The Saker: Zum Verständnis der politischen Ambivalenz Rußlands

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Von The Saker
Übersetzt von wunderhaft

 

The Saker: Making Sense Of Russian Political Ambiguities
Dimitry Medwedew und Wladimir Putin

Einleitung: Die Welt ist nicht Hollywood

Die letzten Wochen waren von etlichen, wahrhaft erschütternden Ereignissen gekennzeichnet, die sich gleichzeitig in den VSA, in Rußland, in Israel, in Syrien, im Iran und in der EU ereignet haben. Ich hielte es für angemessen zu sagen, daß die Spanne der Gefühle der Mehrheit derer, die sich dem anglo-zionistischen Imperium widersetzt haben, von gelinder Enttäuschung bis zu totalem Entsetzen gereicht hat. Ich habe nicht viele Menschen frohlocken sehen, aber wenn es sie gab, waren sie in der Minderheit ( wie bspw. und untypisch, Mikhail Khazin). Solche Reaktionen sind normal, denn wir alle haben Erwartungen, die enttäuscht werden können und es oft werden. Selbst wenn die Nachrichten eindeutig schlecht sind, ist es hilfreich ein paar Dinge im Kopf zu behalten.

Zunächst sind Länder und Ereignisse nicht nicht in Stein gemeißelt. Es handelt sich um Prozesse. Prozesse unterliegen, per Definition, dem Wandel, der Evolution und (noch radikaler) auch Richtungsänderungen.

Zweitens trägt jeder Prozeß in sich selbst den Samen seines eigenen Gegenteils. Das ist, was Prozesse dynamisch macht.

Drittens sind Menschen nicht perfekt. Selbst gute Menschen machen Fehler, manchmal mit tragischen Folgen. Daher wäre es falsch sie in entweder “unfehlbare Helden” oder “erbärmliche Schurken” einzuteilen. Ich würde, in der Tat behaupten, daß jeder Fehler, besonders ein ernsthafter, seinen eigenen Widerspruch in sich trägt, was, im Gegenzug, durch die Schaffung verschiedener Umstände zu einer “Energetisierung” des ursprünglichen Prozesses führen kann.

Alles, was es hierzu zu sagen gibt ist, daß das Leben nicht wie Hollywoodfilm ist, dessen Ende nur 90 Minuten vor uns liegt. Die wirkliche Welt befindet sich mit dem Imperium im Krieg, und in diesem Krieg gibt es, wie in jedem Krieg, Fehler und Verluste auf beiden Seiten. Beide Seiten machen Fehler, und das Resultat dieser Fehler beeinflußt den künftigen Verlauf des Krieges.

Ich würde sagen, daß Rußland in den vergangenen paar Wochen, abgesehen von verschiedenen schlimmen PR-Niederlagen, nicht einen einzigen Fehler begangen hat. Auch würde ich behaupten, daß die Zionisten einige gewaltige PR-Erfolge erzielt haben. Ich werde sie weiter unten aufzählen, jedoch möchte ich Sie darauf hinweisen, daß PR-Niederlagen und -Erfolge nicht dasselbe sind wie greifbare Siege in der realen Welt. Außerdem können PR-Niederlagen und -Erfolge zuweilen nützlich sein, da sie der Welt zuvor übersehene oder mißverstandene Schwächen offenbaren. Schließlich können PR-Niederlagen oder -Erfolge, da sie vorwiegend in der Vorstellungswelt existieren, in der realen Welt tatsächliche Folgen haben, manchmal sogar dramatische.

Der gewöhnliche Chor der Putin-Hasser, die sofort den Endsieg erklärt haben wird vollkommen mißverstanden und ihre Reaktion reflektiert ein infantilen Verständnis von der komplexen Welt, in der wir leben. In der realen Welt kann eine Person wie Putin Fehler begehen (sowohl bei der PR als auch Fehler in der realen Welt), und der Gegner kann hierauf sehr wirksame Gegenangriffe starten, Aber der Ausgang des Krieges wird nicht durch eine einzige Schlacht entschieden. Außerdem bringen sowohl in der Politik als auch in gewöhnlichen Kriegen nicht alle Irrtümer operative oder gar strategische Erfolge mit sich. Während des 2. Weltkriegs hat sich die Wehrmacht in strategischer Hinsicht in der Regel besser dargestellt als die Rote Armee, jedoch waren die Sowjet in operativer sowie strategischer Hinsicht überlegen. Wir alle wissen, welches Ende dieser Krieg genommen hat. Wenn Sie eine gute und aufschlußreiche Analyse über den Unsinn von “Putins Sturz” lesen möchten, empfehle ich ihnen die Lektüre des Artikels, “Russia Betrayed Syria”: Geopolitics through the eyes of a fearful “pro-Russia” Westerner“, von Ollie Richardson.

Das andere Extrem besteht darin, entgegen aller Beweise, zu leugnen, daß Probleme existieren oder Irrtümer gemacht worden sind. Diese Art von sturem Chauvinismus ist tatsächlich so wenig hilfreich, wie Irrtümer unvermeidbar sind, und der erste Schritt sie zu lindern besteht darin sie anzuerkennen. Die extreme Form dieser Art chauvinistischem (pseudo)Patriotismus besteht darin eine Person, die Probleme benennt als Verräter und Defätisten zu diskreditieren. Im Bewußtsein all dessen möchte ich darauf zurückblicken was stattgefunden hat und versuchen zu beurteilen, welche Konsequenzen aus diese PR-Ereignisse auf die reale Welt haben könnten.

 

Teil eins: Putin enttäuscht

Eine schnelle Zusammenfassung: Putin hat Medwedew im Amt bestätigt, Alexei Kudrin zum Vorsitzenden des Rechnungshofes von Rußland und Vitalii Mutko zum stellvertretenden verantwortlichen Ministerpräsidenten ernannt und danach Bibi Netanyahu im Kremel empfangen, während Letzterer unmittelbar vor und während Netanyahus Visite Syrien bombardiert hat. Schließlich gibt es da noch das erbärmliche Hin und Her über die S-300 für Syrien: Erst, ja, wir werden sie liefern. Dann, nein, das werden wir nicht. All diese Ereignisse können, und sollten, sorgsam analysiert und erklärt werden, jedoch denke ich nicht, daß es nicht sinnvoll ist zu leugnen, daß die meisten Menschen über all das enttäuscht sind (abgesehen, selbstverständlich, von den hellen Genies, die behaupten schon immer gewußt zu haben, daß Putin “falsch” gewesen ist, jedoch ist das genau jene Art von “Hollywood-Denken” in die sich jeder wahre Analyst in erster Linie verlieren würde).

Ich würde sagen, daß selbst jene Menschen, die denken, daß dies keine große Sache ist und daß nichts schlimmes passiert ist, wenn sie ehrlich sind, nicht leugnen werden, daß Putin zweifelsohne gewußt haben muß, daß seine Entscheidung in der russischen Öffentlichkeit unpopulär sein würde und daß, was für ihn sehr untypisch ist, er beabsichtigt hat seine eigene öffentliche Beliebtheit zu ignorieren und andere Überlegungen den Vorzug zu geben. Dies ist etwas ausgesprochen Neues und, meines Erachtens, etwas Wichtiges.

Es gibt, grob gesagt, zwei um die Macht rivalisierende Lager im Kreml: Ich nenne sie die Atlantischen Integrationisten (Befürworter) und die europäischen Souveränisten. Die erste Gruppe ist ein reines Produkt aus den 1990ern. Wir können sie uns als “Liberale”, vom Typ, IWF/ Washington treue/WHO/Weltbank-Typen vorstellen: Leute, die dank des Regimes von Oligarchen, das Rußland etwa von den Jahren 1990 bis 2000 regiert hat, an die Macht gekommen sind und die sowohl tief pro-amerikanisch waren als auch sehr enge Verbindungen zu Israel und zahlreichen politischen, jüdischen und zionistischen Organisationen im Westen hatten. Letztere Gruppe ist hauptsächlich ein Produkt des Militärs und der Geheimdienste. Die “Brücke” zwischen den beiden, übrigens, ist der russische militärisch-industrielle Komplex, in dem beide Gruppen vertreten sind. Wenig erstaunlich unterstützen die meisten russischen “Eliten” (die sich schlicht als Menschen definieren lassen, die in den 1990er Jahren und danach zu Wohlstand oder zumindest einem guten Leben gekommen sind) unterstützen die Integrationisten, während die meisten “gewöhnlichen” Russen mit überwältigender Mehrheit die eurasischen Souveränisten unterstützen. Aus diesem Grund ist Putin so beliebt, was Medvedev nie gewesen ist. Interessant ist zu betrachten, wie diese Gruppen mit Israel und dem Zionismus in Verbindung stehen.

