des Vorfalls sowie Angehörige des Klinikpersonals mit nach Den Haag gebracht. Technische Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen haben nur 6 der 17 Zeugen befragt.

Sowohl dem Vorfall in Khan Sheihun als auch dem in Douma lagen ähnliche Szenarien zu Grunde, welche die von den VS geführte Koalition auf Grund von Behauptungen bewaffneter Gruppen zum Anlaß für Raketenangriffe genommen hat, ohne irgend welche Ermittlungen durchzuführen. In beiden Fällen war der tatsächliche Erfolg  der von den VS angeführten Raketenangriffen wesentlich geringer, als das Pentagon behauptet hatte. Manche Beobachter meinen, daß beide Militäraktionen den Anschein einer PR-Aktionen der Trump administration, die den Präsidenten hart gegenüber Rußland erscheinen lassen sollte.

Andere Militärexperten verknüpfen die hohe Rate an abgefangenen Raketen und technischer Mängel mit der Unterstützung des in Syrien stationierten russischen Militärs. Obwohl Lufabwehrsysteme des russischen Militärs nicht direkt in Syrien stationiert gewesen sind, haben die russischen Luftstreitkräfte das syrischen Militär mit wesentlichen operativen Daten versorgt und die herannahenden Raketenmit ihren eigenen Möglichkeiten der elektronischen Kriegsführung verfolgt.

 

AUSSÖHNUNG UND HUMATITÄRE- SOWIE SICHERHEITSOPERATIONEN

Die Beispiele von Aleppo, der Ost Ghouta, dem Kessel von Rastan und anderer Regionen haben gezeigt, daß die russische Führung sich sowohl über die Grenzen der militärischen Kraft des Landes als auch darüber im Klaren gewesen ist, was allein mit militärischen Mitteln erreicht werden kann. Fast umgehend nach Beginn des anti-Terrorkampfes in Syrien hat Rußland quer durchs Land mit humanitären Operationen begonnen. Das Zentrum für die Aussöhnung der gegnerischen Parteien, dessen Hauptquartier sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Khmeimin in der Syrisch Arabischen Republik befindet, ist die die treibende Kraft bei der Durchführung von humanitären Operationen und der Förderung von Aussöhnungsbestrebungen.

Das Zentrum wurde am 23. Februar 2016, vier Tage vor dem ersten von Rußland und den VS unterstütztem Waffenstillstand (der am 27. Februar 2016 in Kraft trat) geschaffen , um Feindseligkeiten zum Stillstand zu bringen und die moderate Opposition von den vielen im Land operierenden Terrorgruppen zu trennen. Der Waffenstillstand ist aufgrund der Unfähigkeit der von den Vereinigten Staaten unterstützten Gruppen, sich von Jabhat al-Nusra zu distanzieren, gescheitert. Nichtsdestotrotz wurde das Zentrum zu einem der eiflußreichsten Faktoren für die andauernde Lösung des Konflikts. Das Zentrum beinhaltet 5 Hauptabteilungen:

  • eine Gruppe für Analyse und Planung
  • eine Verhandlungsgruppe
  • eine Gruppe für die Kooperation mit ausländischen Organisationen
  • eine Gruppe für informelle Unterstützung
  • eine Gruppe, die sich auf die Bereitstellung humanitärer Hilfe konzentriert

Die Bediensteten des Zentrums haben eine Schlüsselrolle beim Erreichen von Rückzugs- oder Aussöhnungsvereinbarungen mit bewaffneten Gruppen in Regionen wie Aleppo, der Ost Ghouta, Wadi Barada und Rastan gespielt. Fast täglich gibt das Zentrum Berichte über seine Aktivitäten und die militärische Situation in der Region heraus. Dank der Arbeit des Zentrums sind bis zum Juni 2018 über 2.500 Siedlungen einem Waffenstillstand beigetreten. Die Anzahl der einem Waffenstillstand beigetretenen bewaffneten Gruppen Gruppen beträgt 234.

