Syrien – Kriegsbericht vom 9. Januar 2019: Türkei will Kontrolle über VS-Militärbasen in Nord-Syrien

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Ankara hat die Vereinigten Staaten (VS) aufgefordert 16 ihrer Militärstützpunkte in Nord-Syrien nach ihrem Abzug von dort an die Türkei oder lokale Behörden zu übergeben, sagte der Sprecher des Präsidenten, Ibrahim Kalin, am 8 Januar nach Gesprächen mit VS-Beamten.

“Wir sind mit Trumps Entscheidung eines Abzugs [aus Syrien] einverstanden, jedoch muß geklärt werden welche Art von Struktur dort verbleibt, was mit den schweren, dort stationierten Waffen geschieht und wie es mit den amerikanischen Militärstützpunkten und Logistikzentren weitergeht. Bei diesem Treffen werden wir das im Detail besprechen”, sagte Kalin.

Er fügte hinzu, daß der US-Truppenabzug “den Terrororganisationen und anderen Elementen, einschließlich der PYD/YPG keine neuen Möglichkeiten” eröffnen sollte.

Früher hat Ankara wiederholt gelobt der Idee verschrieben, daß die VS die Waffen und Ausrüstung, mit denen sie die kurdischen Gruppen in Syrien versorgt hat, einzusammeln. Allerdings erscheint diese Forderung ebenso unrealistisch wie die Übergabe der VS-Infrastruktur an die Türkei.

Diese Stellungnahmen sind der öffentliche Teil der andauernden Verhandlungen zwischen der Türkei und den VS über die Situation in Nord-Syrien, besonders der in Manbij. Ähnliche Verhandlungen finden derzeit sowohl zwischen dem russisch-iranisch-syrischen Bündnis und der Türkei als auch zwischen dem Bündnis und bewaffneten kurdischen Gruppen statt. Jedoch haben alle Seiten bisher keinen nennenswerten Fortschritte gemacht. Das kann durch die Beobachtung derjenigen Regionen in der Umgebung von Manbbij ermittelt werden, in denen derzeit die syrische Armee oder russische Militärpolizei stationiert ist. Sie kontrollieren nach wie vor nur verschiedene Stellungen westlich der Stadt. Wenn sie abziehen, würde die bedeuten, daß die kurdische Führung sämtliche Vorschläge von Damaskus und deren Verbündeten zurückgewiesen hat. Würden sie in Manbij einmarschieren oder ihre Kontrolle nahe der Stadt erweitern, wäre dies ein Zeichen für einen Fortschritt.

In der Deeskalationszone von Idlib, hat Hayat Tahrir al-Sham verschiedene neue Gebiete von türkisch unterstützten im Nordwesten von Hama und Süd-Idlib erobert und die Kontrolle über ein Dutzend Dörfer erlangt.

Derweil haben regierungsnahe Kräfte etliche Infiltrationsversuche durch militante Gruppen in Nord-Hama, nahe der von Hayat Tahrir al-Sham gehaltenen Region abgewehrt. Die Angriffe wurden aus Richtung der Orte al-Latamia, Mourek und Ma´arkib ausgeführt. Laut syrischen Staatsmedien habe die Milizen bedeutende Verluste erlitten, ohne daß es ihnen gelang auch nur eine Stellung zu erobern.

Syrischer Staatsmedien berichten regelmäßig über Verletzungen des Waffenstillstands durch in der Deeskalationszone operierende militante Gruppen. Im Gegenzug beschuldigt die “Opposition” die Regierung in Damaskus ihrerseits den Waffenstillstand zu verletzen.

Allerdings könnte sich die Situation durch eine weitere Expansion von Hayat Tahrir al-Sham schon in allernächster Zukunft ändern. Wenn die Terrorgruppe ihren Ziele nachkommt und ihre Kontrolle auf weitere Gebiete in der Deeskalationszone ausweitet, wird sich die Situation in der demilitarisierten Zone, nahe der Provinz Idlib, wahrscheinlich weiterhin verschlechtern. Eine solche Entwicklung würde sämtliche vergangenen Bestrebungen von Damaskus, Rußland, dem Iran und der Türkei, die Situation in diesem Landesteil zu beruhigen, unterwandern.

Quelle: https://southfront.org/syrian-war-report-jan-9-2019-turkey-wants-us-military-bases-in-northern-syria/

Übersetzung©: Andreas Ungerer

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