In einem früheren Artikel habe ich die komplexe und vielschichtige Beziehung zwischen Israel und Rußland schon betrachtet.

Die atlantischen Integrationisten: Sie sind. kaum verwunderlich, Israel-freundlich bis zum Anschlag. Für sie ist Israel ein total normales, und sogar zu bewunderndes, Land, da sie alle persönliche/familiäre und Geschäftsverbindungen zu Israelis in Israel und den VSA besitzen. Während keine offizielle Version von AIPAC* in Rußland existiert, sagen wir schlicht, daß die ADL* den Integrationisten eine perfekte Plattform für Loyalität und Dienstleistungen bietet.

Die eurasischen Souveränisten: Hier sind die Dinge wesentlich komplizierter. Einige eurasische Souveränisten verfolgen eine zutiefst anti-zionistische Ideologie, während andere sich hierum nicht wirklich kümmern. Aber selbst jene, die Israel nicht schätzen, oder sich heftig gegen die zionistische Einflüsse in Rußland seit den 1990er Jahren und selbst heute noch (besonders in den russischen Medien) wehren, halten es nicht für notwendig viel darüber zu sagen, Warum? Hauptsächlich, weil sie, und meines Erachtens zu recht, denken, daß niemand um für Rußland zu sein (im patriotischen Sinn und aus dem Wunsch nach einem wahrhaft souveränen Rußland) zwangsläufig anti.zionistisch, anti-israelisch oder judenfeindlich sein muß. Außerdem gibt es und gab es immer russische Juden, die ein integraler Bestandteil der russischen Geschichte und Kultur gewesen sind. So wie ich oft für Russen schreibe, daß Muslime keine “Aliens” der Art sind, wie sie von vielen Menschen im Westen wahrgenommen werden, sind Juden keine “Aliens” für Russen. Aus diesem Grund können sie oft auf den folgenden Typus von Russen treffen: Sie werden über all die “jüdischen Gauner und Politiker” meckern und klagen, aber mit “guten” Juden eng befreundet sein. Hierbei handelt es sich keineswegs um Blindheit, denn dies ist der Ausdruck der Tatsache, daß eine Ideologie zu verabscheuen die eine Sache ist, jedoch gegenüber einer Gruppe von Menschen, die sie sehr gut kennen, feindselig zu sein ein völlig unterschiedliches Unterfangen darstellt. Ich werde nie aufhören es zu wiederholen: Rußland ist und war immer eine multiethnische und multireligiöse Gesellschaft, in der die Gegenwart “anderer” schlicht eine Tatsache ist.

Dann gibt es noch den Faktor des 2. Weltkriegs, den die Israelis und die russischen Zionisten gleichermaßen bis zum Äußersten ausgeschlachtet haben: Russen und Zionisten sind in ihrer gemeinsamen Erinnerung an den Horror, der ihnen durch die Nazis auferlegt worden ist, vereint, und ebenso fühlen sie oft, daß Westeuropäer und VS-Amerikaner , nun, vielleicht nicht aufrichtig mitfühlend genug ihrer Pflicht nachkommen, selbst wenn die politische Korrektheit es ihnen gebietet. Als Folge dessen werden Sie erkennen, daß die meisten anti-zionistischen Russen, obwohl ihre Ansichten nicht “ADL-kompatibel” sind, die Nazis und alles wofür der westliche Rassismus steht, nicht weniger hassen, als Juden dies tun. Tatsächlich sagen viele Russen, wenn sie sich mit der modernen Welle fanatischer Russophobie konfrontiert sehen, “wir sind die neuen Juden”, was soviel bedeutet, daß ihnen, jenseits aller Logik und Verstandes, vorgeworfen wird für alles Übel auf diesem Planeten verantwortlich zu sein. Ob es Ihnen gefällt oder nicht, aber die gemeinsame Erinnerung verbindet Russen und Juden auf tiefgreifende Art und Weise.

Ich kann mit bereits den Haß und Ekel vorstellen, die meine vorangegangenen Worte in Judenhassern des Westens auslösen, für die die Welt in zwei Gruppen gespalten ist: Die (guten) Judenhasser und alle, die sich an “die Juden” “verkauft haben” (als ob es einen solchen Einzeller, wie “die Juden” gäbe). Alles, was ich ihnen sagen kann ist: Projiziert Eure eingeschränkte Weltsicht nicht auf andere, besonders nicht auf Rußland. Wenn Ihr das tut, werdet Ihr Rußland niemals “bekommen” und Ihr werdet in der Art sprichwörtlichen Unsinns, wie in “einem Buch mit sieben Siegeln”. steckenbleiben.

 

Teil zwei: Das Imperium schlägt zurück

Die letzten paar Jahre sind für die Zionisten, sowohl in den VSA als auch im Rest der Welt, eine Qual gewesen. Erst kam es zu der vernichten Niederlage ihre Kandidatin in den VSA und zur Wahl eines von ihnen überaus verhaßten Kandidaten. Dann kam es zu der russischen Intervention in Syrien, die sie daran gehindert hat das zu Letzt verbliebene “widerspenstige” Regime in der arabischen Welt zu stürzen. In Rußland haben “ihre” Atlantischen Integrationisten langsam aber sicher an Macht verloren, und insgesamt haben sich die Sanktionen des Westens für Rußland als Segen erwiesen. Putins Beliebtheit hat neue Höhen erklommen und das weltweite “zionistische Haus” stand in Flammen. In den VSA haben die Zionisten mit Lichtgeschwindigkeit und verheerender Wirkung zurückgeschlagen und Trump innerhalb von ca. 30 Tagen gebrochen (wie Trumps Betrug an Flynn und später an Bannon gezeigt hat). Im Anschluß daran ließ Trump AIPAC seinen Vollzeit-Job ein wenig ruhiger gestalten.

Dies jedoch hat ein weiteres Problem hinterlassen: Während die VS wieder unter Kontrolle gebracht worden ist, hat sich Rußland in der Zwischenzeit erfolgreich in die Lage versetzt das gesamte Raketenabwehrsystem der VS unschädlich und einen Großteil ihrer Seestreitkräfte hinfällig zu machen sowie die Fähigkeit der Luftwaffe der VS, in mit moderner russischer Luftabwehr umkämpftem Luftraum zu operieren, stark einzuschränken. Mit anderen Worten, ging hier “Spiel, Satz und Sieg an Rußland”.

[Anmerkung: Jenen, die diese Stellungnahme schockiert und die sie als “russische Propaganda” zurückweisen würden, will ich Folgendes hinzufügen: Die militärische Macht der VS beruht auf folgenden Grundsätzen:

  1. Der Fähigkeit eine Flugzeugträgerflotte überall auf dem Planeten einzusetzen.
  2. Der Fähigkeit diese Flotte vor jedem großen Gegenangriff zu schützen.
  3. Der Fähigkeit jedes Land der Welt mit genügend Raketen und Luftangriffen anzugreifen, um seinen Willen zur Fortsetzung des Kampfes zu brechen.
  4. Der kompletten und totalen Kontrolle des Luftraums (Luftüberlegenheit). Die Streitkräfte der VS trainieren niemals ein Kriegsszenario, in dem sie keine Kontrolle über den Luftraum besitzen und noch weniger eines, in dem der Gegner diese besitzt.
  5. Dem sehr festen Glauben daran, daß kein Gegner es wagen würde große VS-Militärstützpunkte anzugreifen.
  6. Dem sehr festen, quasi religiösen, Glauben an die Überlegenheit der Militärtechnologie der VS.
  7. Der absoluten Gewißheit, daß das Festland der VS niemals durch einen Gegenschlag angegriffen würde.