Auch sind an der Kontaktlinie zwischen dem von Milizen besetzten Teil der Provinz Idlib und dem von der Regierung gehaltenen Gebiet humanitäre Korridore eingerichtet worden. Diese Korridore erlauben es Zivilisten die von den Milizen kontrollierten Gebiete zu verlassen. Auch haben russische Spezialisten Einheiten aufgebaut, die sie nutzen um Zivilisten medizinische Hilfe zukommen zu lassen. In der Regel erhalten etwa 300 Menschen täglich medizinische Hilfe.

In Regionen wie Aleppo, Deir ez-Zor, Ghouta, Jarmuk, Rastan und anderen, in denen Aussöhnungs- oder Rückzugsvereinbarungen geschlossen worden sind, wurden Einheiten der russischen Militärpolizei gesichtet. Das Ziel dieser Einheiten besteht in der Beobachtung der Umsetzung der Vereinbarungen und in der Unterstützung der syrischen Kräfte bei der Wiederherstellung von Recht und Ordnung in den befreiten Gebieten.

 

INTERNATIONALE REAKTIONEN UND PROPAGANDA

Von Beginn unterlagen die russischen Militäraktionen in Syrien heftiger Kritik der Mainstream Medien und Regierungen des von den VS angeführten Blocke. Gegner der russischen Militäroperation trugen und tragen folgende Argumente vor:

  1. Der Konflikt in Syrien wird für Rußland zum zweiten Afghanistan.
  2. Das wichtigste Ziel der russischen Militäroperation ist die Bekämpfung der moderaten Opposition, nicht des ISIS oder al-Qaida (in Syrien Jabhat al-Nusra genannt)
  3. Rußland unterstützt das blutige Assad Regime, das keine Rechtmäßigkeit besitzt und von der gesamten Bevölkerung gehaßt wird
  4. Rußland beteiligt sich an der willkürlichen Bombardierung von Zielen und  nutzt ungelenkte, konventionelle, “dumme”  Bomben, die eine Vielzahl ziviler Opfer hinterlassen
  5. Die Anzahl der Opfer bei den russischen Streitkräften steigt ständig, was der Kreml jedoch verschleiert
  6. Das russische Verteidigungsministerium ist, im Vergleich mit dem Pentagon, dem VS-Außenministerium und sogar mit so unabhängigen Organisationen wie der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dn Weißhelmen und Bellingcat, keine glaubwürdige Informationsquelle

Diese Behauptungen sind besonders interessant, weil sie das fehlende Wissen des Publikums über den Konflikt dazu benutzen um Fakten mit Übertreibungen oder sogar glatten Lügen zu vermischen. Obwohl auch die russische Seite auch weit davon entfernt ist unschuldig an einseitiger Berichterstattung zu sein, verfügen die VS und ihre Verbündeten über ein wesentlich besser finanziertes Medienkonglomerat, über das sie ihre Propaganda verbreiten.

Fehler des russischen Verteidigungsministerium bei der Berichterstattung über ihre Operation in dem Land haben ebenfalls Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit genährt.

Drei Beispiele solch bekannter Fehler bei der öffentlichen Berichterstattung sind folgende:

  • Am 14. November 2017 hat eine offizielle Seite des russischen Verteidigungsministeriums gefälschte Photos (alte Bilder aus dem Irak und eine Bildschirmaufnahme aus einem Videospiel) veröffentlicht, um eine Stellungnahme zur Interaktion zwischen der von den VS geführten internationalen Koalition und den Milizen des ISIS zu illustrieren. Später hat das Verteidigungsministerium behauptet, daß ein Zivilangestellter die falschen Photos dem Bericht beigefügt hätte und der Vorgang untersucht worden wäre.  Allerdings wurden keine Details über das Ergebnis dieser Ermittlungen bekanntgegeben.
  • Im dritten Teil von Oliver Stones Showtime special, “The Putin Interviews”, vom 12 bis zum 15. Juni 2017, hat Putin ein Mobiltelefon herausgeholt, um Stone einen Clip von einem Angriff der russischen Luftwaffe auf Milizen in Syrien zu zeigen. Bei dem gezeigten Video hat es sich um Aufnahmen der Bugkamera eines VS-Kampfflugzeugs bei einem Angriff in Afghanistan aus dem Jahr 2013 gehandelt.
  • Am 24. Oktober 2017 hat der Verteidigungsminister, Sergej Shoigu, erklärt, daß seit dem Beginn der Operation in Syrien 503.223 km2 syrischen Bodens von Terroristen befreit worden sind. Das Problem hierbei ist, daß das syrische Staatsgebiet eine Fläche von etwa 185.185 km2 umfaßt. Shoguis Angaben waren mehr als doppelt so hovh wie das gesamte Staatsgebiet des Landes vor dem Konflikt.

