Syrien – Kriegsbericht vom 9.-11. Februar 2019: Die sicheren Häfen des ISIS

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In der vergangenen Woche hat die Syrisch Arabische Armee (SAA) einen Großen Stützpunkt des ISIS im Umland von al-Mayadin in der Provinz Deir ez-Zor entdeckt. Der Stützpunkt beinhaltete etliche Massengräber von Zivilisten die vor über zwei Jahren von der Terrorgruppe hingerichtet worden waren, ein Ausbildungsgelände, eine Munitionsfabrik sowie ein Tunnelsystem, daß mehrere Stellungen miteinander verbindet. Armeesoldaten haben auf dem Gelände Dutzende improvisierter, raketengestützter Munition beschlagnahmt und einen Kampfpanzer vom Typ T72 zerstört.

Diese Entdeckung unterstreicht wiederholt die großen Sicherheitsprobleme, die nach wie vor in den vom ISIS befreiten Gebieten in Ost-Syrien bestehen. Al-Mayadin ist im Oktober 2017 von der SAA befreit worden. Jedoch veröffentlichen die Regierungsstreitkräfte immer noch Berichte über neu entdeckte Waffendepots und Tunnel, die vom ISIS verlassen worden sind. Dies ist wahrscheinlich das Ergebnis unzureichender Bemühungen oder mangelnder Ressourcen bei der vollständigen Sicherung der Region.

Angesichts der Beendigung der Operationen der von den Vereinigten Staaten (VS) unterstützten Demokratischen Kräfte (SDF) im Kessel von Hajin und der Flucht von zahlreichen ISIS-Mitgliedern in die Wüste zwischen Homs und Deir ez-Zor sowie nach Nordost-Syrien und in den Westirak, erhalten solche Probleme eine besondere Bedeutung.

Am 9. Februar hat die SDF den Beginn ihres letzten Vorstoßes zur Vernichtung des vom ISIS gehaltenen Kessels angekündigt. Diese Ankündigung erfolgte als Reaktion auf einen Angriff von 12 ISIS-Mitgliedern auf Stellungen der SDF in den Ölfeldern von Omar. SDF-Kämpfer haben den Angriff mit Unterstützung von Kampfflugzeugen der von den VS angeführten Koalition zurückgeschlagen, wobei 10 ISIS-Mitglieder getötet worden sind. Zwei weitere haben sich in ihre Positionen im Euphrat-Tal zurückgezogen.

Am 10. Februar hat die Pressestelle der SDF erklärt, daß die Gruppe 4 Versorgungswege sowie 19 Stellungen vom ISIS erobert hat. Jedoch dauern, gemäß dieser Beschreibung der Ereignisse, die Gefechte in der Region weiterhin an.

Von verschiedenen Quellen sind Berichte erschienen, wonach die von den VS geführte Koalition und der ISIS hinter der Bühne miteinander verhandeln. Laut einigen Quellen sollen die Verhandlungspartner eine erste Vereinbarung miteinander getroffen haben, die es Anführern und Kämpfern der Terrorgruppe erlauben würde in eine unbestimmte Region abzuziehen. Diese Quellen glauben, daß es sich bei dieser Region um die Wüste al-Anbar im Westirak oder die Wüste nahe al-Tanf im Südosten Syriens handeln wird, wo sie ein VS-Stützpunkt befindet. Den Familien der ISIS-Mitglieder sowie verwundeten ISIS-Kämpfern soll ein Aufenthalt in den von den SDF kontrollierten Gebieten gestattet werden.

Bei den SDF haben Scheingefechte gegen den ISIS zur Verschleierung von Geheimverhandlungen mit der Terrorgruppe eine lange Tradition. Beispielsweise hat die kurdische Gruppe im Oktober 2017 behauptet, daß ihre Kämpfer Stellungen des ISIS in Raqqa stürmen, während die Terroristen in Wahrheit ihre Waffen in die Provinz Deir ez-Zor verlegt haben.

In der Provinz Deir ez-Zor und al-Raqqa hat sich an diesem Wochenende eine neue Welle von Protesten gegen die von den VS geführte Koalition erhoben. Während der von arabischen Anführern organisierten Proteste, haben die Demonstranten improvisierte Flaggen der VS und Frankreichs verbrannt und ein Ende der ausländischen sowie eine Aussöhnung mit Damaskus Besatzung gefordert.

In der Zwischenzeit haben die SDF verlautbart, daß ihre Sicherheitskräfte 63 “Terroristen” während einer umfangreichen Durchsuchungsoperation in der Stadt Raqqa verhaftet haben. Die Erklärung der Gruppe hat weder den ISIS erwähnt noch diese vermeintlichen Terroristen irgendwelcher tatsächlicher Verbrechen beschuldigt. Einige Quellen vor Ort behaupten, daß es sich bei den verhafteten Personen um Unterstützer der Aussöhnung mit Damaskus handeln könnte.

Die Situation in der Deeskalationszone von Idlib bleibt weiterhin angespannt, wobei sich die Regierung und die Milizen gegenseitig beschuldigen den Waffenstillstand verletzt zu haben. Laut gesicherter Daten, unternimmt Hayat Tahrir al-Sham aktive Bemühungen zur Bildung eines vereinten Kommandos der in der Region existierenden bewaffneten Gruppen, um für eine erwartete groß angelegte militärische Operation vorbereitet zu sein.

Andererseits fahren russische Militärberater und mit Rußland verbundene private Militärdienstleister mit der Ausbildung regierungsnaher Kräfte fort. In regelmäßigen Abständen erscheinen Gruppenfotos von russischen Spezialisten mit von ihnen ausgebildeten SAA-Soldaten und regierungsfreundlichen Milizionären.

Am 9. Februar haben die mit der YPG verbundenen Befreiungskräfte von Afrin (ALF) erklärt, daß kurdische Kräfte a, 6. und 7. Februar eine Reihe von Angriffen auf pro-oppositionelle Milizen in der von der Türkei besetzten Region Afrin im Nordosten Syriens ausgeführt haben. Die Angriffe richteten sich gegen zwei Fahrzeuge und zwei Stellungen der von der Türkei unterstützten Hamza Division sowie gegen Jaysh al-Sharqiyah.. Hierbei sollen sieben Milizionäre der beiden Gruppen verwundet worden sein.

Derweil kann in Kanälen der Mainstream Medien und mit Israel verbundener Medienorganisationen eine groß angelegte Medienkampagne über angeblich wachsende Spannungen zwischen Teheran und Moskau über die ansteigende Präsenz des Iran und der Hisbollah beobachtet werden. Das Ziel dieser Kampagne ist, auf die politische Situation in Syrien vor dem erwarteten Abzug von VS-Streitkräften Einfluß zu nehmen.

Quelle: https://southfront.org/syrian-war-report-feb-9-11-2019-us-led-coalition-is-about-to-reach-another-deal-with-isis/

Übersetzung©: Andreas Ungerer

 

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