Keine der obigen Annahmen basiert mehr auf der Wirklichkeit, und, tatsächlich trifft ihr Gegenteil zu. Aus diesem Grund sind die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, wenn sie es mit einem annähernd ebenbürtigen oder ebenbürtigen Gegner zu tun haben, mehr oder weniger nutzlos. Die einzige, äußerst bemerkenswerte Ausnahme bilden die Nuklear-Tirade sowie die U-Boot-Flotte der VS. Die derzeitige Situation in Syrien (und damit indirekt auch des Irans und Rußlands) bringt diese neue Realität schließlich schrittweise ins Bewußtsein der Entscheidungsträger und Militärkommandeure der VS.

Darum gelingt es Rußland, wenn auch nur mit einem kleinen Kontingent, das Blatt im Krieg in Syrien zu wenden und die Anglo-Zionisten nun auch noch mit einer frustrierenden Aufgabe zu konfrontieren: Ein (vergleichsweise) kleines Kontingent der russischen Streitkräfte hat die Pläne des Imperiums für den gesamten Nahen Osten entgleisen lassen: Nicht nur, daß es einen wirklichen Wandel für einen sich ausbreitenden Frieden in Syrien und dem Libanon (einem Schlüssel-Part des israelischen Plans für die Region) gibt, sondern der Iran und Syrien sind nun Bestandteil einer siegreichen Koalition in der sie die “Achse der Gefälligkeit” rundum besiegt haben. Also hat sich Israel zu einem einfachen, sehr effektiven und äußerst gefährlichen Plan einer Gegenoffensive entschlossen: 1) einen Krieg zwischen den VSA und dem Iran durch die Erschaffung einer akuten Krise als Resultat des Rücktritts der VSA von ihren rechtlichen Verpflichtungen zu beginnen und 2) den Iran zu einem Gegenschlag als Antwort auf Israels Luftangriffe auf iranische und dem Iran-freundlichen Truppen in Syrien. Für einen Erfolg dieses Plans müßte Rußland sich jedoch heraushalten.

Bisher sieht es danach aus, als ob die Israelis die Russen davon überzeugt haben, sich herauszuhalten, Wie gut begründet ist diese Annahme jedoch?

 

Teil drei: Faktoren die Rußland blockieren

Zunächst und an erster Stelle, was ich hierzu bereits in der Vergangenheit sehr detailliert erklärt habe. Rußland hat absolut keine rechtliche oder moralische Verpflichtung irgend jemand im Nah-Ost-Konflikt zu unterstützt. Gar keine. Rußland hat bereits mehr für Syrien getan als die gesamte arabisch/muslimische Welt zusammen, mit Ausnahme des Irans und der Hisbollah. Was die arabisch/muslimische Welt angeht, so hat sie bis zum heutigen Tag niemals irgend etwas für Rußland getan. Deshalb haben jene, die darüber jammern, daß Rußland nicht genug tut, keinen, wie auch immer gearteten Grund dafür.

Zweitens hat das russische Luftverteidigungssystem sowie seine Luftwaffe in Syrien nur eine Aufgabe: den Schutz der russischen Sondereinheiten in Syrien. Wer denkt, daß Rußland israelische Flugzeuge oder Raketen abschießen soll, hat den öffentlichen russischen Erklärungen hierzu keine Beachtung geschenkt. Die Vorstellung, daß die russischen Sondereinheiten zur Bekämpfung der Streitkräfte von VS/NATO/CENTCOM in Syrien dienen, ist einfach lächerlich.

Drittens und im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Irrglauben, daß die syrische Regierung, der Iran, die Hisbollah und der Irak im Nahen Osten verschiedene Pläne verfolgen. Ja. es sind de facto Verbündete. Auch haben sie dieselben Gegner und sie arbeiten oft zusammen, jedoch denken sie alle zuerst an ihre eigenen Interessen. Tatsächlich gibt es, zumindest im Fall von Rußland und Iran, klare Anzeichen dafür, daß es verschiedene ´Lager´ innerhalb der russischen und iranischen Regierung und den herrschenden Eliten gibt, die verschiedene Agenden haben (ich empfehle dringend die Lektüre der beiden kürzlich hier und hier von Thierry Meyssan zu diesem Thema veröffentlichten Artikel). Anzunehmen, daß einer oder alle von ihnen sofort zur Verteidigung eines anderen bereitstehen, ist höchst naiv, besonders wenn der Aggressor (Israel) mit der gesamten Kraft eines bereits Amok laufenden kriegstreiberischen Imperiums unterstützt wird,

Viertens ist die traurige Wahrheit, daß Rußland, anders als der Iran, bezüglich der Natur und des Verhaltens des Staates Israels nie klar Stellung bezogen hat. Ich beklage das zutiefst und betrachte es als Schande, aber ich beeile mich anzumerken, daß diese Schande auf jedem einzelnen Land dieses Planeten liegt, mit Ausnahme des Irans, Boliviens und, vielleicht, in gewissem Umfang der Türkei. Nicht um irgend etwas zu entschuldigen, sondern nur der Erklärung halber, sind sich viele Russen der wahren Natur und des Verhaltens der Israelis kaum bewußt, und das meiste von dem, das es in die Medien schafft, ist hoffnungslos Israel-freundlich (eine Folge der fast ständigen Zustimmung von Kedmi, Avigdor Eskin, Evgenii Satanovskii und anderen israelischen Agenten – die sich nicht einmal schämen das zu leugnen – im russischen Fernsehen). Die russischen Medien, besonders die Fernsehsender, könnten glatt ein “Gütesiegel der ADL” erhalten. Einfach gesagt: Die überwiegende Mehrheit der Russen empfinden das Leid der Palästinenser oder die regelmäßigen Angriffe Israels auf benachbarte Länder nicht als ihr Problem.

[Anmerkung: Eine solche Sichtweise mag sehr egozentrisch erscheinen, bis Sie sich an die Form der “Dankbarkeit” erinnern, die Rußland in der Vergangenheit für ihre einstigen Interventionen erhalten hat. Es gibt da draußen Länder, die nur existieren, weil Rußland sich dafür entschieden hat, daß sie existieren sollten, und die heute NATO-Mitglieder sind. Ich werden deshalb nicht nicht näher auf solchen Unsinn, wie etwa die “Slawische Bruderschaft” oder, aus demselben Grund, die “Orthodoxe Bruderschaft”, eingehen. Das einzige Volk, zu dem Rußland starke Bande hat, sind die Serben. Der Rest davon war mehr als glücklich darüber, Rußland so schnell wie bequem verraten zu haben. Daher hat die Geschichte Rußland eine schmerzvolle Lektion erteilt: Gib jegliche naive Vorstellung von Dankbar9keit oder Bruderschaft auf. Sehr traurig, aber wahr. Heute zeigen selbst Länder wie Kasachstan, Armenien oder Georgien ein sehr ambivalentes (und sogar zweifelhaftes) Verhalten Rußland gegenüber. Als Resultat davon, findet die Idee, daß Rußland irgend jemand da draußen irgend eine Form des Schutzes schuldet, nahezu keine Unterstützung in Rußland.]

Fünftens haben die Analysten und Medien der Eurasischen Souveränisten in Rußland diesen absolut verblüffenden “blinden Fleck” gegenüber der israelischen und zionistischen Ideologie: Ich denke über Analysten, die ich aufrichtig bewundere und respektiere (wie Sergei
Mikheev or Ruslan Ostashko) und deren Analysen über so gut wie alles superb sind und die schlicht niemals die Macht und den Einfluß einer deutlich machtvollen,Israel-freundlichen Lobby innerhalb Rußlands, speziell in den russischen Medien erwähnen (selbst wenn sie über die Macht der Israel-Lobby in den VSA sprechen). Wenn ich betrachte, wie verschieden hierzu sich viele Stimmen im russischen Internet hierzu äußern, ist meine einzige Erklärung, für diese Situation, daß in Rußland jegliche anti-israelischen oder anti-zionistischen Äußerungen Karriere-Killer sind (wir können dasselbe Phänomen sogar bei RT und Sputnik beobachten). Daß religiöse Institutionen ihre Stimme hierzu erheben, können Sie komplett vergessen, und das gilt sowohl für orthodoxe als auch für muslimische: Sie alle erhalten ihre Befehle vom Kreml und haben keine persönliche Meinung über irgend etwas (ich spreche hier nur über die “offiziellen” religiösen Führern – das gläubige Fußvolk zeigt solche Verhaltensweisen nicht).