Man könnte diese Vorfälle vermutlich als Informationssabotage beschreiben. Da Putin kein persönliches Mobiltelefon verwendet, hätte irgendwer das Video im Vorfeld vorbereiten können. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums hätte Shogui die deutlich übertriebene Fläche genannt haben können, und irgendwer könnte die offensichtlich gefälschten Photos auf der Seite der sozialen Medien des Verteidigungsministeriums veröffentlicht haben. Hat es ich um äußerst amateurhafte Fehlern oder um vorsätzliche Sabotage gehandelt? Höchstwahrscheinliche hat es sich in all diesen Fällen um grobe Nachlässigkeit oder qualitativ schlechte Arbeit durch Mitarbeiter auf der unteren Ebene gehandelt, die mit der Veröffentlichung von Informationsmaterial bezüglich Rußlands Militäraktionen in Syrien beschäftigt sind.

Auf der Website des russischen Verteidigungsministeriums läßt sich nur ein kleiner Teil von dessen Erklärungen finden. Auf Pressekonferenzen präsentierte Inhalte – Karten, Photos und detaillierte Informationen – werden nicht ins Englische übersetzt und nach Pressekonferenzen nicht auf der Website hochgeladen werden. Die russischen Mainstream Medien, wie Sputniknews und RT, bemühen sich nicht über all die in den Pressekonferenzen dargebotenen Fakten und Details zu berichten. Daher bleibt ein Großteil des Publikums, besonders der englischsprachigen Zuhörer über wichtige dort gelieferte Fakten und Beweise uninformiert. Dieses Situation ist ein weiterer Faktor, der es den westlichen Mainstream Medien, Gelehrten und Experten erlaubt die Schlüsselargumente der syrisch-iranisch-russischen Allianz zu ignorieren und ihre eigene Darstellung zu favorisieren.

Zwei Beispiele hierfür:

Am 25. April 2018 hat der General-Oberst und Verwaltungsleiter des russischen Generalstabs, Generaloberst Sergej Rudskoi, eine Pressekonferenz gehalten, auf der er Details über die Ergebnisse des von der VS-amerikanisch angeführten Raketenangriffs auf Syrien präsentiert hat. Gerneraloberst Rudskoi zeigte eine Präsentation, die Karten mit Örtlichkeiten und Details zum Vorgang des Abfangens sowie zahlreiche Photos der abgefangenen Raketen, inklusive erklärender Kommentare – alles auf russisch. Auch wurden während der Konferenz einige Überbleibsel der abgefangenen Raketen gezeigt.

Nichts von dem von Generaloberst Rudskoi vorgestelltem Inhalt ist nach der Pressekonferenz ins Netz gestellt worden. Nichts von den vorgestellten Inhalten ist ins Englische übersetzt oder von RT, Sputniknews oder irgendeinem anderen Kanal der englischsprachigen, russischen Mainstream Medium detailliert beschrieben worden. Selbst eine detaillierter Fotobericht, der die auf der Konferenz präsentierten Überbleibsel der abgefangenen Raketen zeigt, läßt sich nur schwer in englischsprachigen Berichten über die Veranstaltung finden.

Am 26. April 2018 haben syrische und russische Beamte eine Pressekonferenz in Den Haag gehalten. Wie schon erwähnt, hat sie unter der Überschrift “Präsentation von Stellvertretern des russischen Verteidigungsministeriums und direkt Betroffenen des von den ´Weißhelmen´ am 7. April 2018 im Krankenhaus von Douma aufgenommenen und gefälschten Videos” stattgefunden. Die Pressekonferenz enthielt einen detaillierten Überblick über die Ergebnisse der russisch-syrische Ermittlungen der Ereignisse am 7. April in Douma, inklusive Photos, Videos und Erklärungen von Experten und Augenzeugen. Nichts aus dem Inhalt der zweistündigen Pressekonferenz ist ins Netz gestellt worden. Über die auf der Veranstaltung bereitgestellte Beschreibung des gesamten Vorgangs, einschließlich seiner Fakten und Details erschien kein einziger Bericht in den russischen, englischsprachigen Mainstream Medien.