Sechstens gibt es viele Menschen in Rußland, die sich über zwei einfache Sachverhalte völlig im Klaren sind: Erstens wäre ein Krieg zwischen dem Iran und dem Imperium desaströs für das Imperium (und daher großartig für Rußland) und, zweitens sind auch die Iraner bestenfalls “problematische” Verbündete, die ihre eigene Version von “Atlantikern” (denken Sie an die “Gucci Revolution“?) und “Souveränisten” haben, was soviel bedeutet, daß Spannungen oder Krieg zwischen dem Iran und den VSA überaus vorteilhaft für da VS-feindliche Lager innerhalb des Irans wäre (so, wie die fanatische Russophobie mehr zu Putins Wiederwahl beigetragen hat, als irgendeine seiner Wahlkampfreden). Grob gesagt: Wenn die Israelis dumm genug sind den Iran anzugreifen, und die Amerikaner unterwürfig genug sind Israel in diesem Kampf beizustehen – warum sollte Rußland riskieren hierbei offen im Weg zu stehen? Letztlich wird jeder Konflikt mit dem Iran (an dem sich höchstwahrscheinlich auch Saudi-Arabien beteiligen wird) den Erdölpreis in die Höhe schießen lassen.Welche Effekt wird das, Ihrer Meinung nach, auf die russische Wirtschaft haben?

Siebtens ist der Krieg, den Israel gegenwärtig gegen den Iran und pro-iranische Kräfte führt, lediglich ein symbolischer Krieg. Selbst das Flugabwehrsystem*, das kürzlich (mit der üblichen, zusätzlichen pro-israelischen PR-Kampagne) zerstört worden ist, war nicht einmal im Gefechts-Modus: Die Einheit war nicht einmal getarnt und ihre Besatzung hat herumgestanden und geraucht. Die Israelis sind die Herren und bringen dies sehr eindrucksvoll und heldenhaft zum Ausdruck, aus militärischer Sicht ist das allerdings unsinnig: Sie haben eine Einheit getroffen, die nicht einmal Bestandteil der Kampfhandlung war (woraus auch immer diese “Kampfhandlung” bestanden haben soll).

Die Grundregel der Kriegsführung hat nach wie vor Gültigkeit: Solange du keinen Fuß auf gegnerischen Boden setzt, werden deine Bemühungen niemals einen entscheidenden militärische Wirkung haben. Und sei Gott für den Umstand gedankt, daß niemand in der “Achse der Gefälligkeit” über irgendwelche glaubwürdigen Bodentruppen verfügt: weder die Israelis (denken Sie an das Jahr 2006*?) noch die Saudis (blicken Sie in den Jemen) und am allerwenigsten die VSA (wann haben die zuletzt jemand besiegt, der in der Lage gewesen ist sich zu wehren?). Das ist der Grund, wieso das anglo-zionistische Imperium stets bemüht ist Stellvertreter, wie die Kurden oder die “guten Terroristen”, für sich kämpfen lassen. Daher begreifen die russischen Militärexperten, daß die Israelis, selbst wenn sie Syrien für die nächsten paar Monate bombardieren würden, nicht in der Lage wären das Kräfteverhältnis am Boden zu verändern, weshalb ihre Angriffe weitestgehend PR-Zwecken dienen. Aus all diesen und weiteren Gründen, müssen wir uns mit der Tatsache befassen, daß Rußland, wie ich es nennen würde, ein “begrenzter Akteur” im Nahen Osten ist. Ich habe vom ersten Tag an – als andere über nahe Damaskus landende (durch MiG-31 unterstützte!) russische Luftwaffendivisionen spekuliert haben – gesagt, daß “die Russen nicht kommen werden” (siehe hier, hier, hier, hier, und hier). Außerdem habt ich versucht zu erklären, daß die Russen keinesfalls und nirgendwo verpflichtet sind irgendwen im Nahen Osten zu beschützen oder zu retten (siehe hier). Schließlich habe ich zu erklären versucht, daß die russisch-israelische Beziehung eine vielschichtige und komplexe ist (siehe hier), und daß sich Putin einer gewaltigen internationalen Opposition gegenübersieht, der erfolgreich zu begegnen ihm mißlungen ist (siehe hier). Jedoch ist der Versuch, einen komplexen Umstand zu beschreiben, eine oft aussichtslose Aufgabe in einer Welt, in der die simple und binäre Art der Darstellung in Schwarz und Weiß die Regel ist und in der jedes komplexe Argument umgehend zu einer langen Liste von Fehlinterpretationen führt, was bei den jüngsten Entwicklungen ganz besonders der Fall ist.

Diejenigen, die sagen, daß “Putin ausverkauft ist” liegen genauso falsch wie jene, die denken, daß “die Russen kämen”, um irgend jemanden zu retten. Das wird schlicht nicht geschehen. Rußland wird keinen Krieg mit Israel ausfechten (sofern sie nicht zuerst angegriffen wird), und Rußland wird die Operationen und die Strategien des Iran nur so lange unterstützen, wie der Iran verhandlungsbereit ist und sie ihre Bemühungen gemeinsam koordinieren. Sobald der Iran oder die Hisbollah einen Schritt ohne vorherige Beratungen mit Moskau macht, werden sie die Konsequenzen allein zu tragen haben.

 

Teil vier: wird Rußland auf den Druck des Westens und Israels klein beigeben?

Abgesehen von der Rolle Rußlands im Nahen Osten, bleibt die offene Frage, warum Putin nicht dem klaren Mandat des russischen Volkes gefolgt ist, die am meist gehaßten Persönlichkeiten innerhalb der russischen Regierung loszuwerden. Die meisten Menschen im Westen wissen, wie giftig Kudrin* ist, die Beförderung von Mutko* jedoch, ist nicht minder erstaunlich. Das ist der Mann, der für das schwerwiegende Mißmanagement des gesamten “russischen Doping-Skandals” die größte Verantwortung trägt, und der für seine Inkompetenz vollkommen verachtet wird. Nun ist er für die Bauindustrie verantwortlich. Es gibt hierüber sogar einen guten Scherz: Putin und Mutko sind für die Bauindustrie verantwortlich, weil die russische Bauwirtschaft dringend gedopt werden muß. Sicherlich lustig, aber nur bedingt. Wenn ich bedenke, daß Rogosin* für seine “schlechte Verwaltung” abgesetzt (und nun für die russische Raketen- und Weltraumindustrie verantwortlich ist) und Mutko befördert worden ist, frage ich mich ob die im Kreml alle verrückt geworden sind. Wir alle können bis zum Überdruß darüber diskutieren, warum das geschehen ist, jedoch lassen Sie uns zuerst auf die simple Tatsache einigen, daß es Putin nicht gelungen ist die Atlantischen Integrationisten zu eliminieren. Die vom Volk an ihn gestellten, durch sein starkes persönliches Mandat gekennzeichneten hohen Erwartungen, sie schließlich aus dem Amt zu jagen, haben sich als völlig unbegründet erwiesen. Hierzu sind eine Reihe interessanter Erklärungen, wie die folgenden, im Umlauf:

  • Objektiv betrachtet, hat die Regierung Medwedew für die Wirtschaft recht ordentliche, wenn nicht gute Arbeit geleistet. Sicherlich glauben einige/víele, daß Fehler gemacht worden sind und eine bessere Wirtschaftspolitik möglich wäre, jedoch wäre es kaum möglich zu behaupten, daß die Regierung völlig versagt hat. Tatsächlich gibt es einige sehr starke Argumente, die für die Regierung Medwedew sprechen (siehe diesen Artikel, der hierauf im Detail eingeht und hier die maschinelle Übersetzung und diesen Artikel sowie dessen maschinelle Übesetzung).
  • Putins seht ambitioniertes Wachstumsprogramm für die Binnenwirtschaft benötigt die Unterstützung der von den Atlantischen Integrationisten vertretenen Interessen. Tatsächlich sind Binnenwirtschaft und wirtschaftliches Wachstum der Kern seines ehrgeizigen politischen Programms. Möglicherweise ist es nicht die beste Zeit den Kreml von denjenigen zu säubern, die die Interessen russischer Großkonzernen vertreten.
  • Der “Medwdew-Clan” ist geschwächt worden (siehe hier nach den Details) und nun, da er an eine wesentlich kürzere “technokratische” Leine gelegt worden ist, ist er weit weniger gefährlich. Tatsächlich ist er von Putin und seinen Verbündeten gebändigt worden. Übrigens, Lavrov und Shoigu bleiben beide im Amt.
  • Trumps rücksichtsloses Verhalten hat die Europäer tief brüskiert, denen Putin nun Verhandlungspartner anbietet, denen diese vertrauen würden (stellen Sie sich Merkel und Rogosin in einem Raum vor – das ginge nich gut!). Sehen Sie sich diesen exzellenten Artikel von Frank Sellers in The Duran an, der das gewaltige Potential einer russisch-europäischen Zusammenarbeit thematisiert.

Egal, ich persönlich bin nicht davon überzeugt. Wie kann Putin sagen, daß er ernsthafte Reformen anstrebt, solange er exakt dieselben Leute an der Spitze läßt? Wenn die Regierung Medwedew tatsächlich so großartige Arbeit geleistet hat, warum gib es dann überhaupt irgendeinen Bedarf an großen Reformen? Wenn Putins Macht tatsächlich im Volke begründet ist, was meiner Meinung nach der Fall ist, warum versucht er die Finanzeliten durch das Bedienen ihrer Interessen und Agena zu besänftigen? Und am wichtigsten, wie kann Rußland sich selbst aus dem finanziellen und wirtschaftlichen Griff des Imperiums befreien, wenn die Agenten der 5. Kolonne des Imperiums in Schlüsselpolitionen (wieder)berufen worden sind? Und in ganz Rußland soll es wirklich keine qualifizierteren Leute als Mutko oder Kudrin geben, um diese Positionen zu besetzten?

Mit Sicherheit weiß dieser “Putin etwas, das Sie nicht wissen”, jedoch habe ich immer schon ein Problem mit dieser Form von Logik gehabt, die im Wesentlichen aus einem ergebnisoffenen Rückzieher besteht. Ich hoffe mich zu irren, für mich jedoch deutet das stark darauf hin, daß Putin auf dem Rückzug ist, daß er einen großen Fehler begangen und das Imperium einen großen Sieg errungen hat. Und ich gebe gerne zu, daß ich bisher noch keine Erklärung, außer meiner eigenen, gehört habe, die das erklären würde.

Ist Rußland an der Auslandsfront unter israelischen Druck geraten? Ruslan Ostashko liefert eine sehr gute Analyse, warum dies kaum der Fall sein kann:

Ja, Netanyahu *hat* mit seinen wiederholten Angriffen auf Syrien Putin eine lange Nase gedreht (die berühmte israelische Chutzpe für Sie am Werk!) und ja, es war ein schmerzlicher Anblick und ein PR-Desaster Putin mit Netanyahu dinieren zu sehen. Aber hat Israel Rußland substantiell dazu gebracht den Iran zu “betrügen”? Nein, und zwar nicht weil die Rußen so heldenhafte Prinzipien haben, sondern weil Israel Rußland wirklich nichts zu bieten hat. Alles, was Israel besitzt ist eine mächtige pro-israelische Lobby innerhalb Rußlands, das ist wahr. Aber je mehr von diese Lobby in Erscheinung tritt, desto mehr Fragen werden die Eurasischen Souveränisten stellen.

Die Israelis wollen bestimmt nicht den Eindruck erwecken, daß sie Rußland auf die gleiche Art steuern wie sie das mit den VSA tun, und Netanyahus jüngster Empfang beim Kreml hat für einiges Stirnunzeln gesorgt und der Eindruck, daß Putin vor den Forderungen dieses arroganten Bastards eingeknickt ist, hilft Putin, milde gesagt, nicht. Eine Menge russischer Analysten (Viktor Baranets, Maksim Shevchenko,
Leonid Ivashov) fragen sich, welcher Art die von Netanyahu gegenüber Putin benutzten Argumente waren, und die Liste der Möglichkeiten ist eine ausgesprochen wenig inspirierende.

 

Teil fünf – eine weitere Wahrheit: es besteht ein Unterschied zwischen exzellent, gut, durchschnittlich, schlecht und grauenhaft

Sogar die Situation in Rußland selbst hat sich zum Schlechteren gewandelt, was wohl kaum ein Grund dafür sein kann, sich an der gewöhnlichen “Putins-Ausverkauf-Hystery” zu beteiligen oder zu erklären, daß “Rußland eingeknickt ist”. Selbst wenn die Dinge schlecht stehen, gibt es einen großen Unterschied zwischen schlecht und schlimmer. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist Putin nicht nur die bestmögliche Wahl als russischer Präsident, sondern Rußland bleibt weiterhin der wirkliche Anführer des Widerstands gegen das Imperium in Europa. Noch einmal, dem Schwarz-Weiß-Denken a la “Hollywood” mangelt es an der dynamischen Natur der Ereignisse. Beispielsweise ist mir völlig klar, daß sich allmählich eine neue russische Opposition bildet. Im Grunde hat sie, tatsächlich, schon immer existiert – ich spreche von Leuten, die Putin sowie die russische Außenpolitik unterstützt haben und mit Medwedew und russischen Innenpolitik nicht einverstanden gewesen sind. Nun werden die Stimmen derer, die sagen, daß Putin in seiner Haltung gegenüber dem Empire zu nachgiebig ist nur lauter werden. Gleichzeitig werden auf jene Stimmen lauter, die von einem wirklich giftigem Maß an Vetternwirtschaft und Patronage im Kreml sprechen (noch einmal, Mutko ist hierfür das perfekte Beispiel). Wenn solche Vorwürfe aus den Mündern fanatischer, pro-westlicher Liberaler stammten, hätten sie wenig Zugkraft, wenn sie jedoch von von patriotischen oder sogar nationalistischen Politikern (wie bspw. Nikolai Starikov*) stammen, beginnen sie eine andere Dimension einzunehmen. Während, beispielsweise der Hofnarr, Schirinowsky*, und seine Partei, LDPR*, Medwedew loyal unterstützten, haben die kommunistische Partei* und die Partei Gerechtes Rußland* dies nicht getan. Ungeachtet des Umstands, daß politische Spannungen rund um Figuren wie Kudrin und Medwedew irgendwie gelöst wurden (vielleicht ein fristgerechter Skandal), beobachten wir das Wachstum einer wirklichen Oppositionsbewegung in Rußland, die nicht vom Empire gesteuert wird. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Putins Beliebtheit beginnen wird zu sinken, und wie er auf die Entstehung einer solchen tatsächlichen reagieren wird. Vieles wird von der weiteren Entwicklung der russischen Wirtschaft abhängen. Wenn die russische Wirtschaft, aufgrund der größenwahnsinnigen Politik Trumps gegenüber dem Iran und der EU einen massiven finanziellen Aufschwung (durch hohe Energiepreise) erfährt, werden sich die Verhältnisse vermutlich stabilisieren. Wenn jedoch die europäischen Führer kleinlaut einknicken und sich an den Sanktionen gegen den Iran beteiligen, und wenn es den VS gelingt sogar weitere Sanktionen über Rußland zu verhängen, dann wird sich die Regierung Medwedew einer ernsthaften Krise gegenübersehen und die von Putin versprochene Wiederbelebung der Wirtschaft wird in einem fatalen Mißerfolg enden, wobei sich die schlechten Umstände sogar zum Schlimmeren entwickeln könnten. Was die Gegenwart betrifft, sind unsere stets tapferen Europäer sehr damit beschäftigt den jüngsten Eurovision-Preis an eine[n] Israeli[n] zu übergeben (Eurovision-Preise werden immer an Länder übergeben, welche die Führer der EU unterstützen wollen), während dieselben Israelis die neue VS-Botschaft in Jerusalem mit der Ermordung von 55 Palästinensern feiern (und versprochen haben viele weitere zu töten). So lassen Sie mich einfach sagen, daß ich nicht sehr viel Hoffnung habe, daß sich die Europäer in absehbarer Zeit ein Rückgrat, ein Paar Eier und ein Hirn wachsen lassen oder sich zumindest nur ein bißchen Moral aneignen. Aber vielleicht werden sie gierig genug sein, um einige der am meisten empörenden Forderungen der VS zurückzuweisen? Vielleicht. Hoffentlich. Schließlich hat die gleichgültige Unterwürfigkeit der Europäer gegenüber den VSA die EU bereits Milliarden an Dollar gekostet.