In Folge dessen waren die westlichen Mainstream Medien in der Lage diese Ereignisse völlig zu ignorieren und westliche Verantwortliche haben sie als reine Propaganda gebrandmarkt, während sie über keine der von der russischen Seite angebotenen Fakten oder Beweise berichtet haben, was ein Beispiel für den traurigen Umstand ist, daß nichts überhaupt existiert, worüber englischsprachige Medien nicht berichten. Ein weiterer Fehler der russischen Medien ist ihre verschwommene Meinung bezüglich privater Kriegsdienstleistungsunternehmen in dem Konflikt. Private Militärunternehmen sind ebenso wie Söldner in Rußland verboten, zumindest offiziell. Allerdings existieren solche Organisationen, und ihre Mitglieder waren für eine gewisse Zeit durchaus an dem Konflikt beteiligt.

Hier ist ein Beispiel dafür, wie die MSM und die Verantwortlichen in den VS diese offizielle Unklarheit ausnutzen:

Am 8. Februar 2018 hat die von den VS angeführte Koalition eine Erklärung herausgegeben, nach der sie am 7. Februar “regimenahe Kräfte” bombardiert hat, die das Hauptquartier der “Demokratischen Kräfte Syriens” im Euphrat-Tal angegriffen haben. Laut Quellen vor Ort haben die Angriffe der VS  die Regierungstruppen in der Region zwischen Khasham (von der Regierung kontrolliert) und dem Gaskraftwerk, CONICO (von den SDF kontrolliert). Von Söldnern unterstützte Regierungsstreitkräfte sollen versucht haben das Gaskraftwerk von den SDF zurückzuerobern.

Das Pentagon hat behauptet, daß die Angriffe defensiver Natur waren. Die russische Seite sagte, daß die VS örtliche Milizen angegriffen hat, welche Operationen gegen den ISIS ausführten. Doch die unterschiedlichen Aussagen sind nicht das Interessanteste

Fast unmittelbar nach den ersten Berichten über die VS-Angriffe begannen die westlichen Mainstream Medien Berichte unbekannter Herkunft zu veröffentlichen, die behaupteten, daß bei den Angriffen zwischen 100 und 300 “Assad-nahen Kämpfer” getötet worden seien. Einige Tage danach verwandelten sich, wieder auf Grundlage unbekannter Quellen, diese 100-300 angeblich “Assad-nahen Kämpfer” in 100 bis 300 “russische Kämpfer” – sprich Söldner. Manche “Experten” und Medienkanäle haben sogar behauptet, daß deren Anzahl viel höher war und sich im Bereich von 600 bewegt hat.

Am 21. April, als Michael Pompeo, der kürzlich zum Außenminister ernannte damalige CIA-Direktor, behauptet hat, daß die VS “einige hundert Russen” getötet haben, nahm die Geschichte ihren weiteren Verlauf. Am 20. April gab VS-Präsident, Donald Trump, eine auf denselben Quellen beruhende Stellungnahme ab und behauptete, daß es ein direktes Gefecht zwischen Vs-amerikanischen und russischen Soldaten gegeben habe, “bei dem viele gestorben sind.”

Diese gesamte Geschichte demonstriert, wie weit sich als Tatsachen wiederholte eindeutige Falschmeldungen der Medien bei einem internationalen Publikum verbreiten lassen. Es existieren seit dem 7. Februar, an dem sich die Angriffe ereignet haben, keinerlei Beweise, die irgendwelche hohen Verluste unter russischen Söldnern bestätigen. 300 oder 600 in Syrien getötete Russen lassen sich nicht verheimlichen. Dennoch sind keinerlei Photos oder Videos der Leichname, ihre Namen oder sonstige Beweise bekannt gegeben geworden. Die Analyse der zugänglichen Daten von sowohl Syrien-nahen als auch den VS-nahen Analysten hat ergeben, daß in der Woche,  in der sich die Angriffe ereignet haben, 5 Russen gestorben sein könnten. Jedoch sind keine Details über ihre Todesursache verfügbar. Quellen in der SAA und anderen regierungsnahen Gruppierungen dementieren solche Opfer unter russischen Söldnern ebenfalls.

Am 14. Februar hat das russische Außenministerium bestätigt, daß fünf “wahrscheinlich russische Staatsbürger” in Syrien getötet sein worden könnten und beschreiben Berichte über hohe Opferzahlen als Falschmeldungen. Die Mainstream Medien wiederholen die Geschichte von den “300-600 getöteten Russen” nun seit fast einem halben Jahr. Dieses Narrativ funktioniert, weil keine offiziellen Daten über russische Söldner in Syrien existieren. Die Mainstream Medien können eine Geschichte ohne tatsächliche Grundlage erfolgreich wiederholen und dabei behaupten, daß der Kreml Hunderte von Opfern verheimlicht, weil die russische Regierung bezüglich Informationen über Aktivitäten von russischen Söldnern in Syrien die Haltung der strategischen Unklarheit beibehält.

Die Russen haben versäumt ihr eigenes Heer an NGOs und Aktivistengruppen aufzustellen, das in der Lage wäre sich der von den Weißhelmen, der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR), Bellincat und anderen angeblich unparteiischen, jedoch von den VS und ihren Verbündeten finanzierten und geförderten Organisationen geführten Medienkampagne  zu widersetzen. Ausschließlich die vielen, hart errungenen militärischen Siege am Boden versetzen das syrisch-iranisch-russische Bündnis in die Lage, die vielen durch den von dem durch die VS angeführten Block und ihrem riesigen Medienarsenal geführten Informationskrieg erlittenen Rückschläge zu kompensieren.

 

DIPLOMATIE

Während der Zeit, in der die Operation in Syrien durchgeführt worden ist, hat Rußland sich inmitten wachsender, durch die VS verursachten Sanktionen, Druck und Spannungen bewegt. Dennoch war Rußland anscheinend in der Lage den Kriegsverlauf zu ändern und sein eigenes diplomatisches Format hinsichtlich einer politischen Lösung des Konflikts zu erarbeiten und umzusetzen.

Die folgende Tabelle gibt einen Einblick in die in den Konflikt involvierten staatlichen und nichtstaatlichen Akteure bezüglich ihrer Beziehungen zu Rußland:

 

Ursprünglich hatten die Russen zwei frühe Versuche für eine Art Vereinbarung mit den VS unternommen, um einen umfangreichen Waffenstillstand in ganz Syrien durchzusetzen und so die so genannte moderate Opposition von den Terrorgruppen, Jabhat al-Nusra und ihren Verbündeten, zu trennen. Diese erste Vereinbarung ist am 22. Februar 2016 verkündet worden. Sie trat am 27. Februar in Kraft. Jedoch machte es im Juli 2016 den Anschein, als ob die VS und ihre Verbündeten ihren Teil des Abkommens nicht erfüllten. Auch die Trennung der moderaten Milizen von denn Terrorgruppen war gescheitert. Außerdem hatten Jabhat al-Nusra und ihre Verbündeten die Zeit genutzt, um sich neu zu formieren und ihre Kräfte in Vorbereitung auf die Schlacht um Aleppo mit Nachschub zu versorgen.

Der zweite Versuch wurde am 10. September 2016 unternommen. Der von den VS und Rußland ausgehandelte Waffenstillstand begann am 12. September. Jabhat al-Nusra, ISIS und andere Terrorgruppen waren erneut von der Einstellung der Feindseligkeiten ausgenommen. Genau zu dieser Zeit erreichte die Schlacht um Aleppo ihr finale Phase. Von Jabhat al-Nusra angeführte Kräfte hatten sich in der Stadt erbitterte Schlachten mit der SAA geliefert und waren nicht gewillt sich an irgendwelche Bestimmungen der Vereinbarung zu halten, weil sie dies als de facto Kapitulation betrachtet haben. Am 3. Oktober erklärten die VS ihren Rückzug von der Vereinbarung und haben das syrisch-iranisch-russische Bündnis beschuldigt diese nicht eingehalten zu haben.