 

Teil sechs: Der Umgang mit dem S-300-Fiasko

Das gesamte S-300-Geschäft war für war für Syrien ein häßliches Chaos, aber, noch einmal, eher auf der PR-Ebene als in der realen Welt. Das ständige, “wir werden liefern, nein, werden wir nicht, ja, werden wir, nein, doch nicht”, hat einen schrecklichen Eindruck hinterlassen. Die Erklärungen für dieses Hin und Her machen die Dinge nur noch schlimmer. Werfen wir einen Blick auf die Worte derjenigen, die dieses Hin und Her nicht mißbilligt haben. Ihre Argumentation war, mehr oder weniger, folgende:

  • Die S-300 würden die israelische Luftwaffe nicht nur über Syrien, sonder auch über dem Libanon gefährden. Das ist zu viel des Guten, weil Rußland nie nach Syrien gegangen ist, um Krieg gegen Israel zu führen. Also ist die gesamte Idee der Lieferung von S-300 nach Syrien in erster Linie eine schlechte gewesen.
  • Syrien braucht die S-300 in Wirklichkeit nicht. Lawrow und andere halten die S-300 für eine Bedrohung (weil die Israelis diese Systeme wirklich fürchten), aber in Wahrheit benötigt Syrien Buk-M2E (siehe diese russischsprachige Analyse und ihre maschinelle Übersetzung).
  • Die Russen haben ein Abkommen mit Israel geschlossen und im Gegenzug für das Ablehnen der Lieferung von S-300 (siehe diese russischsprachige Analyse und ihre maschinelle Übersetzung) erhalten sie etwas sehr greifbares. Israel wird die Unterstützung der “guten Terroristen” in Syrien beenden und es hierdurch für Damaskus viel einfacher machen diese zu erledigen.

Mir gefallen diese Argumente nicht besonders gut mit Ausnahme des zweiten. Zunächst bin ich auch der Meinung, daß die Buk-M2E ein sehr modernes und leistungsfähiges System mit einigen Vorteilen gegenüber dem S-300-System in dem syrischen Kontext ist, aber ich würde noch hinzufügen, daß der niederträchtige Satz, “Syrien hat alles was es benötigt”,eine absolut schreckliche und skurrile Erklärung ist (lesen Sie Marko Marjanovićs vernichtende Kritik darüber in seinem Artikel, “Israel Took out a Syrian Pantsir Air Defense Unit, S-200 Radars. Russia: ‘No S-300 Transfer, Syria Has All It Needs
für den Russia Insider). Ich denke, daß dieses “Syrien hat alles, was es benötigt, ein weiteres dieser selbst erschaffenen PR-Desaster ist und eine absolut lächerliche Erklärung darstellt, wenn man einen Schritt tiefer geht.

Wenn der Satz “Syrien hat alles, was es benötigt” bedeuten soll, daß “Syrien keinen Bedarf an anderer Hilfe hat” oder “die syrische Luftabwehr mit jedem israelischen oder VS-amerikanischen Angriff umgehen kann” – ist das völliger Unsinn. Einverstanden. Aber wenn Sie den Satz umformulieren und sagen, “Syrien hat alle Waffentypen, die es benötigt”, dann denke ich, daß dies grundsätzlich stimmt. Das mit Abstand wichtigste Luftverteidigungssystem für die Syrer ist die Pantsir-S1, nicht die S-300 oder irgend ein anderes System.

Ich habe schon im Juni letzten Jahres eine Kolumne für Unz Review mit dem Titel “Russia vs. America in Syria” geschrieben, die ein Kapitel mit der Überschrift “Vergessen Sie die S-300 und S-400, denken Sie an Pantsir” trägt. Ich schrieb das zu einer Zeit, als die meisten Beobachter dem Pantsir-System überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt haben, und die ganze Welt von S-300 und S-400 besessen zu sein schien. Ich denke immer noch, daß Pantsir der Schlüssel für den Ausgang des Kampfes um den syrischen Luftraum ist. Jedoch mögen Syrien und der Iran viel mehr davon benötigen. Grundsätzlich wäre die Idealsituation in ganz Syrien zahlreiche russische, iranische und syrische Pantsirs zu stationieren, die alle in das bereits bestehende russische Langstreckenradar integriert und durch moderne Mittel der elektronischen Kriegsführung unterstützt werden. Mit genügend stationierten Pantsirs in ständiger, voller Alarmbereitschaft (nicht wie das, was die Israelis kürzlich zerstört haben) und vollständig in ein einziges Luftabwehr-Netzwerk eingebunden, wären die Syrer in der Lage zu relativ geringen Kosten eine sehr robuste Luftverteidigung aufzubauen, ohne den Israelis hochwertige und lukrative Ziele zu bieten.

Pantsirs können auf die meisten VS-amerikanischen und Israelischen Bedrohungen reagieren, selbst wenn sie keine weit entfernten Flugzeuge angreifen können (daher der Hinweis einige Buk-M2Es zu stationieren, um diese Fähigkeit annähernd zu erreichen), In Wahrheit wurde die S-300 nie dazu entworfen, um mehr oder weniger autonom zu operieren oder Marschflugkörper abzufangen. Ja, sie *können* das, jedoch wurden sie dazu entworfen, um mit weit entfernten hochwertigen Zielen innerhalb eines vielschichtigen Systems umzugehen, das viele andere Systeme, wie Buks, Tors, Pantsirs und selbst Ein-Mann-Boden-Luft-Raketensysteme, wie Iglas und Verbas, umfaßt. Ein solches, vielschichtiges Luftabwehrsystem gibt es derzeit in Syrien nicht, und es würde viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen, um es dort zu stationieren. Demgegenüber können Pantsirs vollautomatisch operieren, jedes Ziel bis zu einer Entfernung von 50 Kilometern erfassen, verfolgen und in einer Entfernung von 20 Kilometern angreifen sowie sich selbst und andere mit 30 mm Kanonen bis zu einer Entfernung von 3 Kilometern schützen. Das macht sie zu einem außergewöhnlich effektiven und überlebensfähigen Luftabwehrsystem, das relativ leicht zu verbergen, zu stationieren und ohne Vorwarnung für den Gegner einzusetzen ist. Übrigens kann Pantsir sowohl seine 30mm-Kanone als auch seine Raketen gegen auch gegen Bodenziele, einschließlich gegen Panzer einsetzen. Kein anderes Luftabwehrsystem kann sich einer solchen Kombinationsfähigkeit rühmen.

Rußland muß so viele dieser Pantsir-S1 Systeme wir physikalisch möglich an Syrien liefern. Eine große Anzahl an Pantsirs in Syrien würde Israel und den VSA weit mehr Kopfzerbrechen bereiten, als ein paar wenige S-300. Derzeit gibt es etwa 40 -60 dieser Pantsir in Syrien. Das sind viel zu wenige, hinsichtlich der Dimension der Bedrohung und des Bedrohungspotentials. Diese Anzahl muß zumindest verdoppelt werden.

Allerdings, und unabhängig von den tatsächlichen technischen und militärischen Aspekten dieser Angelegenheit, hat das russische Hin und Her der Welt einen schrecklichen Eindruck hinterlassen: Die Israelis greifen einen russischen Verbündeten an, woraufhin die Russen versprechen etwas dagegen zu unternehmen, dann reist Netanyahu nach Rußland, und Putin knickt widerspruchslos ein. Das alles ist eine selbstverschuldete politische Ohrfeige und ein weiterer Fehler von Putin und anderen russischen Führern.

Freilich war hier der Hauptfehler der Russen S-300-Lieferungen an Syrien *jemals* erwähnt zu haben.

 

Teil sieben: Die Lektion aus dem göttlichen Sieg – Überleben bedeutet den Sieg

Im Jahr 2006 hat die Hisbollah Israel eine massive und äußerst demütigende Niederlage zugefügt. Dennoch existieren einige sehr gute Hinweise darauf, daß das alles durch einen Fehler begonnen hat. Nicht durch Israel, durch die Hisbollah. Sehen sie sich diese nun oft in Vergessenheit geratene Erklärung des Generalsekretärs der Hisbollah, General Hassan Nasrallah an:

“Wir haben nicht gedacht, weniger als ein Prozent, daß diese Gefangennahme zu dieser Zeit zu einem Krieg dieses Ausmaßes führen würde. Sie fragen mich, ob ich es getan hätte, wenn ich am 11 Juli gewußt hätte … daß die Operation zu einem solchen Krieg führen würde? Ich sage nein, absolut nicht.”

Erstaunlich, nicht wahr? Hassan Narrallah hat diese Worte nach dem grandiosen Sieg über die “unbesiegbare Tsahal” gesprochen. Die Wahrheit ist, daß die Hisbollah die Gewalt und das Ausmaß des israelischen Angriffs unterschätzt hat. Und nicht nur das, sondern Israel hat nicht eine Handbreit seines Territoriums verloren, während der gesamte Libanon, nicht nur der Süden, brutal bombardiert worden ist und eine Menge Zivilisten gestorben sind. Die Hisbollah hat ein paar “unzerstörbare Merkava-Panzer” zerstört und hätte fast das israelische Flaggschiff versenkt. Aber gemessen an dem von den Israelis angerichtetem Schaden und Leid, war das nichts. Selbst die Raketen der Hisbollah hatten nur vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die israelische Bevölkerung (meist nur die typische israelische Panik). Und dennoch, selbst wenn Politiker das nicht zugeben wollen, war beiden Seiten eindeutig klar: Die Hisbollah hatte einen “Göttlichen Sieg” errungen, während Israel die schrecklichste Niederlage seiner Geschichte erlitten hat. Warum? Aus einem sehr einfachen Grund: Die Hisbollah hat überlebt.

Das ist es und das ist wesentlich. Olmert und seine Trottel hatten sich vorgenommen die Hisbollah zu vernichten (oder zumindest zu entwaffnen). Das ist, was Trump wahrscheinlich mit der Islamischen Republik Iran versucht, und das ist, was das anglo-zionistische Empire mit Rußland versucht: sie zu vernichten.

Wenn die Ziele so definiert sind, dann ist die Definition von Sieg ebenfalls offenkundig: Überleben. Darum geht es.

Um Israel, die USA oder das gesamte Empire zu besiegen, besteht für die Hisbollah, den Iran oder Rußland nicht die Notwendigkeit eine Flagge auf dem Gebäude mit der größten Symbolkraft des Feindes zu hissen, wie es die sowjetischen Soldaten in Deutschland taten. Alles was sie tun müssen, um zu gewinnen, ist einfach zu überleben, weil das Überleben der anderen Seiten auf ihrer Vernichtung basiert, es ist wirklich so simpel. Israel kann den Sieg so lange nicht erklären, wie die Hisbollah existiert, die VSA können die Weltherrschaft nicht erklären, wenn der Iran ihr offen trotzt, und das anglo-zionistische Empire kann nicht die Weltherrschaft über unseren Planeten erklären, solange die zivilisatorischen Gefilde Rußlands sie offen anzweifeln. Während es sich also bei all dem Gerede darüber, daß die Iraner “Israel von der Landkarte tilgen” wollen, nur um eine typische ziomediale Erfindung handelt, stimmt es, daß die Hisbollah, der Iran und Rußland durch ihre bloße Existenz eine existentielle Bedrohung für Israel, die VSA und das Empire darstellen.

Das ist die größte und fatale Schwäche des anglo-zionistischen Empires: Sein Überleben hängt von der Kolonialisierung oder der Zerstörung jedes anderen Landes dort draußen ab. Jedes unabhängige Land, ob groß und mächtig oder klein und schwach, repräsentiert eine unakzeptable Herausforderung für die “unersetzbare Nation” und das “auserwählte Volk”, die derzeit versuchen über uns alle zu herrschen. Das mag das ultimative Beispiel für die in der Geopolitik wirkende Hegelsche Dialektik sein: Ein Imperium, das seinen eigenen Untergang betreibt. In der Geschichte sind viele Imperien entstanden und verschwunden, in einer globalisierten Welt jedoch, in der wir leben, nimmt die Möglichkeit dialektischer Widersprüche, durch die eingeschränkten Bedingungen, in denen Imperien operieren müssen, ungeheuer zu.

 

Schlußfogerung eins: die Unterstützung für Putin und Rußland darf nur bedingt geschehen

Während der letzten paar Jahre haben sowohl Putin- als auch Rußland-Hasser den Untergang und alle Formen von Betrug durch Putin und Rußland (oder die Russische Föderation, Syrien, den Iran etc.) vorhergesagt. Dann verstrich einige Zeit, und sämtliche ihrer Vorhersagen haben sich als falsch erwiesen. Anstatt zu reden, haben die Russen gehandelt, was die Neinsager widerlegt hat. Dieses Mal allerdings habe die Russen eine Reihe von Dingen gesagt und getan, die den Putin-Hassern *eine Menge* Nahrung gab, und der einzige Weg um sie eines Besseren zu belehren besteht darin, konkrete Schritte zu unternehmen. Gerade jetzt steht Rußland, auf Grund dieser selbstverschuldeten PR-Desaster sehr schlecht da, sogar innerhalb Rußlands, wo viele Putin.-Unterstützer verwirrt, verängstigt und unzufrieden sind.

Im Ausland müssen die Syrer und speziell die Iraner zu dem Schluß kommen, daß Rußland ein unvollkommener Verbündeter ist, einer, der in der Lage ist zu helfen, jedoch immer seine eigenen Interessen über andere Überlegungen stellt. In einer persönlichen E-Mail schrieb mir Eric Zuesse: “Ich denke, daß Putin und Netanyahu darüber verhandeln, wie weit Israel gehen kann, und was Rußland bereit ist zu akzeptieren – und welche Form der gegenseitigen Zusammenarbeit in Zukunft möglich ist – wodurch die rote Linie der Akzeptanz beider Seiten entsteht.” Ich denke, er hat es auf den Punkt gebracht, jedoch denke ich auch, daß Putin bei dem Versuch mit Israel zu verhandeln einen Fehler macht, besonders wenn der Deal zu Lasten des Iran geht. Ostashko lag richtig. Objektiv hat Israel Rußland sehr wenig zu bieten. Aber wenn diese Art der Zusammenarbeit zwischen Rußland und Israel sich fortsetzt, besonders wenn der Iran angegriffen wird, dann wird er wissen, daß die Israel-Lobby innerhalb Rußlands hinter dieser Politik steckt, die Rußlands nationalen Interessen widerspricht. Wir werden das bald herausfinden.

In der Zwischenzeit kann Lawrow nicht versuchen eine Vereinbarung mit Israel zu treffen und, zur selben Zeit, den “Plan der VS zur Stationierung arabischer Truppen in Syrien als ´Verletzung von dessen Souveränität´” beklagen! Wie steht es mit der niemals endenden Verletzung der syrischen Souveränität durch Israel? Wieso ist diese weniger abscheulich als die, welche die VSA verübt? Sind solche Erklärungen nicht grundsätzlich scheinheilig?

Wir können hier ein Paradoxon beobachten: Putin hat die teuflische Sittenlosigkeit der westlichen Gesellschaft sowie die imperialistische Politik vielfach kritisiert (am bekanntesten in München und vor den Vereinten Nationen). Aber Putin hat nie ein Wort über die teuflische Sittenlosigkeit des Staates Israel verloren. Und daher ist Israel der Schwerpunkt, die Verknüpfung, des gesamten anglo-zionistischen Imperiums, speziell seit die Neokonservativen Trump zu ihrem unterwürfigen Lakaien gemacht haben. Auf diesem und auf so vielen anderen Gebieten sollte Rußland dem Beispiel des Irans folgen, dessen Führer mehr Moral und die Gültigkeit politischer Grundsätze gezeigt haben, obwohl der Iran viel kleiner und vergleichsweise schwächer als Rußland ist.