Beide dieser Initiativen für einen Waffenstillstand waren gescheitert, weil die beteiligten Seiten sehr unterschiedliche, von einander abweichende Ziele verfolgten. Die VS haben diese Waffenruhen als Werkzeug zur Behinderung einer Reihe von Siegen der SAA im ganzen Land und als Möglichkeit betrachtet die Regierung Assad an der Befreiung der Stadt Aleppo zu hindern. Es scheint, daß die russische Seite ursprünglich gehofft hat eine bilaterale Kooperation mit den VS beginnen zu können, um den Konflikt zu deeskalieren, die Opposition von den Terroristen zu trennen und Bedingungen zu schaffen, die Jabhat al-Nusra und ISIS einen vernichtenden Schlag versetzten.

Derweil hat die Türkei Versuche unternommen die Beziehungen zur Türkei zu normalisieren. Nachdem die türkische Luftwaffe am 24. November 2015 eine russische Su-24 abgeschossen hat, stationierte Moskau zusätzliche Truppen in Syrien, brach den militärischen Kontakt zur Türkei ab und verhängte schmerzvolle Wirtschaftssanktionen über Ankara. Im Juni 2016, sind Präsident Recep Tayyip Erdogan und der Rest der türkischenFührung zu der Überzeugung gelangt, die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit mit Rußland wiederherstellen zu müssen. Ankara schien in die russische Einflußsphäre zu gelangen, zumindest zu der für beide Seiten gewinnbringenden Beendigung des Konflikts.

Im Dezember 2016 haben die Türkei, der Iran und Rußland angekündigt ein neues Format von Verhandlungen über den Syrien-Konflikt zu beginnen, die in der kasachischen Hauptstadt Astana geführt werden sollten. Die erste Runde der Astana-Gespräche, an denen auch die syrische Regierung sowie ein einigermaßen konstruktives Element der syrischen Opposition beteiligt waren, hat am 23. und 24. Januar 2017 stattgefunden. Die Türkei, der Iran und Rußland haben als Garantiestaaten daran teilgenommen.

Währen der vierten Runde der Astana-Gespräche im Mai 2017 haben Moskau, Ankara und Teheran ein Memorandum über die Einrichtung von Deeskalationszonen in Syrien unterzeichnet, welche die von Milizen gehaltenen Teile der Provinzen Aleppo, Idlib und Hama sowie den Norden von Homs, die Region, Ost Ghouta, und das Gebiet nahe der syrisch-jordanischen Grenze betraf. ISIS, Hayat Tahrir al-Sham und ihre Verbündeten waren von dieser Vereinbarung ausgeschlossen. Dieses Mal hat man sich verständigen können, weil die Garantiestaaten keine unterschiedlichen Ziele verfolgt haben. Die Situation hat sich gefestigt und der Konflikt wurde in bedeutenden Teilen des Landes deeskaliert, während es möglich war die Operationen gegen radikale bewaffnete Gruppen weiterzuführen.

Während sich die Genfer Friedensgespräche schon bald selbst diskreditiert hatten, weil sie sich als Format für eine effektive Veränderung der Situation auf syrischem Boden als nutzlos erwiesen haben, entpuppten sich die Astana-Gespräche als das wichtigste Mittel zur Beeinflussung der vielen involvierten Parteien hinsichtlich einer Lösung oder Deeskalation des Konflikts. Fachspezifisch waren die VS und Israel von den Verhandlungen über die Situation in Zentral-, West- und Nordwest-Syrien ausgeschlossen. Es existieren zwei Ebenen auf denen russische Kontakte mit den VS und Israel stattfinden:

  • Kontakte zur Vermeidung direkter Kampfhandlungen zwischen russischen und israelischen beziehungsweise VS-amerikanischen Streitkräften
  • Kontakte zwischen Israel und Rußland über die Situation in Süd-Syrien, nahe der von Israel besetzten Golanhöhen

Während Israel weiterhin in der Lage ist Luftangriffe gegen ausgewählte Ziele in Syrien zu fliegen, laute diplomatische Stellungnahmen abgibt und damit droht sämtliche Mittel zur Bekämpfung iranischer Streitkräfte in Syrien anzuwenden, hat es derzeit tatsächlich nur sehr wenige Möglichkeiten die strategische Situation zu beeinflussen. Vom Jahr 2015 bis 2018 hat sich die israelische Position in dem Konflikt erheblich verschlimmert. Die Regierung Assad ist weiterhin an der Macht geblieben, und sowohl die politische als auch die militärische Präsenz des Irans in Syrien haben zugenommen.

Am 10. Februar 2018 hat das syrische Militär eine F-16I der israelischen Luftwaffe abgeschossen, die Stellungen oder Einrichtungen der Regierung in Süd-Syrien beschossen hat. Seit dem Jahr 1982 ist dies das erst Mal, daß Israel ein Kampfflugzeug an einen Gegner verloren hat. Trotz der gestiegenen Anzahl israelischen Luftangriffe während der letzten zwei Jahre, hat deren Wirksamkeit abgenommen, und die syrische Flugabwehr hat aktiver darauf reagiert.

Die derzeitige Situation in Süd-Syrien zeigt auch, wie Rußland das israelische Vorgehen auf diplomatischen Wegen einschränkt. Tel Aviv hat wiederholt erklärt, daß jeder syrische Vorstoß in der Region inakzeptabel sei, weil dies dort zu einem weiteren Einsatz iranischer Streitkräfte führen würde. Jedoch hat die SAA dort ohne irgendeine Antwort begonnen dort zu operieren, möglicherweise weil Rußland hierbei geholfen ein sich eine iranische Einmischung verboten hat. Während des gesamten Konflikts war die Haltung der russischen Diplomatie nahe an der der iranischen Führung. Während Rußland und der Iran in vieler Hinsicht gemeinsame militärische Ziele verfolgt haben, gab es bedeutende Unterschiede in ihrer diplomatischen Haltung und besonders der gegenüber Israel. Diese Meinungsverschiedenheiten könnten zu einer Veränderung der Art ihrer Zusammenarbeit bei der Lösung des Konflikts führen, wenn deren militärische Phase beendet ist.

 

ZUSAMMENFASSUNG / AUSBLICK

In militärischer Hinsicht muß das syrisch-iranisch-russische Bündnis zur Erreichung folgender Ziele bestehen bleiben:

  • Zur Vernichtung der in der zentral-syrischen Wüste verbliebenen ISIS-Zellen
  • Zur Erhöhung des Drucks auf Hayat Tahrir al-Sham in den Provinzen Idlib, Latakia und Aleppo innerhalb des Rahmens der während der Astana-Gespräche vereinbarten Deeskalationsvereinbarung

Die russischen Sondereinheiten und Luftstreitkräfte werden die Regierungsstreitkräfte weiterhin bei ihren Schlüsseloperationen gegen die Terroristen unterstützen. Nichtsdestotrotz wird die direkte Beteiligung russischer Streitkräfte abnehmen, während Verhandlungen am Boden und auf der höheren diplomatischen Ebene eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden. Der Sieg über Hayat Tahrir al-Sham in der Provinz Idlib wird eíne zumindest begrenzte Zusammenarbeit mit der Türkei sowie eine umfangreiche humanitäre Operation zur Evakuierung von Zivilisten aus den von Terrorgruppen kontrollierten Gebieten erfordern.

Im Gegenzug werden die VS ihre Arbeit beim Aufbau unabhängiger und der Regierung Assad feindseliger Verwaltungen in den von der Koalition und den SDF gehaltenen Gebieten fortsetzen. Diese Bemühungen werden durch die Situation in den von der Koalition besetzten Gebieten, durch die Spannungen zwischen den von Kurden dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der dort lebenden arabischen Bevölkerung, verbaut. Tatsächlich haben sich die Beziehungen kurdischer SDF-Einheiten zu von den VS unterstützten arabischen Milizen, die ebenfalls Teil der SDF sind, bereits erschwert.