Im Jahr 2006 haben ungefähr tausend Mann der Hisbollah es gewagt dem gesamten anglo-zionistischen Empire zu trotzen (die VS haben, wie immer, Israel bis zum Anschlag unterstützt) und sie haben gesiegt. Russische Soldaten haben, einschließlich kürzlich in Syrien, wiederholt bewiesen, daß sie ebenso mutig sind. Aber russische Politiker scheinen wirklich lauer und bestechlicher zu sein, und es besteht immer das Risiko, daß Putin schrittweise weniger Offizier und mehr Politiker werden könnte. Und das bedeutet im Gegenzug, daß diejenigen von uns, die dem Empire widerstehen und Putin und die Russen unterstützen, diese Unterstützung zwingend von einer deutlich erklärten Reihe von moralischen und spirituellen Prinzipien abhängig machen, nicht von der Art Loyalität, “egal ob mein Land richtig oder falsch handelt”, und noch weniger von dem Trugschluß, “der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Wenn Putin seine gegenwärtigen Versuches, die Israelis mit einem neuen Typ innerer Opposition zu beruhigen, fortsetzt, könnte diese an Macht gewinnen und den bereits bestehenden, neue Spannungen hinzufügen.

Zur Zeit verfügt Putin, trotz seiner jüngsten Fehler, noch noch über eine Menge “Kapital an Glaubwürdigkeit”. Allerdings haben Putins jüngste Entscheidungen viele unangenehme Fragen aufgeworfen, die beantwortet werden müssen und es rechtzeitig werden.Währenddessen gilt, wie man in den VSA zu sagen pflegt: “Hoffe das Beste, bereite Dich auf das Schlimmste vor und siedle dich irgendwo in der Mitte an.” Auf die Bibel warnt uns davor aus unseren Führern Idole zu machen: “Verlaßt Euch nicht auf Fürsten, sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.” (Psalm 146:3). Der weltliche Teufel, gegen den wir heute in Gestalt des anglo-zionistischen Empires kämpfen, ist nichts weiter als die Manifestation eines noch tieferen, spirituellen Bösen: “Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geister unter dem Himmel.” (Eph. 6:12). Die jungen Männer und Frauen aus der schiitischen Bewegung, Amal*, lagen richtig, als sie bei der Gründung der Hisbollah im Jahr 1985 den Namen “Partei Gottes” für ihre Bewegung gewählt haben. Und der Iran lag richtig, als er zu einer islamischen Republik geworden ist: und wenn wir das Empire besiegen wollen, müssen wir stets spirituelle Gründe und moralische Kriterien über unsere “pragmatischen” weltlichen politischen Überlegungen oder nationale/ethnische Treue stellen: so werden wir jene besiegen können, die den Wert des Dollars über absolut alles stellen, das sie in ihrer engen materialistischen Weltanschauung betrachten.

 

Schlußfolgerung zwei: Die Frage nach “Russischen Werten”

Politische Ambivalenzen Rußlands sind die direkte Folge der Tatsache, daß Rußland, als Ganzes, noch definieren muß, was “Russische Werte” wirklich sind. Das historische Rußland ist auf der Christenheit der Kirchenväter und des römischen Zivilisationsmodells sowie auf dem des sowjetischen Marxismus-Leninismus gegründet worden. Die 1990er waren vom totalen Triumph des Amok laufenden Materialismus gekennzeichnet. Aber anderes als die Hisbollah oder der Iran, basiert dad “Neue Rußland” (wie ich es nennen möchte) nicht auf nichts weiter als einer Verfassung, die größtenteils von VS-Beratern und ihren Stellvertretern und einer generellen Opposition gegen das westliche Zivilisationsmodell (besonders seit 2014) geschrieben worden ist. Gegen irgend etwas zu sein ist keine inspirierende oder irgendwie vertretbare politische oder moralische Haltung (wie die Weißen Garden während des russischen Bürgerkriegs erkannt haben). Außerdem muß Rußland, in ihrer Konfrontation mit einem anglo-zionistischen Empire, daß für absolut nichts weiter als die Grundinstinkte steht, *für* etwas sein, und nicht nur gegen etwas anderes. Solange Rußland nicht einen Satz fest definierter spiritueller/moralischer Werte definiert und erklärt für die sie einsteht,wird das weitere Hin und Her sich fortsetzen und die russische Politik wird sich als inkonsistent erweisen, bestenfalls.

[Anmerkung: Hier möchte ich die russische Gesellschaft den russischen Streitkräften gegenüberstellen, die, neben einer Vielzahl an guter Ausrüstung, einem sehr festen und klaren Ethos und ein felsenfestes Verständnis und eine ebensolche Klarheit darüber haben, wofür sie stehen. Aus diesem Grund waren russische Soldaten durchwegs und spontan dazu bereit ihre Leben zu opfern. Der russische Zivilgesellschaft mangelt es an dieser Form von Klarheit, und russische Politiker, die nicht in Rußland nicht besser sind als anderswo, nutzen diesen Umstand häufig aus. Auch sind die russischen Streitkräfte die Institution mit dem stärksten historischen Gedächtnis und den tiefsten Wurzeln in der russischen Geschichte. Ich würde sagen, sie sind die einzige Institution im modernen Rußland, deren Wurzeln wirklich bis über die Revolution von 1917 hinausreichen und noch viel weiter zurück als nur das. Als Nachfahre “Weißer Russen” habe ich es immer für unheimlich und freilich auch für erstaunlich gehalten, wie viel näher ich mich russischen Militäroffizieren als russischen Zivilisten gefühlt habe. Für mich fühlt es sich oft so an, als würden zwei Arten von Rußen gleichzeitig existieren: Die “neuen Russen” (die immer noch definiert werden müssen) und die militärischen Offiziers Corps (sowjetische oder post-sowjetische). Der letzte Typ hat ist mir schon fast instinktiv sinnvoll erschienen und fühlte sich oft nach Familie an. Das ist wohl kaum eine wissenschaftliche Betrachtung, sondern spiegelt meine durchgängige persönliche Erfahrung.]

Es gibt hier eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, daß Israel einen Angriff der VS auf den Iran erfolgreich auslösen wird. Wenn das geschehen sollte, wird es eine politische Krise in Rußland auslösen, weil der Raum für derzeitige politische Ambivalenzen drastisch reduziert wird. Aus moralischen und pragmatischen Gründen. Rußland wird sich entscheiden müssen, ob sie es sich leisten kann Beistand zu leisten oder nicht. Das wird keine einfache Entscheidung sein, da es innerhalb der herrschenden Eliten keinen Konsens darüber gibt. Aber es steht zu viel auf dem Spiel und die Konsequenzen der Untätigkeit sind untragbar. Meine Hoffnung ist, daß ein großer militärischer Konflikt zu einem drastischen Anstieg von Macht und Einfluß der Militär-“Lobby” innerhalb des Kremls führen wird. Am Ende wird die Israel-Frage und die des Zionismus wieder aufgegriffen und mit der pro-Israel-Lobby innerhalb Rußlands umgegangen werden müssen, damit nicht Rußland denselben Weg der Selbstzerstörung geht, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Grund ist das Konzept der “wahrhaften Souveränisierung” ein patriotisches Motto/Ziel, daß die Eurasischen Souveränisten weiterhin fördern müssen (unabhängig von der tatsächlich verwendeten Terminologie), weil es auf die wahren Probleme der russischen Innen- und Außenpolitik weist, die benannt und gelöst werden müssen. Dies wird ein langer und schwieriger Prozeß mir Siegen und Rückschlägen sein. Wir sollten uns besser mit dem Gedanken vertraut machen, daß sich künftig wiederholen wird, was in den vergangenen Wochen geschehen ist.

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Alle mit einem * versehenen Links enthalten deutschsprachige Quellen und wurden vom Übersetzter zusätzlich eingefügt

Zuletzt editiert: 27. Mai 2018, 12:05

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