Zur selben Zeit werden die amerikanisch-türkischen Beziehungen über die Frage der militärischen Unterstützung der VS für kurdische Milizen, die den Kern der SDF bilden, zunehmend mehr Reibung erfahren. Ankara bezeichnet diese Gruppen als Terrororganisationen. Die fortgesetzt Unterstützung der VS für kurdische Gruppen kann die Wahrscheinlichkeit engerer Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei sowie die einer engeren Zusammenarbeit zwischen Ankara und Moskau bei der Frage nach einer Lösung des Syrien-Konflikts erhöhen. Ankara wird den Druck auf Washington zur Verlassen ihrer kurdischen Stellvertreter unter allen Umständen erhöhen, und jedem Versuch der VS diesen Tatsachen auszuweichen, wird die Türkei mit einem weiteren Schritt zur Verbesserung wirtschaftlichen und militärischen der Zusammenarbeit mit Rußland beantworten.

Außerdem werden die russisch-türkischen Beziehungen durch große gemeinsame ökonomische und militärische Projekte, einschließlich der TurkStream Gas-Pipeline, dem Kernkraftwerk Akkuyu und dem Geschäft über die S-400 Luftabwehrsystem, gefestigt. Diese Formen der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit werden die Spannungen zwischen Washington und Ankara weiterhin erhöhen.

Die erfolgreiche Operation in Syrien hat die Rolle Rußlands im Nahen Osten generell sehr verbessert, was es ihr nun erlaubt als Mediator in Konflikten zwischen den Nationen zu fungieren. Moskau kooperiert aktiv mit Teheran bei der Unterstützung der Regierung Assads sowie im Kampf gegen den Terror in Syrien. Gleichzeitig war Rußland in der Lage seinem Ansehen als  Weltmacht zum Durchbruch zu verhelfen, die willens und fähig ist mit anderen regionalen Mitspielern, einschließlich Israel, Saudi-Arabien und Katar zu kooperieren um den Konflikt in Syrien beizulegen, womit eine umfangreiche Eskalation oder sogar ein größerer Krieg in der Region verhindert wird.

Während ihres Feldzugs in Syrien hat Moskau seine wirtschaftlichen Interessen gefördert. Präsident Bashar al-Assad und andere Verantwortliche haben wiederholt erklärt, daß Syrien alle Verträge zum Wiederaufbau der Infrastruktur des Landes seien Verbündeten, sprich dem Iran und Rußland , zukommen lassen wird. Russische Unternehmen beteiligen sich schon jetzt an Erdöl- und Erdgas-Projekten in dem Land und bereiten sich darauf vor ihre dortige Präsenz zu auszubauen. Syrien wird, nach dem verheerenden in der Lage sein zum Wiederaufbau fähig sein, und Rußland wird seine wirtschaftliche und militärische Macht in der Region erweitern, während es die ökonomischen Vorteile für seine Bürger im eigenen Land sicherstellt.

Die Operation hat auch zu Rußlands eigener nationalen Sicherheit beigetragen. Wie zu Beginn dieses Videos angemerkt, ist Rußland schon immer Ziel terroristischer Aktivitäten radikaler Gruppierungen gewesen, einschließlich ISIS und Al-Qaida. Einige der westlichen Akteure haben diese Aktivitäten zumindest befürwortet. Es ist bemerkenswert, daß seit dem Jahr 2015 keine großen Terroranschläge mehr innerhalb Rußlands verübt worden sind. Russische Kräfte haben eine hohe Anzahl von Milizen in Syrien eliminiert, die Mitglieder von Terrorgruppen aus seiner südlichen Kaukasus-Region gewesen sind, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gebildet hatten. Dies stellt bereits einen gewaltigen Schlag gegen die noch verbliebenen Zellen dieser in Rußland versteckten Gruppen dar, weil sie ihre erfahrensten und ideologisch motiviertesten Mitglieder in Syrien verloren haben. Die Ausdehnung der militärischen Infrastruktur Rußlands, einschließlich Marine- und Luftwaffenstützpunkten, zeigt, daß Moskau sich in naher Zukunft nicht aus dem Land zurückziehen wird. Rußland wird seine Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus und um die Beilegung des Konflikts mit zahlreichen militärischen und diplomatischen Mitteln fortsetzen.

Quelle: https://southfront.org/russian-military-campaign-in-syria-2015-2018//

Übersetzung©: wunderhaft

Sämtliche, zumeist deutschsprachigen Links wurden zusätzlich eingefügt.

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